Eishockey
Stars, Millionäre und Mitläufer: Das sind die 13 Schweizer in der NHL

Heute beginnt die Saison in der wichtigsten Liga der Welt mit insgesamt 13 Schweizern in den verschiedensten Rollen.

Klaus Zaugg
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Den Einzug in die Playoffs zu realisieren, wird für Timo Meier und die San José Sharks ein schwieriges Unterfangen.

Den Einzug in die Playoffs zu realisieren, wird für Timo Meier und die San José Sharks ein schwieriges Unterfangen.

Bild: Freshfocus (San José, 26. September 2019)

Vor 15 Jahren war Mark Streit der einzige Schweizer Feldspieler mit einem Stammplatz in der NHL. Inzwischen haben die Schweizer die wichtigste Liga der Welt erobert. Vier geniessen selbst nach nordamerikanischen Massstäben Star-Status.

Die Stars

Timo Meier (24). San José. Stürmer (4,00 Mio.): Der konstanteste, beste Schweizer Stürmer in der NHL. Letzte Saison zum dritten Mal in Serie mehr als 20 Tore, Topskorer und Spieler des Jahres seines Teams. Der offensive Leitwolf einer etwas überalterten Mannschaft, die froh sein wird, in die Playoffs zu kommen. Powerflügel («Bulldozer»), nicht Künstler. Selbst in der verkürzten Saison kann er mehr als 20 Tore erzwingen.

Roman Josi (30). Nashville. Verteidiger (11,75 Mio.): So gut wie nie. Letzte Saison Topskorer des Teams, zum besten Verteidiger der Liga gewählt. Besser kann er wohl nicht mehr werden. Der Captain ist offensiv und defensiv der wichtigste Spieler eines Teams, das mit dem verlorenen Playoff-Final von 2017 den Zenit überschritten hat. Was ihm entgegenkommt: Mit nur 56 (statt 82) Partien wird er auch Ende Saison noch genug Energie haben.

Nico Hischier (22). New Jersey. Stürmer (4,00 Mio.): Der Nummer-1-Draft von 2017 hat seine schwächste Saison hinter sich (–16-Bilanz). Die Playoffs wurden verpasst. Das Scheitern wird noch nicht ihm angelastet. Sein Talent ist unbestritten, der Vertrag läuft bis 2027. Aber in seiner 4. NHL-Saison wird eine Steigerung erwartet. Eine Playoff-Qualifikation wird schwierig, die «East Division» gilt als stärkste der vier Divisionen.

Kevin Fiala (24). Minnesota. Stürmer (3,5 Mio.): Sein viertes Jahr in Nordamerika war sein bestes: 23 Tore und 31 Assists in 51 Partien. Nach einem verhaltenen Beginn war er zeitweise einer der besten Spieler der Liga (!) und führte Minnesota fast im Alleingang doch noch in die Playoffs. Nun müsste dieser «Zauberflügel» und Künstler eigentlich so viel Selbstvertrauen haben, eine ganze Saison zu dominieren. Sein Vertrag läuft aus.

Der Stammspieler

Nino Niederreiter (28). Carolina Hurricanes. Stürmer (4,25 Mio.): Als er von Minnesota zu Carolina kam, rockte er die Liga mit 30 Punkten aus den letzten 36 Partien der Spielzeit 2018/19. Letzte Saison konnte er die Erwartungen nicht erfüllen (67 Spiele/29 Punkte). Wenn er, wie im Trainingscamp, in der ersten Linie stürmen darf, kann der Erstrundendraft von 2010 (Nr. 5) wieder sein bestes Hockey spielen – sonst wird er Transferkandidat.

Zittern um Stammplatz

Dean Kukan (27), Columbus. Verteidiger (1,65 Mio.): In fünf Jahren in Nordamerika hat er noch nie 40 NHL-Partien in einer Saison gespielt und erst letzte Saison einen Stammplatz erkämpft. Den kann er behaupten – aber nur, wenn er von Verletzungen verschont bleibt. Im dritten Verteidigerpaar droht ständig Gefahr von unten. Jede Schwächephase kann zum Verlust des Stammplatzes führen.

Jonas Siegenthaler (23). Washington. Verteidiger (800'000): In seinem dritten ganzen Jahr in Nordamerika hat er sich einen Stammplatz erkämpft. Nun muss er seine Position im dritten Verteidigerpaar gegen einen Saurier verteidigen, der fast doppelt so alt ist: Washington hat Zdeno Chara (43) verpflichtet, einen charismatischen Haudegen, 2009 bester NHL-Verteidiger, 2011 Stanley Cup-Sieger (Boston).

Gaëtan Haas (28). Edmonton. Stürmer (915'000): Er hat sich in seiner ersten Saison als Defensivspezialist in der vierten Linie im Team gehalten und die meisten Partien bestritten. Also ein Rollenspieler, und nun ist durch die Zuzüge von Kyle Turris und Dominik Kahun die Konkurrenz auf der Centerposition noch grösser geworden. Einen grossen Teil des Trainingslagers hat er verpasst (Quarantäne). Es wird schwierig.

Pius Suter (24). Chicago. Stürmer (925'000): Dominik Kubalik kam als NL-Topskorer nach Chicago, zelebrierte 30 Tore und war einer der besten Rookies der Saison 2019/20. Nun kommt mit Pius Suter der nächste NL-Topskorer. Aber er ist nicht der neue Dominik Kubalik. Kein Künstler und Sniper, aber ein kompletter, smarter Stürmer für alle drei Zonen. Er wird zumindest am Anfang der Saison einen Stammplatz haben.

Endet die NHL-Karriere?

Luca Sbisa (30). Nashville. Verteidiger (800'000): Winnipeg hatte keine Verwendung mehr für den Assistenz-Captain des Stanley-Cupfinalisten von 2018 (Las Vegas) und setzte ihn auf die Waiver­liste. Nashville schlug gestern zu. Und so kann sich Luca Sbisa, der sich in den USA eine sichere Existenz neben dem Eis aufgebaut hat (Immobilien) und für den jedes weitere NHL-Spiel Spass und Bonus ist, nochmals neu beweisen.

Sven Bärtschi (28). Vancouver. Stürmer (2,4 Mio): Er war die Enttäuschung der letzten Saison (6 Spiele/2 Assists), verbrachte die meiste Zeit im Farmteam, ist bereits wieder von der Kaderliste gestrichen und auf der Waiverliste zum Transfer angeboten worden. Er ist gut genug für die NHL – aber wenn er das nicht in Vancouver oder anderswo beweisen kann, geht seine NHL-Karriere zu Ende.

Philipp Kuraschew (21). Chicago. Stürmer (825'000): Anders als Luca Sbisa und Sven Bärtschi bangt er nicht um die Fortsetzung seiner NHL-Karriere. Er hofft auf den Beginn. Die letzte Saison hat er im Farmteam verbracht und wartet nun in Chicago auf die ersten Einsätze. Ein kreativer, offensiver, läuferisch brillanter Spielmacher. Letztlich steht er im Kampf um einen Stammplatz wohl in Konkurrenz mit Pius Suter.

Gilles Senn (24). New Jersey. Torhüter (842'500): Für Davos war er nicht mehr gut genug. Letzte Saison überzeugte er in seinem ersten Nordamerika-­Jahr im Farmteam und kam zu zwei NHL-Einsätzen. Der letzte Schweizer, der unsere grosse Torhüter-Tradition in der NHL fortführt, wird weiterhin mehrheitlich im Farmteam spielen und froh sein, wenn er einen neuen Vertrag bekommt.

Noch ohne Vertrag sind die Verteidiger Mirco Müller (25, bisher 185 NHL-Partien) und Yannick Weber (32, 497). Beide haben noch keinen neuen Klub gefunden und sind bis auf weiteres theoretisch für die National League verfügbar.