Eishockey
Der «Krieger» Yves Sarault ersetzt in Lausanne den smarten Rechtsanwalt Dan Ratushny

Ausgerechnet Yves Sarault (44). Der Aufstieg des kanadischen «Warriors» («Kriegers») zum Cheftrainer zeigt uns die Krise des welschen Hockeys – und die Zukunft. Er kann bei Lausanne der nächste Chris McSorley werden – zumindest, was den Unterhaltungswert betrifft. Biels Sportchef Martin Steinegger sagt: «Er kann an der Bande noch verrückter toben als McSorley.»

Klaus Zaugg
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Yves Sarault ist der neue Cheftrainer von Lausanne.

Yves Sarault ist der neue Cheftrainer von Lausanne.

Keystone

Lausannes neuer Cheftrainer kam 2003 nach Bern und war Vorkämpfer des Meisterteams von 2004. In vier von fünf Saisons in der Schweiz mit Einsätzen in Bern, Genf, Davos, Basel, Olten und Langenthal verbüsste der Stürmer mehr als 100 Strafminuten. 2014 ist der Kanadier in Lausanne Cheftrainer der Elite-Junioren und Assistent der ersten Mannschaft geworden. Nun ist der «Krieger» vorläufig vom Assistenten zum Nachfolger des gefeuerten Dan Ratushny zum Cheftrainer befördert worden.

Rumpelhockey in Lausanne?

Wahrlich, ein spektakulärer Stilwechsel. Nach dem Aufstieg von 2013 hat der grosse, grantige Taktiklehrer Heinz Ehlers in Lausanne die taktischen Gleise gelegt und ist darauf in drei Jahren zweimal in die Playoffs gerollt. Auf diesem Schienenstrang brauste der charismatische Rechtsanwalt Dan Ratushny letzte Saison mit kreativem Champagner-Hockey in die Spitzengruppe der Liga (4.). Mit diesem stürmischen Hockey hat er viel zu hohe Erwartungen geschürt. Die konnte er nicht mehr erfüllen.

Werden wir in Lausanne nach taktischem Schachspiel und offensivem Spektakel nun Rumpelhockey sehen? So wird es wohl vorerst nicht sein. Und doch ist die Beförderung von Yves Sarault ein Signal, das uns etwas über das welsche Hockey sagt. Es ist sogar eine Warnung. Stéphane Rochette, heute TV-Kommentator, vorher Nachwuchschef und Assistent von Yves Sarault bei Lausannes Elite-Junioren, erzählt: «Wir spielten mit unseren Elitejunioren im Frühjahr 2016 das Halbfinale gegen den SCB. Der Masseur der Berner hat sich bei mir über unsere harte Gangart beklagt. Er habe nach Spielen gegen uns immer so viel Arbeit, weil es so viele blaue Flecken gebe. Aber nicht nur der SCB-Masseur jammerte über unsere harte Spielweise.

Auch in Zug und Davos wurde geklagt

Auch in Zug oder Davos wurde über die Härte unserer Elitejunioren geklagt. Die Zeit der weichen Welschen ist vorbei. Yves Sarault war als Ausbildner für Lausanne Gold wert.»
Gerd Zenhäusern, Lausannes Aufstiegstrainer von 2013 und heute Nachwuchschef bei Gottéron, ergänzt: «Chris McSorley hat das nordamerikanische Hockey nach Genf gebracht. Sein Beispiel hat auf die ganze Westschweiz ausgestrahlt und das Hockey verändert. Was Chris McSorley in Genf, das ist in der Nachwuchsarbeit Yves Sarault in Lausanne. Er hat dort dieses nordamerikanische Element eingebracht.»

Yves Sarault steht für den Umbruch des welschen Hockeys. Ein Umbruch, der das Management in Lausanne und Genf sportlich überfordert und in beide Richtungen führen kann – in den sportlichen Abgrund oder weiter nach oben. Getreu dem welschen Sprichwort «Reculer pour mieux sauter» («ein paar Schritte zurück, um weiter springen zu können»).