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Die Favoriten, die Strecke und der Finanz-Krach: Das müssen Sie zur Lauberhorn-Abfahrt wissen

Luca Aerni beim Lauberhorn-Start, bei einem Training dieses Jahr.

Luca Aerni beim Lauberhorn-Start, bei einem Training dieses Jahr.

Am Samstag um 12.30 Uhr ist es soweit: Die legendäre Lauberhorn-Abfahrt in Wengen sucht zum 90. Mal einen Sieger. Mit diesen Fakten sind Sie gerüstet für das Rennen.

Die Lauberhorn-Abfahrt wird wegen des nächtlichen Schneefalls nur auf verkürzter Strecke stattfinden. Die Fahrer starten wenig oberhalb des Hundschopfs. Derzeit sind die Pistenarbeiter mit Schneeräumen und Rutschen beschäftigt.

Das Rennen in Zahlen

  • Zuschauer (2019): Kombination 18'000, Abfahrt 37'000, Slalom 12'600
  • Einschaltquoten: Bei der Abfahrt 2019 schauten 1'064'100 Personen aus der Deutschschweiz zu (85 Prozent Marktanteil).
  • Budget: 8,7 Millionen Franken
  • Helfer: 1'817 Personen (Samstag 1'010 / Sonntag 807)
  • Medien: über 400 Journalisten aus 15 Ländern
Die Rennen in Wengen zieht jedes Jahr Tausende Zuschauer an.

Die Rennen in Wengen zieht jedes Jahr Tausende Zuschauer an.

Die Strecke

Die Lauberhornabfahrt zeichnet sich durch anspruchsvolle Streckenabschnitte aus. So brauchen die Athleten viel Mut, Kondition und Technik. Die Rennstrecke ist 4,48 Kilometer lang, die Höhendifferenz beträgt 1028 Meter. Die maximale Neigung beträgt 41 Grad. Den Streckenrekord hält der Italiener Kristian Ghedina. Im Jahr 1997 bewältigte er die Abfahrt in nur 2:24.23 Minuten.

© CH Media

Die verschiedenen Streckenabschnitte haben ihre Namen im Laufe der Zeit erhalten. Eine Auswahl:

  • Hundschopf: Es ist das Markenzeichen der Abfahrt. Die Passage ist eng und felsig und braucht viel Überwindung. Man hebt praktisch im Blindflug ab, zwischen den Felsen links und dem Fangnetz rechts sind höchstens 5 Meter.
  • Minschkante: Folgt gleich auf den Hundschopf. Je nach Geschwindigkeit kann diese Rechtskurve mit einem weiten oder engeren Radius gefahren werden. Sie hat ihren Namen vom ehemaligen Schweizer Skifahrer Jos Minsch, der hier gestürzt war und sich das Becken brach. Ein Jahr später kam er zurück und wurde prompt Zweiter.
  • Kernen-S: Hiess früher Brüggli-S. Bruno Kernen stürzte hier 1997 schwer. Zehn Jahr später wurde die Passage umgetauft. Die enge Rechts-Links-Kombination gilt es, trotz hohem Tempo auf direkter Linie zu meistern und dabei soviel Tempo wie möglich auf das folgende Flachstück Langentrejen mitzunehmen.
  • Hanneggschuss: Er ist steil und lang. Hier erreichen die Athleten Spitzengeschwindigkeiten. Den Rekord hält der Franzose Johann Clarey, der im Haneggschuss mit 161,9 Kilometern pro Stunde unterwegs war (siehe Video). Schneller war nie ein Abfahrer in der Geschichte der Weltcup-Wertung.
  • Silberhornsprung: Der Sprung wurde im Jahr 2003 eingebaut, um das Rennen für die Fernsehzuschauer noch attraktiver zu machen. Er wurde absichtlich so platziert, dass bei jedem Sprung das Silberhorn im Hintergrund zu sehen ist.
  • Ziel-S: Nach über zwei Minuten Fahrzeit sind die Beine der Athleten müde. Es gilt, die letzten Kräfte zu bündeln. Aus Sicherheitsgründen wurde 2009 der Zielsprung abgeflacht und die Zufahrt verbreitert.

Die Favoriten und die Schweizer

Das Lauberhorn ist ein gutes Pflaster für die Schweizer. So resultierten seit 2009 insgesamt 10 Podestplätze, davon fünf Siege. Der grösste Schweizer Trumpf in diesem Jahr ist Beat Feuz. Der zweifach Lauberhorn-Sieger ist in Topform – selbst mit gebrochenem Mittelhandknochen fuhr er in den Abfahrten in Bormio aufs Podest. Sein grösster Konkurrent wird wohl Dominik Paris sein, der aktuell die Disziplinenwertung anführt. Der Italiener fuhr in Wengen noch nie aufs Podest. Umso entschlossener wird Paris sein, dies zu ändern. Auch die Österreicher Vincent Kriechmayr und Matthias Mayer gilt es, im Auge zu behalten. Der letztjährige Sieger Kriechmayr ist in dieser Saison jedoch noch nicht auf Touren gekommen: Es resultierte erst ein Podestplatz. Mayer fuhr im zweiten Training Bestzeit. Der Norweger Aleksander Kilde zählt ebenfalls zu den Favoriten.

Schweizer Kombinierer in Wengen knapp an Podest vorbei

Schweizer Kombinierer in Wengen knapp an Podest vorbei

Die Schweizer Skifans erlebten am Freitag in Wengen bei der Kombination ein Wechselbad der Gefühle. Nach der Abfahrt am Morgen stand Gilles Roulin noch auf Platz 2. Am Schluss reichte es dem Abfahrer nach dem Slalom aber nur für Platz 15. Dafür drehte Techniker Loïc Meillard im Slalom auf und verpasste das Podest mit Rang 4 nur knapp. Insgesamt klassierten sich 7 Schweizer in den Top 20.

Auch Mauro Caviezel kündigte seine Ambitionen auf einen Spitzenplatz an. Im Training am Dienstag fuhr er bei seinem Comeback gleich Bestzeit. Er hatte die Rennen in Bormio ausgelassen, um sich von einer Unterschenkelverletzung zu erholen. Carlo Janka gelang in den Trainings jeweils eine ansprechende Fahrt. Der Lauberhorn-Sieger von 2010 ist immer für eine Überraschung gut, wie er im ersten Abfahrtsrennen der Saison in Lake Louise mit Rang drei bewiesen hatte.

Mauro Caviezel fuhr im ersten Training Bestzeit.

Mauro Caviezel fuhr im ersten Training Bestzeit.

Der Überraschungs-Zweite von Bormio, Urs Kryenbühl, stürzte im Training am Dienstag und zog sich eine Zerrung im Bereich der Syndesmose am rechten Sprunggelenk zu. Er reiste am Dienstag aus Wengen ab.

Wengen und das Geld

Wie Adelboden hat auch Wengen mit den Finanzen zu kämpfen. So könnte die diesjährige Austragung die letzte gewesen sein. Hintergrund ist ein Streit zwischen dem Renn-OK und Swiss Ski. Das Lauberhorn-OK möchte mehr Geld aus dem TV- und Marketing-Topf vom Schweizer Skiverband.

Da sich die beiden Partien nicht einigen können, holten sie sich Hilfe von einem Schiedsgericht. Kommt es auch hier nicht zu einer Einigung, könnte Swiss Ski Wengen die Rennen entziehen. Mit Zermatt hätten sie dabei eine Alternative.

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