Apropos
Eine heikle Eishockey-Debatte: «Frauen sollen spielen wie Frauen!»

Unsere Reporter nehmen uns mit zu den Nebenschauplätzen der Olympischen Spiele. Heute berichtet Klaus Zaugg über ein heikles Thema in der Eishockey-Welt. Die Frage heisst: Sollen Frauen bald Checks austeilen dürfen?

Klaus Zaugg
Klaus Zaugg
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Die Schweizer Eishockey Frauen im Spiel gegen Team Korea.

Die Schweizer Eishockey Frauen im Spiel gegen Team Korea.

Keystone

Der politisch korrekte Chronist würde es nie wagen, kontrovers über Frauen-Eishockey zu schreiben. Er gestattet sich höchstens eine Anmerkung zum Modus: 2014 holten die Schweizerinnen mit zwei Siegen Bronze. Jetzt mit fünf Siegen Platz 5.

So ist er froh, dass er sich nun zu einer viel heikleren Thematik auf die höchste Autorität berufen kann. René Fasel, der Präsident des Weltverbandes, sagt nämlich: «Frauen sollen spielen wie Frauen.» Er meint damit, Frauen sollten nicht versuchen, Männer-Eishockey zu spielen. Und er präzisiert: «Solange ich Präsident bin, wird Checken im Frauen-Eishockey ganz sicher nicht erlaubt.»

Besser als für Rumpelhockey eignen sich die Frauen, um Politik zu machen. Bei den Spielen 2022 in Peking wird das Frauenturnier von acht auf zehn Teams erweitert. Dahinter steht die Hoffnung, es möge den Süd- oder Nordkoreanerinnen gelingen, sich sportlich zu qualifizieren. Damit es auch in vier Jahren ein gemeinsames Team gibt.

Die vereinigten koreanischen Eishockeyfrauen sind hier eine so grosse Sache, dass sogar über den Friedensnobelpreis nachgedacht wird. Da drängt sich die Frage auf: warum nicht ein gemeinsames Team der Männer?

Immerhin sind die Südkoreaner inzwischen so gut (bei der nächsten WM Gegner der Schweiz), dass eine sportliche Qualifikation für Peking 2022 möglich ist. «Das ist eine gute Frage», sagt René Fasel. «Aber der sportliche Unterschied ist zu gross.» Bei den Frauen liegen die beiden Korea in der Weltrangliste mit den Rängen 22 und 25 praktisch auf Augenhöhe. Bei den Männern ist die Differenz zwischen dem Süden (21.) und dem Norden (39.) viel grösser. Aber es wäre doch kein Problem, vier oder fünf Nordkoreaner im südkoreanischen Team zu integrieren. Ein oder zwei Spieler auf dem Matchblatt, die eigentlich nicht mithalten können, sozusagen Operettenspieler, müsste man für eine so grosse weltpolitische Sache schon akzeptieren.

Von diesem Vorschlag hält René Fasel nichts. Er sagt: «Solche Ideen verraten einen Mangel an Respekt vor unserem Sport.» Dass ein gemeinsames Team der Frauen möglich ist, aber keines der Männer, zeigt uns noch einmal, dass Frauen- und Männer-Eishockey zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Männer-Eishockey ist eine viel zu wichtige Sache und darf nicht für politische Aktionen benutzt werden. Mit Frauen-Eishockey ist das hingegen gut machbar.