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Die wahren Olympiasieger - Beat Hefti und Alex Baumann erhalten nachträglich die Goldmedaille

Die Bobfahrer Beat Hefti und Alex Baumann erhalten nachträglich die olympische Goldmedaille.

Der Ostschweiz steht ein geschichtsträchtiger Akt bevor. Zum ersten Mal werden olympische Goldmedaillen überreicht. Die Appenzeller Bobfahrer Beat Hefti und Alex Baumann rücken auf den ersten Platz vor.

Für viele sind Siegerehrungen  der Höhepunkt an Olympischen Spielen: Emotionen pur nach der langen Plackerei auf dem Weg in den Olymp. Auf jeden Fall für Sportler. Es ist der grösste Wunsch jedes Olympiateilnehmers, eine Goldmedaille zu erhalten und nach dem erfolgreichen Wettkampf vor der Weltöffentlichkeit zuoberst auf dem Podest zu stehen.

Nun findet erstmals in der Ostschweiz eine olympische Siegerehrung mit Goldmedaillengewinnern aus der Region statt. Die Bobfahrer Beat Hefti und Alex Baumann erhalten die begehrteste Auszeichnung im olympischen Sport, weil der Sieger gedopt war.

Die offizielle Feier findet unter der Schirmherrschaft von Swiss Olympic, dem Dachverband des Schweizer Sports, statt. Der Termin steht noch nicht fest. «Auf jeden Fall vor den Sommerferien», sagt Steuermann Hefti.

Nach langem Hin und Her

Denn noch länger wollen Hefti und Baumann nicht warten. Das entscheidende Rennen fand vor mehr als fünf Jahren in Russland statt. Zwei Russen hatten im Februar 2014 in Sotschi vor den beiden Appenzellern gewonnen. Nachträglich stellte sich heraus, dass der ursprünglich erstplatzierte Alexander Subkow gedopt war.

Dieser wollte aber die Goldmedaille nicht herausrücken, denn sie ist in Russland mit einer gut dotierten Rente verbunden. Nach langem Hin und Her entschied das Internationale Olympische Komitee in der vergangenen Woche schliesslich, dass Hefti und Baumann die wahren Olympiasieger sind. «Es wurde Zeit, dass endlich ein Machwort gesprochen wurde», sagt Hefti. «Der Sport hätte sonst seine Glaubwürdigkeit verloren.»

Offiziell erfuhr Hefti von Ralph Stöckli, dass es nun endlich so weit sei. Der in Uzwil geborene Stöckli ist Schweizer Chef de Mission an Olympischen Spielen. Er gewann 2010 in Vancouver olympische Bronze dank eines Sieges gegen den aktuellen Curling-Weltmeister Niklas Edin aus Schweden.

Aus Übersee vernahm Hefti zuerst, dass das IOC zu Gunsten der Schweiz entschieden habe. Sein ehemaliger Coach Eric Alard hatte es aus den Medien erfahren und Hefti umgehend informiert. Anschieber Alex Baumann erfuhr es in den Ferien in Spanien und genehmigte sich eine Extra-Tapas. «Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben», sagt Baumann.

Die Weggefährten sind dabei

Wo die Goldfeier stattfindet, steht ebenfalls noch nicht fest. Anfang dieser Woche trafen sich Hefti und Baumann deswegen zu einer ersten Besprechung. «Sicher in der Ostschweiz», sagt Baumann. «Wir wollen jenen Leuten, die uns immer unterstützt haben, etwas zurückgeben.» Es wird eine ziemlich grosse Feier. «Es sollen möglichst viele Weggefährten aus unserer aktiven Zeit dabei sein», sagt Hefti, «deshalb wissen wir noch nicht, wo wir mit der Auszeichnungsfeier hin sollen.»

Es wird eine grosse Schar an Gästen auflaufen. Der heute 41-jährige Hefti war während mehr als zwei Jahrzehnten als Spitzensportler unterwegs. Vor gut einem Jahr beendete er die internationale Karriere, nachdem es mit der Olympiaqualifikation für Pyeongchang 2018 nicht mehr geklappt hatte.

Der 34-jährige Baumann war in Südkorea noch dabei, aber nur noch als Ersatzmann. «Es war die berühmte Saison zu viel», sagt er, «nun aber gibt es doch noch einen Höhepunkt zum Abschluss meiner Karriere.»

Baumann trat nach der Olympiasaison ebenfalls ab und arbeitet nun wie Hefti beim grössten Fleischproduzenten der Ostschweiz in Bazenheid. Steuermann Hefti im Innovationsmanagement, der ETH-Absolvent Baumann als Qualitätsprüfer.

Putin, Ammann und Federer

Auch wenn noch einiges offen ist, eines wissen die Appenzeller Olympioniken mit Bestimmtheit: wer ihnen die Goldmedaille umhängen sollte. Hefti wählt Wladimir Putin. Hefti ist ein direkter Mensch. Er würde dem russischen Präsidenten ohne Umschweife sein Missfallen an der russischen Sportpolitik kundtun.

Baumann ist für Simon Ammann. «Er ist für mich menschlich und sportlich ein riesiges Vorbild», sagt Baumann. «Oder Roger Federer, aber der wird kaum können.» Noch steht nicht fest, wer Hefti und Baumann das Gold um den Hals hängen wird.

Auch weiss Hefti nicht, ob es ein Duplikat ist oder die echte Goldmedaille. «Natürlich hätte ich das Gold lieber an den Olympischen Spielen 2014 erhalten. Das Gefühl wird sicher nicht mehr so prickelnd sein mehr als fünf Jahre nach dem Wettkampf», sagt Hefti.

Ganz zu schweigen vom Marketing-Effekt, den ein Olympiasieg 2014 ausgelöst hätte. «Das hat mich eine schöne Stange Geld gekostet. Aber ich bin zufrieden, wie es ist. Ändern kann man es sowieso nicht mehr.»

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