U20-WM

Die Schweizer Junioren strotzen vor Selbstvertrauen

Die Schweizer Junioren wollen auch im Halbfinal gegen Finnland jubeln

Die Schweizer Junioren wollen auch im Halbfinal gegen Finnland jubeln

Die Schweizer Junioren stehen an der U20-Weltmeisterschaft nach einem 2:0-Sieg gegen Schweden im Halbfinal. Zufrieden sind sie aber noch lange nicht.

Alle um sie herum hätten davon gesprochen, dass Schweden gewinnen würde. Sie hätten jedoch an den Sieg geglaubt, sagte Luca Wyss der Torschütze zum 2:0. Das war von Beginn weg zu spüren und unterstreicht das neue Selbstverständnis im Schweizer Eishockey. Die Mannschaft träumt nicht erst seit dem Coup gegen die Skandinavier von einer Medaille, sondern tat dies schon vor dem Turnierstart. Die guten Leistungen in der unmittelbaren WM-Vorbereitung gaben ihr die Gewissheit, mit den Topnationen auf Augenhöhe zu sein. Trainer Christian Wohlwend hatte schon vor dem Abflug betont, dass die drei Testspiele entscheidend sein würden.

Den Schweizer Junioren gelang zum vierten Mal nach 1998, 2002 und 2010 an einer U20-WM der Sprung unter die besten vier Teams. Eine Medaille, die bronzene, holten sie einzig 1998. Damals scheiterten sie im Halbfinal an Finnland, das auch diesmal nach dem überraschenden 2:1-Sieg nach Verlängerung gegen Gastgeber Kanada in der Nacht auf Samstag der Gegner ist. Vor 20 Jahren waren Goalie David Aebischer und der 1997 als Nummer 14 gedraftete Michel Riesen die Aushängeschilder der Schweizer Equipe. Aebischer wurde damals zum besten Torhüter des Turniers gewählt, Riesen ins zweite All-Star-Team. Beide kamen danach zu Einsätzen in der NHL - wie auch die ebenfalls zur damaligen Mannschaft gehörenden Julien Vauclair und Thomas Ziegler.

Ob es diesmal so viele Spieler in die beste Liga der Welt schaffen, ist trotz der starken Leistungen mehr als fraglich. Am ehesten ist dieser Schritt Philipp Kuraschew zuzutrauen, der bereits fünf Tore an diesem Turnier erzielt hat und neben Goalie Akira Schmid (New Jersey Devils) sowie den Verteidigern Tim Berni (Columbus Blue Jackets) und Nico Gross (New York Rangers) einer von vier bereits gedrafteten Spielern bei den Schweizern ist. Die Chicago Blackhawks zogen ihn als Nummer 120. Zum Vergleich: Bei den Schweden wurden 17 Spieler bereits von einem NHL-Team berücksichtigt.

Die grösste Stärke der Schweizer Mannschaft ist die Breite, alle vier Linien können Entscheidendes zum Erfolg beitragen. Das beste Beispiel dafür war der Viertelfinal gegen Schweden. Wyss bestritt sein erstes Spiel an dieser WM. Der Langenthaler Stürmer hob denn auch den Team-Effort hervor. Ausserdem haben die Schweizer mit Luca Hollenstein einen "heissen" Goalie. Der Keeper der EVZ Academy weist nach drei Einsätzen eine Abwehrquote von sensationellen 97,75 Prozent aus und ist damit aktuell der beste Torhüter des Turniers.

Hollenstein ist erst 18 Jahre alt und einer von elf Spielern bei den Schweizern, die auch im kommenden Jahr an der nächsten U20-WM dabei sein können, womit die Perspektiven sehr gut sind. Ein anderer ist Verteidiger Janis Moser, der sich beim EHC Biel hervorragend entwickelt hat und durchaus auch ein Kandidat für die NHL ist.

Dass die Schweizer mittlerweile gross denken, hat auch viel mit Patrick Fischer, dem Headcoach der A-Nationalmannschaft, zu tun, der in Kanada ebenfalls vor Ort ist. Bei seinem Amtsantritt im Herbst 2015 redete er vom Weltmeistertitel und wurde dafür belächelt. Im vergangenen Mai gewannen die Schweizer zum zweiten Mal nach 2013 WM-Silber und waren extrem nahe dran an der Goldmedaille - sie unterlagen Schweden erst im Penaltyschiessen. Nun sind die Junioren auf bestem Weg, Geschichte zu schreiben. "Wir können Finnland schlagen", ist Captain Nando Eggenberger überzeugt. "Wir wollen unbedingt in den Final."

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