Freizeitsport
Die Schweiz im Langlauf-Fieber: mit diesen sechs Tipps wird das Abenteuer auf der Loipe zu einem Vergnügen

Viele Neueinsteiger werden in den vergangenen Tagen gemerkt haben, wie anstrengend Langlaufen eigentlich ist. Rafael Ratti, Disziplinenchef Nordic bei Swiss Snowsports, zeigt in sechs Tipps auf, wie man sich am besten darauf vorbereitet, erklärt, wieso man eigentlich keinen Muskelkater in den Armen haben sollte und präsentiert die Vielfalt der Loipen für Jung und Alt.

David Umiker
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Langlaufen ist der ideale Wintersport, um vollen Bergbahnen aus dem Weg zu gehen und ohne Mühe den Schnee sportlich zu geniessen.

Langlaufen ist der ideale Wintersport, um vollen Bergbahnen aus dem Weg zu gehen und ohne Mühe den Schnee sportlich zu geniessen.

Martina Walder

Langlauf hat den Nerv der Gesellschaft getroffen, die sich danach sehnt, so rasch als möglich weg vom Virus in die Natur zu fliehen. Denn zum Langlaufen braucht man nicht weit zu gehen. Es braucht keine Bergbahn, sondern nur eine Loipe. Und dank dem vielen Schnee der vergangenen Tage kann man auch auf diversen Loipen im Flachland auf Skiern durch die Gegend gleiten.

Allerdings werden viele Neueinsteiger das Langlaufen unterschätzt haben – sowohl technisch als auch konditionell. Der Disziplinenchef Nordic bei Swiss Snowsports, Rafael Ratti, nennt deshalb sechs Tipps, damit Langlaufen zum Vergnügen wird.

Rafael Ratti, Disziplinenchef Nordic bei Swiss Snowsports

Rafael Ratti, Disziplinenchef Nordic bei Swiss Snowsports

pd

Tipp 1: Beginne langsam und gemütlich

«Ein häufiger Fehler bei Neueinsteigern aber auch routinierteren Langläufern ist, dass sie zu schnell beginnen. Beim Langlaufen sollte man sich Zeit geben, um in den Flow des Gleitens zu kommen. Ansonsten kann es ziemlich anstrengend und ungemütlich werden. Denn die richtige Technik ist entscheidend, was besonders bei Anfängern das Manko ist.»

Tipp 2: Wenige Lektionen zahlen sich aus

«Einsteigern empfehle ich, ein, zwei Langlauflektionen zu nehmen. Das sage ich nicht, um Werbung zu machen. Bereits nach wenigen Stunden sollte man über das nötige Langlauf Ein-Mal-Eins verfügen. Dazu gehören der Grundschritt ohne Stockeinsatz sowie verschiedene Schrittformen fürs flache wie auch steilere Gelände. Damit ist man für jegliche Loipen gerüstet und kann das Erlernte selbst ausprobieren. Übrigens: Wer nach dem Langlaufen häufig Muskelkater in den Armen hat, der wendet eine nicht so effektive Technik an. Langlaufen passiert vor allem aus den Beinen heraus.»

Tipp 3: Klassisch ist ideal für Anfänger

«Anfängern empfiehlt es sich, mit der klassischen Technik zu beginnen. Das ist im Prinzip wie normal laufen, einfach mit Ski an den Füssen. Fürs Skating braucht es zu Beginn mehr Fertigkeiten, da man sich im Schlittschuhschritt fortbewegt und der Ski nicht in der Spur geführt wird. Die beiden Techniken unterscheiden sich auch im Material deutlich. Klassische Ski sind länger, dafür die Stöcke kürzer, beim Skating ist es umgekehrt. Viele Sportgeschäfte bieten dazu eine umfangreiche Beratung.»

Der Unterschied zwischen Klassisch und Skating:

Tipp 4: Joggingkleider und Zwiebelprinzip

«Immer wieder sehe ich Leute mit Skihose und Skijacke auf der Loipe. Mit dieser Ausrüstung hat man viel zu warm, weshalb die Leute dann meistens die Jacke öffnen und unkomfortabel mit offener Jacke unterwegs sind. Es empfehlen sich leichte Kleider im Zwiebelprinzip. Also mehrere dünne Schichten übereinander, so wie beim Joggen. Dünne Handschuhe sind ebenfalls ein Muss, dazu eine Mütze und eine Sportbrille. Als Grundregel sagen wir immer: wenn man am Anfang leicht friert, ist es perfekt.»

Reger Verkehr auf der Loipe in Leutwil – manche werden zu warm gehabt haben.

Reger Verkehr auf der Loipe in Leutwil – manche werden zu warm gehabt haben.

Wolfgang Rytz / Aargauer Zeitung

Tipp 5: Ein stabiler Rumpf optimiert die Technik

«Wer sein Langlauf-Erlebnis optimieren möchte, dem empfehle ich Training auch abseits der Loipe. Während die klassische Technik mehr das Herz-Kreislauf-System beansprucht, benötigt man beim Skating viel Kraft in den Beinen. Deshalb erfordert der Sport eine gewisse Grundkondition. Ganz wichtig ist zudem ein Training der Rumpfstabilität für das Gleichgewicht. Damit unterstützt man zum einen die Balance auf den kantenlosen Ski und hat zum anderen eine verbesserte Körperspannung. Die hilft, noch mehr Power in die Beine und Arme zu bringen und kontrollierter auf dem Ski zu stehen. Nebstdem lohnt sich auch ein Training im Sommer, damit man für den Winter richtig gerüstet ist. So kann auch langfristig ein Fortschritt und die Freude am Langlauf sichergestellt werden. »

Tipp 6: Nutzt die vielfältigen Loipen

«Auf langlauf.ch sind sämtliche Loipen-Arten verzeichnet. Es gibt zum Beispiel die Herz-Loipen. Für Herzpatienten gedacht, aber auch für Anfänger optimal. Denn sie sind kurz und flach. Auf den Hunde-Loipen können Hündeler quasi mit Langlauf-Ski Gassi gehen und Nachtloipen bieten sich gerade für Arbeitstätige unter der Woche an. Hierbei empfehle ich: Stirnlampe mitnehmen. Ausserdem gibt es für Kinder aber auch andere Neugierige seit ein paar Jahren Langlauf Skills Parks in der ganzen Schweiz verteilt, um das Langlaufen noch spezifischer üben zu können.»