National League

Ambris letzter, grosser Tanz: Die Tessiner verlieren das Spiel, aber gewinnen die Saison

Für Ambri endet die Saison mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Für Ambri endet die Saison mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Biel zieht nach dem 2:1 gegen ein grosses Ambri ins Halbfinale ein. Ein Ambri, das eine grosse Saison gespielt hat und verdientermassen im Viertelfinal gelandet ist. Diese Saison war alles anders als sonst bei den Tessinern.

Die Saison ist für Ambri nach der vierten Niederlage gegen Biel zu Ende. Aber die Armen lernen auch ohne Musik zu tanzen. Dieses alte Sprichwort galt gestern auch für ein grosses Ambri. Die Leventiner tanzten den letzten Tanz der Saison. Ohne die Musik des Ruhmes. Die Hoffnung nach dem 1:0 durch Noele Trisconi (5. Minute) währt nicht lange genug. Weniger als drei Minuten später trifft Damien Brunner zum Ausgleich. Bevor seine Mitstreiter nervös werden. Und als erneut Noele Trisconi trifft, versagen die Schiedsrichter kurz vor der ersten Pause seiner erneuten Heldentat nach Konsultation der Video-Bilder die Anerkennung. Er hatte seinen Stock zu hoch gehalten, als er den Puck unhaltbar für Jonas Hiller abgelenkt hatte. Die Hockey-Götter waren ungnädig. Die Geschichte wäre zu schön gewesen: der 22jährige Junior, der mit seinen ersten Playofftreffern Ambris Saison verlängert. Treffer durch die «Hinterbänkler», also durch die Spieler aus dem dritten und vierten Sturm wären für Ambri die einzige Möglichkeit gewesen, diese Partie zu gewinnen. Die Bieler sind über vier Linien so gut besetzt, dass sie Ambris ersten Sturm mit Dominik Kubalik, Marco Müller und Dominic Zwerger bei fünf gegen fünf Feldspielern mit ihren «Hinterbänklern» weitgehend im Griff haben. Das «Trio Grande» hat bei nummerischem Gleichstand in dieser Serie nur ein einziges Tor erzielt.

Robbie Earls 2:1 nach exakt 27 Minuten und 27 Sekunden wird sich schliesslich als der Anfang vom Ende erweisen. Und doch ist es für Ambri ein anderer Schlussakt als in alle den letzten Jahren. Ja, es ist eigentlich der beste Saison-Abschluss seit dem Wiederaufstieg von 1985.

Ambris letztes Spiel war ja immer mehr oder weniger ein melancholisches, ein enttäuschendes. Es bedeutete in den Jahren des Ruhmes um die Jahrhundertwende geknickte Hoffnungen (der Titel gelang nie, das Finale 1999 gegen Lugano ging verloren). Später wenigstens Erleichterung im Abstiegskampf.

Aber im Hinterzimmer unseres Hockeys, wenn vorne auf der grossen Bühne das richtige Hockey, das wahre, das Playoffhockey zelebriert wurde. Und froh waren die Herzen nie richtig. Mit dem Ende der Saison zog die fünfte Jahreszeit ins karge Bergtal: die des Jammerns über zu wenig Geld und des Bangens um die wirtschaftliche Existenz.

Gestern aber war es ein Abschied mit leichtem Herzen und auf der grossen Bühne mit Liveübertragung im staatstragenden Fernsehen. Zum letzten Mal in dieser Saison erfreute, ja begeisterte Ambri mit seinem mutigen, dynamischen, direkten Tempospiel.

Was an einem gewöhnlichen Abend gegen einen gewöhnlichen Gegner zwischen September und Februar so oft zum Sieg reichte, genügte gestern nicht. Obwohl Trainer Luca Cereda und seine Spieler alles richtig gemacht haben. Aber Biel war kein gewöhnlicher Gegner.

Die Bieler haben inzwischen den Schritt vom Aussenseiter zum Spitzenteam gemacht. Vor einem Jahr hatten sie die Halbfinalserie gegen Lugano nach einer 2:0 Führung noch leichtfertig aus der Hand gegeben und 2:4 verloren. Sie setzten alles daran, diesen Fehler nicht mehr zu machen.

In keiner Sekunde haben sie Ambri unterschätzt und mussten doch bis zur Schlussirene warten, bis der Sieg und damit der Halbfinal in trockenen Tüchern war. Das mag zeigen, zu zu welch grosser Leistung Ambri noch einmal fähig war. Wie schön Ambri noch einmal getanzt hat und erst noch drei Tage länger als Lugano. Aber eben: ohne die Musik des Ruhmes. Die Saison ist zu Ende.

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