NLA-Playoffs

Die Langnauer jagen die «Rolex-Bande»: Die SCL Tigers treffen im Kampf um die Playoffs auf Servette

Heute Abend wird um jeden Puck gekämpft: Servettes Stephane Da Costa (l.) im Duell gegen den Langnauer Stefan Rüegsegger.

Heute Abend wird um jeden Puck gekämpft: Servettes Stephane Da Costa (l.) im Duell gegen den Langnauer Stefan Rüegsegger.

Ein Sieg gegen Servette kann den SCL Tigers bereits die zweiten NLA-Playoffs der Geschichte bescheren. Wer sind Langnaus Asse im Ärmel und wie geht es den Genfern? Das Spiel zwischen den SCL Tigers und Servette beginnt um 19.45 Uhr heute Mittwoch.

Die ernste Zuversicht in Langnau mahnt ein wenig an uralten Zeiten. So war es einst, wenn die Dienstboten versammelt waren um zur grossen Heuernte auszurücken. Wenn alle wussten: Heute muss das dürre Gras ins Trockene, denn über der Moosegg brauen sich schon Gewitter zusammen. Heute braucht es jeden. Kein Fuder darf kippen, kein Ross durchbrennen, kein Rad brechen.

SCL-Sportchef Jörg Reber sagt: «Wenn wir jetzt nicht parat und guter Stimmung sind, wann dann?» Wo er recht hat, hat er recht: Die Langnauer können aus eigener Kraft Servette vom 8. Platz verdrängen und zum zweiten Mal nach 2011 die NLA-Playoffs erreichen. Die Voraussetzung dazu ist ein Sieg heute auf eigenem Eis geben ebendieses Servette. Das Stadion ist längst ausverkauft.

Vier ausländische Stürmer-Asse im Ärmel 

Alle sind bereit. Auch der alte Haudegen Thomas Nüssli (35), den es immer wieder im Rücken zwickt und der doch mit seiner Schusskraft ein Spiel im Alleingang zu entscheiden vermag. Trainer Heinz Ehlers kann vier ausländische Stürmer ins Feuer schicken. Der blessierte Topskorer Antti Erkinjuntti hat inzwischen wieder trainiert. Sollte er sich heute trotzdem unpässlich fühlen, so steht Mikael Johansson bereit.

Sportchef Reber hat den Schweden mit der 8. und letzten Lizenz verpflichtet. Ruhe in der Kabine, Ruhe im Management (Heinz Ehlers hat bereits um eine weitere Saison verlängert.). Es ist die Ruhe vor dem sportlichen Sturm, der Servette vom Eis fegen soll.

Fürs Geschäft sind die Playoffs sowieso unerheblich. Die Emmentaler brauchen drei Heimspiele um die Playoff-Prämien von etwas mehr als 400 000 Franken wieder einzuspielen. Da wäre mit drei garantierten Heimspielen in der Abstiegsrunde mehr zu verdienen. Aber die Playoffs wären ein emotionaler Gewinn von unschätzbarem Wert. Die Glücksseligkeit liesse sich dann im Abo-Verkauf für die nächste Saison kapitalisieren. So oder so wird die SCL Tigers AG zum vierten Mal in Serie schwarze Zahlen schreiben.

Wie steht es um Servette?

Die geordneten Verhältnisse in Langnau stehen in einem interessanten Gegensatz zu den Umständen beim heutigen Gegner. Servette hat zwar inzwischen seine Finanzen geregelt. Eine Stiftung, hinter der die Nobeluhrenmarke Rolex steht («Rolex-Bande»), hat die arroganten nordamerikanischen Besitzer abgelöst. Der Jahresverlust von etwas mehr als 6 Millionen ist kein Problem mehr.

Cheftrainer Craig Woodcroft hat alle wichtigen Spieler zur Verfügung. Allerdings ist er als Verlierer von den olympischen Spielen zurückgekehrt. Als Mitglied des Coaching-Teams der Kanadier ist er mitverantwortlich für die schmähliche Halbfinalniederlage gegen Deutschland (3:4). Seine Position in Genf ist trotz eines noch zwei Jahre laufenden Vertrags keineswegs gesichert. Bei Servette ist vor dem wohl alles entscheidenden Spiel eine seltsame, nervöse Unruhe zu spüren.

Im vergangenen Frühjahr ist Chris McSorley als Coach abgesetzt und zum «Frühstücks-Direktor» ohne Kompetenz degradiert worden. Aber meisterhaft hat er die Fäden im grossen Genfer Hockey-Theater gezogen. Laufend sind Indiskretionen an die lokalen Chronisten gelangt.

Wer vermutet, dass die aus dem Büro von «Jesus Chris» den Weg zu seinen Jüngern in den Redaktionstuben gefunden haben, liegt wohl nicht falsch. Der medial aufgebaute Druck ist so gross geworden, dass Präsident Hugh Quenec und seine nordamerikanischen Freunde inzwischen das Handtuch geworfen und Platz für die «Rolex-Stiftung» gemacht haben.

Servette ohne Chris McSorley?

Ein Detail verrät uns, wohin die Reise gehen könnte: Chris McSorley, abgesichert durch einen noch sechs Jahre (!) laufenden Vertrag, darf nach wie vor nicht mit den Medienschaffenden reden. Interessant ist, dass er nicht weiss, welche sportlichen und sonstigen Strategien die neuen Besitzer haben. Er hat nach wie vor keine Besprechung mit den Vertretern der «Rolex-Bande» gehabt.

Wenn die neuen Herren den charismatischen Kanadier in Zukunft wieder in einer zentralen Rolle sehen – hätten sie dann nicht längst mit ihm das Gespräch gesucht? Es ist nicht auszuschliessen, dass in Genf bald eine neue Zeitrechnung beginnt – nach 17 Jahren wieder ein Servette ohne den Kanadier Chris McSorley.

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