Pandemie

Eishockey in Corona-Zeiten: Mit der Maske in der Arena - das ist irgendwie brav und gewöhnlich

Das Berner Publikum ist brav.

Das Berner Publikum ist brav.

Wegen der Maskenpflicht: Die Arena des SC Bern ist plötzlich nur noch gewöhnlich.

Eishockey als «Maskerade» und das ausgerechnet in der grössten Hockey-Arena ausserhalb der NHL – geht das? Ja, es geht. Es geht sogar erstaunlich gut. Aber der SCB-Tempel ist «maskiert» nicht mehr ein Kraftort. Aber immerhin ein Beispiel, wie mit hoher Professionalität in Zeiten der Virus-Krise eine Massenveranstaltung durchgeführt werden kann.

In seinem Selbstverständnis war der SC Bern vor Corona das Bayern München des Hockeys. Eigentlich müsste darum eher ein Kamel durch ein Nadelöhr kriechen – wie es im Buch der Bücher steht – als dass der SCB bescheiden werden kann. Aber die Maskenpflicht macht es möglich. Der SCB ist bescheiden, ja demütig geworden. Und Geschäftsführer Marc Lüthi bringt es fertig, seinem Publikum Demut und Bescheidenheit zu verkaufen.

Lüthi spricht, wie es sonst nur Staatsmänner tun

Vor dem ersten Puckeinwurf der Saison betritt er das Eis. In einer Hand hat er einen Spickzettel. In der anderen das Mikrofon. Er spricht mit einer ruhigen Ernsthaftigkeit. So wie sonst Staatsmänner am Radio zur Nation reden. Er erinnert daran, dass die Behörden in ganz Europa nur in der Schweiz Eishockey vor so viel Publikum ermöglichen und sagt, nun sollte dieses Vertrauen zurückgegeben werden. Er macht auf die Regeln aufmerksam, bedauert, dankt allen für die Unterstützung und das Erscheinen im Stadion.

Die Herzen der Bernerinnen und Berner gewinnt Lühti auch mit Populismus. Er sagt: «Äs schiiissst mi ou a, ä Maske zträgä.» Und schliesst seine Ansprache mit einem Satz, der in die Geschichte der SCB-Krisen- Kommunikation eingehen wird: «Wir haben auf dem Papier nicht die beste Mannschaft. Aber wir wollen jeden Gegner ärgern.» Warmer Applaus regnet auf ihn hernieder. Das Publikum «kauft» dem grossen Zampano unseres mächtigsten Hockey-Titanen der letzten zehn Jahre dieses Bekenntnis zur Demut ab. Das ist so, wie wenn Uli Hoeness in der Allianz Arena zu München verkünden würde, nun sei man das neue St.Pauli und dafür gefeiert wird.

Fast so, als ob man ein Spiel von Ungarn schaut

Die neue Bescheidenheit passt zum äusseren Rahmen. Nur Sitzplätze. Nichts ist im Berner Hockey-Tempel mehr so, wie es einmal war. Der Stadionsprecher meldet «ausverkauft». Aber nur 6750 Zuschauerinnen und Zuschauer sind da. Statt 17031. Die Stimmung mahnt an eine WM- Partie zwischen Kanada und Ungarn: freundliche Neugier und fachkundiger Applaus auf offener Szene.

Keine Trommeln. Keine «aufpeitschenden» Gesänge. Keine gellenden Pfeifkonzerte. Die Intensität der Atmosphäre, die jeden SCB-Spieler einige Zentimeter grösser und die Gegner entsprechend kleiner macht, gibt es nicht mehr.

Die Umsetzung der Corona- Vorschriften bereitet keinerlei Schwierigkeiten. Die Dankbarkeit, ins Stadion gehen zu dürfen, ist viel grösser als die Lust zur Rebellion. Jedem ist angesichts der besonderen Umstände bewusst, dass es Wichtigeres gibt als Eishockey.

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