André Rötheli und der EHC Olten – es ist eine Beziehung mit vielen Facetten. 1987 lancierte der Hägendörfer als 17-Jähriger in seinem Stammklub seine beeindruckende Spielerkarriere, die nach vier Jahren EHC Olten über Lugano zum EV Zug führte und nach insgesamt 20 Jahren als Profi schliesslich beim SC Bern seinen krönenden Abschluss fand. Danach stieg André Rötheli, nicht verwandt mit dem abtretenden Geschäftsführer Peter Rötheli, in Olten ins Trainer-Business ein. Im November 2012 verabschiedete sich der Hägendörfer aber in einer Hauruck-Aktion als Assistenztrainer von Olten – zu verlockend war das Angebot des Sportchefs von Kloten. Im Frühling scheiterte er daran, den EHC Kloten als Interimstrainer vor dem Abstieg zu wahren. Er übernahm Verantwortung und amtet seither als Headcoach.

Er sei froh, hätten sie das «dumme Geschwätz» endlich hinter sich lassen können, sagt André Rötheli. Das Geplaudere, wonach der EHC Kloten nach dem schockierenden Abstieg die Swiss League umgehend dominieren würde, ja sich sogar spielend leicht in der ersten Saison schon wieder in die National League hinaufspielen würde.

Dass das Vorhaben nicht ganz so simpel ist, bekam der EHC Kloten in einer nicht zu überbietenden Deutlichkeit zu spüren: Auf drei Siege zum Saisonauftakt folgten sieben Niederlagen en suite, der Trainerstuhl von André Rötheli wackelte gewaltig. Doch dem Solothurner sprach man schliesslich das Vertrauen aus. «Im Nachhinein haben wir vielleicht diesen ’Chlapf’ als ’Lehrblätz’ gebraucht, damit hier allen vor die Augen geführt wird, dass die Swiss League keine Amateurliga ist und sicher keine Mannschaft einfach so durchmarschiert», sagt Rötheli.

Die Akte Jokinen wird geschlossen

Es hat lange gedauert, um den Schlendrian, gepaart mit einer gewichtigen Überheblichkeit, im tristen Alltag der Swiss League wieder aus der Klotener Garderobe zu vertreiben.

Harte, ehrliche Arbeit mit starkem Charakter auch neben dem Eis steht bei André Rötheli, von allen «Roots» genannt, nunmehr noch stärker im Vordergrund. Es scheint gefruchtet zu haben: Aus den letzten zehn Meisterschaftsspielen resultierten acht Siege.

Der sechstplatzierte EHC Kloten tut gut daran, heute Abend mit einem weiteren Sieg die Lücke auf Platz fünf zu schliessen.

André Rötheli winkt ab. Er mag nicht an Punkte und Tabellenplatzierung denken, geschweige denn darüber sprechen. Ihm liegt viel mehr der Lernprozess seiner Mannschaft am Herzen. Dass diese Entwicklung in den letzten vier Wochen eine positive Wende nahm, ist vor allem auch dem Finnen Jussi Jokinen (6 Spiele, 2 Tore, 9 Assists) zu verdanken, dessen Temporärvertrag über vier Wochen nach dem heutigen Spiel in Olten enden wird.

Der 35-Jährige, mit einer Erfahrung von 1005 NHL-Spielen im Gepäck, wird noch diese Woche nach Nordamerika zurückkehren, um seinem Traum NHL noch einmal nachzugehen.

Die Akte Jokinen wird in Kloten mit Wehmut geschlossen. Rötheli, nach der Bilanz zum Jokinen-Engagement befragt, setzt zum Lobeslied an: «Jussi hat uns alle imponiert. Ein unglaublicher Ausnahmespieler, von dem wir alle enorm viel profitieren konnten. Es ist beeindruckend, mit welcher Professionalität er noch in seinem Alter Tag ein, Tag aus seinem Job nachgeht», schwärmt Rötheli.

Und vor allem habe Jokinen zu keinem Zeitpunkt Starallüren gezeigt. «Er ist sich für nichts zu schade, macht auch die kleinen mannschaftsdienlichen Sachen, wirft sich in Schüsse oder spitzelt fünf Sekunden vor Ende der Partie hechtend die Scheibe aus dem eigenen Drittel. Jussi hat uns ganz einfach aufgezeigt, was es braucht, um in einer Zeitspanne von 13 Jahren auf über 1000 NHL-Spiele zu kommen.»

Das Ende des Jokinen-Kontrakts birgt nun beim EHC Kloten aber auch neue Risiken. Die grosse Frage wird sein: Wie wird sich der National-League-Absteiger ohne ihren NHL-Veteranen im Kader zeigen?

André Rötheli offenbart, dass er sich seit Tagen damit beschäftigt – und sieht zwei Szenarien: Einerseits bestehe nun für jeden einzelnen Spieler die Chance, mit dem Jokinen-Lernprozess im Hinterkopf, weiter aufzublühen und sich zu beweisen. Andererseits sieht Rötheli aber auch die Gefahr, nach allfälligen ersten Niederlagen ohne Jokinen in ein erneutes Loch zu fallen. Der Kloten-Trainer sieht der Problematik gelassen entgegen: «Das ist das Spannende an unserem Job. Es werden alle gefordert sein, dass Ersteres eintreffen wird.»

Doch vorerst stehe heute im Zentrum, noch einmal von Jussi Jokinens Erfahrung zu profitieren. Ob André Rötheli mit Jussi Jokinen und Co. dem EHC Olten ein Bein stellen kann?

Rötheli muss schmunzeln: «Wir werden es sehen. Es wird bestimmt ein spezielles Spiel. Ich bin mit der Region stark verbunden. Meine Eltern wohnen noch immer in Hägendorf. Der EHC Olten, das Stadion Kleinholz – das bedeutet für mich Heimat.»