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Die Mountainbikerin Jolanda Neff reist in diesem Winter um die Welt – und fährt nur ein Rennen

Jolanda Neff fährt die Strecke der Quer-WM in Dübendorf ab.

Jolanda Neff fährt die Strecke der Quer-WM in Dübendorf ab.

Weihnachten hat Jolanda Neff schon länger nicht mehr zu Hause im Rheintal verbracht. Dieses Jahr ist sie in Nordamerika.

Im vergangenen Jahr war sie an einem Querrennen in Belgien zusammen mit ihrem Vater. Dieses Jahr verbringt sie die Adventszeit in den USA bei ihrem Freund, dem Downhiller Luca Shaw. Dieser wohnt im Bundesstaat North Carolina an der Ostküste.

Am Telefon erzählt Neff von der schönen Landschaft, den Hügeln, Wäldern und Wiesen, auf denen Kühe grasen. Die 26-jährige Neff sagt:

Oft trainieren sie zusammen auf den vielen Trails, die es in dieser Gegend gibt. Fünf eigene Velos hat sie mittlerweile fix in den USA stationiert. Dazu gehören ein Mountainbike, ein Rennrad – und ein Quervelo.

Letzteres hat Neff – anders als in anderen Jahren – im Wettkampf schon länger nicht mehr verwendet. Im September fuhr sie ein Weltcuprennen in Waterloo, einer Kleinstadt im Bundesstaat Wisconsin. Sie wurde damals Zweite – und qualifizierte sich so für die Radquer-WM Anfang Februar in Dübendorf. Danach hat sie keinen Wettkampf mehr bestritten – und wird es bis zum Grossanlass auch nicht mehr tun. Denn der Fokus liegt woanders.

40 Grad, 90 Prozent Luftfeuchtigkeit

Im nächsten Sommer finden die Olympischen Spiele in Tokio statt. Im Winter will sie die Grundsteine für einen Erfolg legen, sich nicht verzetteln. Neben den Radquerrennen verzichtet sie deshalb auch auf Einsätze auf der Strasse. «Alles wird dadurch einfacher und übersichtlicher – vor allem die Planung», sagt Neff. Und sie hat mehr Zeit für Trainingslager, die in diesem Winter viel Platz einnehmen.

Nach ihrer Rückkehr aus den USA Ende Dezember wird sie im Januar nach Gran Canaria reisen. Im vergangenen Jahr hat sie aufgrund der Wettkampfplanung noch darauf verzichtet. Nach der WM folgt schliesslich ein weiteres Trainingslager. Das Wichtigste hat sie jedoch bereits hinter sich. Im November reiste Neff mit dem Schweizer Nationalteam der Frauen, einem Koch, einer Physiotherapeutin und einem Trainer für zwei Wochen nach Malaysia.

Organisiert wurde der Aufenthalt von Swiss Cycling und Swiss Olympic. Es ging um die Frage, wie die Fahrerinnen auf die grosse Hitze reagieren würden. Auf Langkawi, einer Inselgruppe, war es gegen 40 Grad warm und die Luftfeuchtigkeit betrug bis zu 90 Prozent. Ähnlich wird es im nächsten Sommer in Tokio sein. «Es ist sehr anstrengend», sagt Neff.

«Man ist am Limit, auch wenn man sich nur ein bisschen bewegt.»

Mit der Zeit habe sie sich jedoch an die Bedingungen gewöhnt, mit jedem Training sei es einfacher geworden.

In Malaysia wurde viel getestet. Über die Ergebnisse möchte Neff jedoch nicht sprechen, zu viel hätten sie darin investiert, als das sie diese mit allen teilen möchten. Etwas verrät sie jedoch: Ihre Wohlfühltemperatur ist weit von dem entfernt, was sie in Asien erlebt hat. Zwar mag sie es zum Trainieren lieber warm, so warm jedoch auch wieder nicht.

Im Wettkampf seien zudem 20 Grad ideal. «So ist es einfacher, gute Leistungen zu erbringen», sagt Neff. «Mit einer guten Vorbereitung und Angewöhnung geht es jedoch auch bei Hitze.»

Ziel: Gesund am Start stehen

Ganz anders wird es am 1. und 2. Februar an der Radquer-WM in Dübendorf sein. Kälte, Matsch und Schnee wären da keine Überraschung – es gehört gar dazu. Es brauche ein paar Trainings unter diesen Bedingungen, um sich daran zu gewöhnen, sagt Neff. Und es brauche Wettkämpfe, um sich die Rennhärte anzueignen. Neff sagt:

«Das kann man in keinem Training simulieren»

«Klar ist es ein Nachteil, dass ich das nicht habe. Doch das nehme ich in Kauf.» Sie freut sich auf die WM vor Heimpublikum, auf die Stimmung. Doch im Rückblick wird es wohl eine Episode bleiben. Die Olympischen Spiele überstrahlen alles.

«Ich schaue was rauskommt», sagt sie und hofft, zumindest gesund am Start zu stehen. Das war zuletzt nicht so. Vor zwei Jahren konnte sie an der WM nicht teilnehmen, weil sie sich zuvor das Schlüsselbein brach.

Rennen und Bett

Im vergangenen Jahr wurde Neff eine Woche vorher krank, fuhr dennoch das Rennen und hütete danach zwei weitere Wochen das Bett. «Vielleicht ist es sogar ein Vorteil, dass ich nun vorher keine Rennen fahre», sagt Neff. Dieses Jahr soll es schliesslich anders werden.

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