GP des Kantons Aargau

Eine kleine Liebesbeziehung: Kristoff gewinnt zum dritten Mal in Gippingen – Gast Nino Schurter liefs weniger

Obwohl er sich lange in einer ungünstigen Position befindet, gewinnt der Norweger Alexander Kristoff zum dritten Mal den GP des Kantons Aargau und ist damit Rekordsieger. Die Schweizer kommen hingegen nicht wie gewünscht in die Gänge.

Es gibt Radrennen, die sind ganz einfach auf gewisse Fahrertypen zugeschnitten. Oder es gibt Radprofis, welche ihre Vorlieben für gewisse Wettkämpfe entwickeln. Für Alexander Kristoff und den Grossen Preis des Kantons Aargau gilt vermutlich beides.

Der endschnelle Norweger ist für die leicht ansteigende Zielgerade von Gippingen hinauf nach Leuggern prädestiniert. Auf der anderen Seite hat der 31-Jährige das grösste Schweizer Eintagesrennen mittlerweile in sein Herz geschlossen.

Spätestens seit dem gestrigen Donnerstag kann man vermutlich sogar von einer kleinen Liebesbeziehung sprechen. Zum dritten Mal gewann Kristoff das Traditionsrennen im Norden des Kantons Aargau. Damit ist er alleiniger Rekordsieger.

«Da dachte ich schon: das wars»

Bis es aber so weit kam, musste der prominenteste Teilnehmer des Rennens ziemlich hart kämpfen. In der letzten Kurve vor dem Schlussanstieg hatte der Captain des UAE-Emirates-Team das Hinterrad seiner vorher sehr engagiert agierenden Mannschaftskollegen verloren und befand sich, in ungünstiger Position, ungefähr an 15. Stelle im Fahrerfeld.

«Da dachte ich schon: das wars. Doch irgendwie habe ich dann doch noch einen Weg ganz nach vorne gefunden», zeigte sich Alexander Kristoff erleichtert, dass er die Vorarbeit seiner Equipe doch noch mit dem Tagessieg belohnen konnte.

«Aber es war unnötig knapp. Das hätte diesmal auch ins Auge gehen können», gab sich der Norweger selbstkritisch. In der Tat war es letztlich eine Frage von Zentimetern, welche zuungunsten des Zweiten, des Italieners Andrea Pasqualon, entschieden.

Ein berechenbares Rennen

Am Ende gewann also der Favorit mit dem besten Team im Rücken auf die gewohnte Art und Weise. Auch deshalb entwickelte sich ein eher berechenbares Rennen, welches geprägt wurde von einem frühen Ausreissertrio, welches während über 140 Kilometern an der Spitze fuhr.

Drei Schweizer – Raphael Krähemann, Martin Schäppi und Timo Güller – hatten sich unmittelbar nach dem Start abgesetzt und fuhren einen Maximalvorsprung von knapp sieben Minuten heraus.

Doch als hinten UAE für Tempo sorgte, war es um das Trio schnell wieder geschehen. «Wenn so eine starke Mannschaft mit vielen Fahrern, die in Form sind, das Feld kontrolliert, dann wird das Rennen fast ein wenig abgewürgt», befand Routinier Michael Albasini, der den Wettkampf als zweitbester Schweizer hinter Fabian Lienhard (7.) auf dem 10. Platz beendete.

Geschwächter Nino Schurter

«Mehr ist angesichts der Stärke des UAE-Teams nicht dringelegen. Viel schneller konnte ich nicht fahren», sagte der 38-Jährige, der zur für dieses Rennen gebildeten Schweizer National-Equipe gehörte. Albasinis temporärer Teamkollege, Mountainbike-Weltmeister Nino Schurter, beendete den 181 Kilometer langen Parcours auf Platz 67.

Der Bündner kam wegen einer Erkältung nicht wie gewünscht in die Gänge. Zumal sein Plan, in einer Fluchtgruppe Unterschlupf zu finden, mit dem frühen Ausreissversuch der drei Schweizer zur Makulatur wurde.

Timo Güllers starker Auftritt

Als einer der letzten Fahrer rollte einer der drei frühen Fluchtgefährten ins Ziel: Lokalmatador Timo Güller. Der 25-jährige aus Döttingen wies am Ende einen Rückstand von über 13 Minuten auf Sieger Kristoff auf. Trotzdem war er im Ziel zwar total entkräftet, aber dennoch glücklich mit seinem Auftritt.

Güller, der für das Schweizer Continental-Pro-Team Akros-Thömus fährt, nutzte die ungewohnt grosse Rennbühne des Grossen Preis des Kantons Aargau für einen mutigen Auftritt. «Ich hatte mir vorgenommen, unmittelbar nach dem Start zu attackieren», sagte Güller, der bedauerte, dass sich nicht mehrere Fahrer in der Fluchtgruppe fanden.

«Zu dritt wurde es über längere Zeit schon sehr hart.» Selbst wenn er zusammen mit seinen zwei Fluchtgefährten wusste, dass das Abenteuer an der Spitze früher oder später ein Ende haben würde, war der Aargauer zufrieden mit dem Lauf der Dinge. «Bei dieser starken Konkurrenz bringt es nichts, sich im Feld zu schonen und darauf zu hoffen, dass man im Schlussspurt eine Chance hat.» Umso mehr, wenn der Star des Pelotons sein Lieblingsrennen unbedingt gewinnen will.

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