Ich gehöre ja erst seit kurzem zu den neutralen Beobachtern des Eishockey-Sports. Doch was die beiden Mannschaften am letzten Samstag zeigten, war meiner Meinung nach wirklich stark! Emotionen, Härte, spielerische Klasse und Akteure auf beiden Seiten, die in solchen Spielen ihre Topleistungen abrufen können. Zudem eine Stimmung in Zug, die im und um das Stadion vibrierend war und eindrücklich zeigt, dass Zug eine absolute Eishockey-Stadt ist.

Der EV Zug hatte zu Beginn mehr vom Spiel, kam aber selten zu zwingenden Torchancen. Der SC Bern stand in der eigenen Zone sehr kompakt und war vor allem physisch äusserst präsent. Man merkte schnell, dass die Berner eine Reaktion zeigen wollten, auf ihren eher verhaltenen Start in die Finalserie vom letzten Donnerstag.

Simon Moser, der Captain, war eine Dampfwalze im wahrsten Sinne des Wortes. Der Check an Raphael Diaz im ersten Drittel im Backchecking tat den Zugern weh – nicht nur physisch. Tristan Scherwey, der mit seinem Check in der Overtime an Dominik Schlumpf die Bahn für André Heim sozusagen freipflügte, war ein anderer Spieler, der einmal mehr sein Team antrieb. Zudem brachten auch die Rückkehrer (Rüfenacht, Haas, Boychuk) sehr wichtige Impulse und der SC Bern war dadurch in der Offensive äusserst breit aufgestellt.

Suris Abwesenheit wiegt schwer

Thomas Rüfenacht, der momentan wahrscheinlich keine einfache Zeit durchlebt – er verpasste das erste Spiel aus familiären Gründen –, legte sich gleich zu Beginn mit EVZ-Schlüsselspieler Garrett Roe an – physisch wie verbal und hat damit einmal mehr unter Beweis gestellt, wie wertvoll er in den Playoffs ist. Auf Zuger Seite zeigte sich, dass der Verlust von Reto Suri schwerer wog als der Verlust von Almquist für die Berner.

Bei fünf gegen fünf Feldspielern schien es, als ob die Chemie in den Linien durch Suris Abwesenheit gelitten hatte. Herausragend war für mich bei den Zugern Roe. Nicht nur spielerisch einer der Besten der Liga, sondern auch ein Spieler, der sehr viel einstecken kann und dadurch meiner Meinung zu den Härtesten der Liga zählt. Die viel diskutierte Szene in Spiel eins, sein Simulieren nach dem Zusammenprall mit Beat Gerber, war sicher nicht glücklich, aber entspricht nicht seiner Art.

Scherweys Emotionen

Die Zuger waren am vergangenen Samstag vor allem im Powerplay sehr gefährlich. Das Dreieck Alatalo, Martschini und Roe zeigte, weshalb sie die Skorerliste in den Playoffs anführen und weshalb der EVZ das beste Powerplay hatte während der Qualifikation. Die Berner, sonst immer sehr diszipliniert, zahlten einen teuren Preis für Strafen in der offensiven Zone.

Dies war erst die zweite Niederlage in den Playoffs für die Zuger und die erste nach vier Siegen in Folge gegen den SC Bern. Ich bin überzeugt, dass der EV Zug die richtigen Schlüsse aus diesem Spiel ziehen wird. Denn bei gleicher Anzahl Feldspieler auf dem Eis war der SC Bern am Samstag besser.

Wenn man sich die Emotionen in Tristan Scherweys Gesicht nach der Overtime-Entscheidung zugunsten seiner Mannschaft in Erinnerung ruft, dann steigt die Vorfreude auf das Spiel von heute Abend umso mehr. Für solche Momente «lebt» man Eishockey und diese gehen auch dem neutralen Beobachter unter die Haut.