Analyse

Die Weichen für den FCB-Titel 2018 sind gestellt

Raphael Wicky (r.) wird im Sommer das Traineramt von Urs Fischer übernehmen.

Raphael Wicky (r.) wird im Sommer das Traineramt von Urs Fischer übernehmen.

Analyse von «Schweiz am Wochenende» Sportchef Etienne Wuillemin zum neuen FCB-Trainer Raphael Wicky.

Am nächsten Mittwoch wird Raphael Wicky 40 Jahre alt. Das schönste Geburtstagsgeschenk hat er bereits gestern erhalten. Er darf ab kommender Saison an der Seitenlinie des grossen FC Basel stehen.

Elf Tage nachdem die neue FCB-Führung die Trennung von Urs Fischer bekannt gab, beförderte sie Wicky von der eigenen U21. Die Wahl fällt also auf den sympathischen Walliser – und nicht etwa auf Thorsten Fink. Dessen Rückkehr wäre vielleicht eine romantische Geschichte gewesen. Aber ein Trainer, der für den Anfang der Erfolgs-Ära Heusler/Heitz steht, wäre wohl kaum das richtige Signal für einen Neuanfang gewesen.

Urs Fischer muss den FCB im Sommer verlassen.

Urs Fischer muss den FCB im Sommer verlassen.

Am vergangenen Dienstag durfte Wicky sein Konzept Marco Streller und Co. vorstellen. Gut 75 Minuten brauchte er dafür. 75 Minuten, in denen er vollauf zu überzeugen wusste. Und seine Konkurrenz überflügelte. Am Freitag folgte die Unterzeichnung des Vertrags. Die Entscheidung des FCB, auf Wicky zu setzen, ist logisch und richtig. Er ist der Mann, der das Konzept «für immer rot-blau» am glaubwürdigsten vertreten kann. Seit 2013 bewegt sich Wicky als Nachwuchstrainer im rotblauen Biotop. Er geniesst einen exzellenten Ruf als Ausbildner. Der Schritt zu den Profis ist folgerichtig.

Und trotzdem ist es eine mutige Wahl der designierten Führung um Bernhard Burgener und Streller. Weil nicht nur Burgener und Streller ihre Ämter erstmals ausüben, sondern eben auch Wicky als Trainer erstmals Profis trainiert. Es ist der Vollzug des totalen Umbruchs, den Streller ankündigte. Aber das Risiko ist grösser, als es bei der Verpflichtung eines etablierten Trainers gewesen wäre. Dass sich Streller nicht hinter anderen versteckt und eine solche mutige Lösung vorzieht, spricht jedenfalls für ihn.

Andererseits folgt der FCB auch einem Trend. In Hoffenheim beweist Julian Nagelsmann gerade ziemlich eindrücklich, was ein junger Konzepttrainer, der vom eigenen Nachwuchs aufrückt, bewirken kann. Auch Martin Schmidt rückte in Mainz von der U23 auf und leistet gute Arbeit. Und selbst Titanen wie Real Madrid und der FC Barcelona haben eigene Trainer aus dem Nachwuchs befördert (Zinedine Zidane & Luis Enrique).

Raphael Wicky (hier rechts, zusammen mit Sportchef Marco Streller) wird neuer Trainer des FC Basel.

Raphael Wicky (hier rechts, zusammen mit Sportchef Marco Streller) wird neuer Trainer des FC Basel.

Immense Erfahrung im Fussball-Business weist Raphael Wicky gleichwohl vor. Zumindest als Spieler. 15 Jahre war er als Profi tätig. Er war immer ein Teamplayer, einer, der gerne für andere auf Ruhm verzichtete. Dieses Denken will er nun auch in der FCB-Kabine weiterführen. Helfen wird ihm überdies seine Eloquenz. Wicky spricht fünf Sprachen und hat ein feines Gespür für Menschen. Früh begann er, sich von seinen Trainern inspirieren zu lassen. Besonders angetan hat es ihm Luis Aragonés. Er, der später mit Spanien Europa- und Weltmeister wurde und mittlerweile verstorben ist, beeindruckte Wicky mit seiner Ehrlichkeit und Direktheit. Genauso wie Huub Stevens, der Wicky in der Bundesliga bei Hamburg aussortierte – ihn dabei aber fair behandelte.

Nach dem Zürcher Urs Fischer folgt nun also der Walliser Raphael Wicky. Ihm schwebt ein moderner, attraktiver Fussball vor. Wicky mag den Ballbesitz. Und er mag taktisch flexible Teams. Es sind Dinge, welche die rot-blaue Familie in letzter Zeit zuweilen etwas vermisst hat. Wie schnell Wicky wirklich eigene Junioren einbaut, steht wahrscheinlich nicht einmal so sehr im Vordergrund. Attraktive Auftritte, ein spannender Fussball und – natürlich – nationale Titel sind wichtiger.

Nun können Streller und Wicky mit den Retuschen am Meisterkader beginnen. Eines scheint jedenfalls klar: Mit diesem Umbruch ist der FCB seiner Konkurrenz erneut einen grossen Schritt voraus. Er hat das innere Feuer neu entfacht. Zudem darf die neue Crew für sich in Anspruch nehmen, erst einmal in aller Ruhe zu arbeiten. Das sind fast schon paradiesische Voraussetzungen im Hinblick auf den Meistertitel 2018.

Das erste Interview mit Raphael Wicky nach der Bekanntgabe:

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