Kolumne

Einmal denken, bevor die Nadel gesetzt wird

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Die Kolumne «Spritzensport» befasst sich alle zwei Wochen mit Themen rund um Doping. Heute über den Umgang mit Spritzen.

Veloprofis, die mit Infusionen ihren Energiehaushalt zwischen zwei Etappen der Tour de France aufstocken. Sportärzte, die sich damit brüsten, dass ihre Athleten dank intravenös gespritzten Vitamincocktails bessere Leistungen erbringen. Ganz zu schweigen von der Spritze danach, um mittels einer Kochsalzlösung nach dem Wettkampf verbotenes Blutdoping zu vertuschen. Mit Nadeln wurde im Sport schon so manche Schindluderei betrieben.

Die Weltantidopingagentur und das Internationale Olympische Komitee haben in den letzten Jahren Gegensteuer gegeben. Bei Olympischen Spielen etwa gilt eine «No-Needle-Policy». Injektionen müssen deklariert werden und sind nur mit Genehmigung der medizinischen Kommission des IOC erlaubt. Die Schweizer Olympiadelegation hat solche Bewilligungen für Cortisonspritzen, entzündungshemmendes Arnika oder Eisenpräparate benötigt.

Das IOC will damit verhindern, dass Ärzte leichtfertig zur Spritze greifen. Wer gegen diese Regel verstösst, wie zuletzt zwei indische Leichtathleten an den Commonwealth-Spielen, wird disqualifiziert.

Auch in den Dopingregeln gelten Injektionen und Infusionen als verbotene Methode. Erlaubt sind maximal 100 ml pro 12 Stunden, was knapp 7 Esslöffeln entspricht. Allerdings ist es unmöglich, mittels Urin- oder Blutproben ein Fehlverhalten nachzuweisen. Erwischt werden kann man nur auf frischer Tat, was 2018 ganz spektakulär im Fall des US-Spitzenschwimmers Ryan Lochte geschah. Lochte veröffentlichte in den sozialen Medien ein Foto, das zeigte, wie er eine intravenöse Infusion erhält. Dafür wurde er für 14 Monate gesperrt.

Auch in der Schweiz gibt es einen speziellen Fall. Zwei junge OL-Läuferinnen aus dem Nationalkader gaben auf dem Kontrollformular einer regulären Dopingprobe an, dass sie zuvor ein Eisenpräparat injiziert erhalten hatten. Ihr Arzt kannte diese Dopingbestimmung nicht. Nur mit viel Glück und weil die Wada nicht intervenierte, kamen sie an einer mehrmonatigen Sperre vorbei.

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