Kolumne

Alles nur ein Glücksspiel

Filippo Lombardi geniesst bei Ambri hohes Ansehen.

Filippo Lombardi geniesst bei Ambri hohes Ansehen.

Nach 20 Jahren als Ständerat wurde Filippo Lombardi am vergangenen Sonntag abgewählt. Nun kann der 63-jährige Tessiner zeigen, dass er wirklich der grösste Ambri-Piotta-Präsident aller Zeiten ist. Kolumnist Klaus Zaugg nimmt Stellung.

Politik ist ein ernsthaftes, berechenbares Geschäft. Eishockey bloss ein Glücksspiel auf rutschiger Unterlage. Falsch. Beides ist ein Glücksspiel. 0,4 Sekunden fehlten uns bei der WM zum Viertelfinalsieg über Kanada. Und oft entscheiden Millimeter über Sieg und Niederlage, ja über Auf- und Abstieg. Wie im 7. Spiel der Liga-Qualifikation zwischen Kloten und den Lakers, als Dominik Egli in der Verlängerung den Pfosten traf.

Solche Launen der Götter in der Politik? Undenkbar! Unter solchen Umständen könnte man ja gar nicht regieren. Eben. Aber nun wissen wir: Politik ist wie Eishockey. Filippo Lombardi, seit 20 Jahren als CVP-Ständerat ein politischer Titan, fehlten am Sonntag 45 Stimmen zur Wiederwahl. Ein Pfostenschuss im Glücksspiel um politische Pfründe.

Und so wie Kloten nach 56 Jahren aus der höchsten Liga absteigen musste, weil Dominik Egli nur den Pfosten traf, so muss nun Filippo Lombardi nach dem Zufallsresultat in der Tessiner Ständeratswahl die höchste politische Liga verlassen.

Filippo Lombardi fehlten am vergangen Sonntag nur 45 Stimmen zur Wiederwahl als Ständerat.

Filippo Lombardi fehlten am vergangen Sonntag nur 45 Stimmen zur Wiederwahl als Ständerat.

Er war nicht nur Ständerat. Er ist seit zehn Jahren auch Präsident des HC Ambri-Piotta. Nun hat Eishockey mit Politik eigentlich nichts zu tun. Obwohl wir jetzt wissen, dass beides ein Glücksspiel ist. Aber Ambri ist nicht bloss eine Hockey-Firma. Ambri ist eine Institution der hochalpinen Kultur einer Randregion.

Schlüsselbund verloren

So wenig wie das nationale Freilichtmuseum Ballenberg mit Eintritten, so wenig kann Ambri mit Matcheinnahmen finanziert werden. In Ambri zu investieren, ist oft mehr eine Sache des Herzens als des Verstandes und eigentlich im Interesse der Tessiner Kultur. Oder der Berechnung: Ich helfe Ambri und wer weiss, vielleicht hilft mir mal der Lombardi.

Wer in Bundesbern sitzt, hat ja den Schlüsselbund zu allerlei öffentlichen Kassen und Fonds in der Hand. Nun hat Filippo Lombardi diesen Schlüsselbund verloren. Das ist für die Arbeit des Ambri-Präsidenten ungefähr so, wie wenn seine Mannschaft auf dem Eis ohne ausländisches Personal ­auskommen müsste. Der grosse Selbst­darsteller Filippo ­Lombardi gilt bei seinen Anhängern als Ambris grösster Präsident der Geschichte. Nun kann er nach der Ver­treibung aus Bern be­weisen, dass er es wirklich ist.

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