NLA - Eishockey
Das Offensivspiel des HC Davos gleicht einem Tinguely-Kunstwerk

Das HCD-Offensivspiel ist mehr als eine grosse Maschine. Es ist ein Kunstwerk. Eigentlich vergleichbar mit «Eureka», der legendären Maschine, konstruiert vom Jean Tinguely für die Expo 1964. Sie steht seit 1967 beim Zürichhorn.

Klaus Zaugg
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Hat nach der Bekanntgabe seines Transfers zu Fribourg den Kopf wieder frei: HCD-Center Samuel Walser.

Hat nach der Bekanntgabe seines Transfers zu Fribourg den Kopf wieder frei: HCD-Center Samuel Walser.

Keystone

Wer nichts von Eishockey versteht und dieses Kunstwerk nahe am Ufer des Zürichsees eine Weile bestaunt und sieht, wie sie auf wundersame Weise dreht und alles ineinandergreift, bekommt eine Ahnung vom HCD-Offensivspiel. Das Merkmal dieser Maschine ist allerdings, dass sie eigentlich nichts produziert.

So ist es diese Saison auch mit der HCD-Offensive. Sie produziert zu wenig Tore. Weniger als die Sturmabteilung der Titanen SC Bern (79), Lugano (69) oder die ZSC Lions (77).
Doch gestern stimmten Aufwand und Ertrag. Arno Del Curtos «Tinguely-Maschine» spuckte drei Treffer aus.

Genug für den Sieg gegen die ZSC Lions, die nach dem Ausfall von Robert Nilsson (gab wegen einer gegen Lausanne erlittenen Rückenprellung nach einem Drittel auf) die Kreativität und ab Spielmitte auch die Energie verloren. Tatsächlich beklagte ZSC-Cheftrainer Hans Wallson nach dem Spiel fehlende Energie. Ohne eine Erklärung dafür zu haben.

Kommt Luca Hischier zu Davos?

Eine zentrale Rolle bei der neuen HCD-Effizienz spielte Samuel Walser. Sozusagen als Chefingenieur der «Tinguely Maschine». Er brach mit dem 1:1 den Bann und ging am Ende mit einer properen Plus-2-Bilanz vom Eis. Der Boninger wird den HCD Ende Saison verlassen und künftig für Gottéron stürmen.

Das ist inzwischen offiziell unterschrieben und verkündet und darin sieht er durchaus eine befreiende Wirkung. «Eine Belastung ist weg.» Nun werde er bis Saisonende für den HCD noch einmal alles abrufen. «Es sind ja alles meine Kollegen und wir können zusammen drei Titel holen.» Den nationalen Hattrick mit Meisterschaft, Spengler Cup und Cup.

Die Davoser Dario Simion, Mauro Joerg, Dino Wieser und Tuomo Ruutu, von links.
4 Bilder
HC Davos
Die Davoser Fabian Heldner, Enzo Corvi, und Beat Forster, von links, freuen sich über ein Tor.
Zugs Josh Holden, links, kämpft um den Puck gegen Perttu Lindgren.

Die Davoser Dario Simion, Mauro Joerg, Dino Wieser und Tuomo Ruutu, von links.

Keystone

Ersatz für Samuel Walser

Wie Samuel Walser ersetzen? Darüber hat sich Arno del Curto bereits intensiv Gedanken gemacht. Er möchte Luca Hischier (23) vom SC Bern nach Davos holen. Und ihm eine zentrale Rolle zuweisen.

Der ältere Bruder von NHL-Wunderkind Nico Hischier steht damit vor der wegweisenden Wahl, ob er weiterhin Ergänzungsspieler und Pendler zwischen den Linien bei Kari Jalonen oder künftig eine zentrale Figur in Arno Del Curto «Tinguely-Maschine» sein will. Vielleicht hilft es ja, dass sein Agent Sven Helfenstein der Schwiegersohn von Guido Tognoni ist. Einem langjährigen Freund von Arno Del Curto.

Keine Nummer 2 mehr

Auch bei den ZSC Lions stehen Verschiebungen hinter den Kulissen an. Sportchef Sven Leuenberger hat es gestern gern gesehen, dass Lukas Flüeler zum besten Spieler der Partie gewählt worden ist.

Denn voraussichtlich muss er nächste Saison ganz und gar seiner Nummer 1 vertrauen. Niklas Schlegel, im Frühjahr noch WM-Held, gestern ins Farmteam zu den GCK Lions verbannt (4:5 n.P. gegen EVZ Academy) akzeptiert die Rolle der Nummer 2 voraussichtlich nicht mehr länger.

Die Chance: Nummer 1 in der NLA

Sein Agent Andy Rufener arbeitet an einem Transfer zu Kloten um dort im Falle eines Abgangs von Luca Boltshauser die neue Nummer 1 zu werden. ZSC-Manager Peter Zahner hätte für diesen Schritt Verständnis: «Wenn er die Chance bekommt, in der NLA die Nummer 1 zu werden, dann muss er sie packen. Wir würden in diesem Falle einen unserer eigenen Goalies als Nummer zwei einsetzen.»

Und im «kleinen Transfer-Grenzverkehr» zwischen den ZSC Lions und Kloten sollte im Gegenzug ja Klotens Leitwolf Denis Hollenstein ins Hallenstadion wechseln. Einer der ganz grossen Entscheidungsträger der ZSC Lions sagt zu diesem anstehenden, aber überaus brisanten Transfergeschäft: «Ich will dazu nicht einmal in dem Sinne zitiert werden, dass ich nichts dazu zu sagen habe.»

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