NHL
Die Chance, Geschichte zu schreiben: Vier Schweizer kämpfen um die begehrteste Trophäe

Josi, Weber, Fiala, Streit: Vier Schweizer kämpfen ab Montag um die begehrteste Eishockey-Trophäe der Welt, den Stanley Cup. Ein gutes Zeichen für das Schweizer Eishockey.

Marcel Kuchta
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Jubelnde Schweizer in Nashville: Roman Josi umarmt seinen Landsmann Yannick Weber, nachdem die Predators den Einzug in den Stanley-Cup-Final geschafft haben.

Jubelnde Schweizer in Nashville: Roman Josi umarmt seinen Landsmann Yannick Weber, nachdem die Predators den Einzug in den Stanley-Cup-Final geschafft haben.

Getty Images

Die Namen zweier Schweizer Eishockeyspieler sind auf dem Stanley Cup, dem mächtigen Pokal, der dem NHL-Champion seit 90 Jahren überreicht wird, verewigt: David Aebischer und Martin Gerber. Aebischer triumphierte 2001 mit den Colorado Avalanche.

Martin Gerber 2006 mit den Carolina Hurricanes. Zwei Goalies also, die aber in den entscheidenden Spielen, in welchen es um den Titel ging, jeweils nur eine Nebenrolle spielten.

Wenn sich in der Nacht auf Dienstag die Pittsburgh Penguins und die Nashville Predators zum ersten von maximal sieben Spielen im Kampf um den NHL-Titel gegenüberstehen, dann betritt auch das Schweizer Eishockey – historisch betrachtet – eine neue Dimension.

Mark Streit und die Gravur-Frage

Mark Streit hat in den laufenden NHL-Playoffs erst drei Spiele für die Pittsburgh Penguins bestritten. Wenn er in den Finalspielen gegen die Nashville Predators nie zum Einsatz kommen sollte, dann droht ihm im Falle eines Titelgewinns seiner Mannschaft ein bitteres Schicksal: Streit könnte bei der Auflistung der Namen auf dem Stanley Cup fehlen. Nach Reglement werden nur die Namen derjenigen Spieler auf der Siegertrophäe graviert, die in der regulären Saison 41 Spiele mit der Mannschaft bestritten haben oder mindestens eine Finalpartie.

Da Streit erst bei Transferschluss in Pittsburgh landete, kam er in der Qualifikation nur zu 19 Einsätzen mit den Pinguinen. Während der Playoffs kam er trotz einer Verletzungswelle im eigenen Team nur zu drei Auftritten in der Halbfinalserie gegen Ottawa. Im entscheidenden siebten Spiel, welches Pittsburgh mit 3:2 nach Verlängerung gewann, musste Streit wieder zuschauen. Das deutet darauf hin, dass er auch in der Finalserie wieder überzählig sein dürfte.

Ob Gravur oder nicht wird dem 39-Jährigen letztlich aber herzlich egal sein. Die Möglichkeit, Teil eines Stanley-Cup-Champions zu sein, haben schliesslich nur sehr wenige Spieler. Für Mark Streit könnte der Titelgewinn im Spätherbst seiner Karriere der perfekte Schlusspunkt hinter eine grosse Laufbahn sein.

In den beiden Teams stehen insgesamt vier Schweizer Spieler im Kader. Bei Nashville Roman Josi (26), Yannick Weber (28) und Kevin Fiala (20). Bei Pittsburgh Mark Streit (39). Es ist also so gut wie sicher, dass erstmals der Name eines Schweizer Feldspielers auf dem Stanley Cup eingraviert wird.

Fialas «Coming-Out-Party»

Sollten es die Predators schaffen, dann wäre das für unser Land in mannschaftssportlicher Hinsicht eine ausserordentliche Errungenschaft. Während Mark Streit bei den Pittsburgh Penguins keine tragende Rolle hat (siehe links), so ist der Schweizer Einfluss bei Nashville umso prägnanter.

Die Verteidiger Josi und Weber sind unumstrittene Stammspieler. Leider hat sich Stürmer Fiala bereits im Viertelfinal gegen die St. Louis Blues so schwer verletzt, dass er jetzt nur noch Zuschauer ist. Doch für den Ostschweizer waren die Playoffs bis zum Zeitpunkt, als er sich das Bein brach, so etwas wie eine «Coming-Out-Party».

Mit starken Auftritten in der ersten Playoff-Runde gegen die Chicago Blackhawks, machte er in der breiteren Öffentlichkeit erstmals richtig auf sich aufmerksam. Er wäre auch jetzt, in der Finalserie, zweifellos ein wichtiger Spieler im Ensemble der Predators. Und wird es auch in Zukunft sein, wenn er sich von seiner Verletzung erholt hat.

Josi und die 4 Millionen

Schon seit geraumer Zeit eine der wichtigsten Säulen des Teams aus der Stadt des Countrys ist Roman Josi. Der 26-jährige bildet bei Nashville zusammen mit PK Subban, Ryan Ellis sowie Mathias Ekholm das wohl stärkste und dominierendste Verteidiger-Quartett der NHL und steht mit knapp 26 Minuten Eiszeit pro Spiel am längsten im Rink.

Josi ist in der besten Eishockey-Liga der Welt ein Star. Und mit einem Jahreslohn von «nur» 4 Millionen US-Dollar wohl der Spieler mit dem besten Preis-LeistungsVerhältnis der ganzen Liga. Der Siebenjahresvertrag des Berners, den er 2013 unterzeichnet hat, läuft im Sommer 2019 aus. Bleibt er gesund, wird Josi dannzumal einen mit über 10 Millionen US-Dollar pro Saison dotierten Vertrag unterschreiben.

Weber hat sich festgebissen

In diese Dimensionen wird Yannick Weber (Jahresgehalt: 575 000 US Dollar) nie vorstossen. Dennoch ist die Geschichte des zweiten Berner Verteidigers in den Reihen der Nashville Predators nicht minder faszinierend.

Weber, der Zeit seiner mittlerweile acht Jahre dauernden NHL-Karriere, welche ihn von Montreal via Vancouver nach Nashville geführt hat, fast ständig um einen Stammplatz kämpfen musste, hat sich im Ensemble von Headcoach Peter Laviolette festgebissen und gehört zu den zuverlässigen Ergänzungsspielern.

Yannick Weber ist ein Kämpfer mit enormem Durchhaltewille.

Yannick Weber ist ein Kämpfer mit enormem Durchhaltewille.

KEYSTONE/FR170793 AP/MARK ZALESKI

Weber ist nicht mit dem Talent eines Josi gesegnet, holt während der laufenden Playoffs aus seinen Möglichkeiten aber das Maximum heraus. «Er spielt unglaublich», lobte Laviolette Weber für dessen im Schnitt knapp zwölf Minuten Entlastungsarbeit pro Spiel.

Ein gutes Zeichen

Holen sich die Nashville Predators tatsächlich den Titel, dann würde also der Stanley Cup auf einen Schlag um drei Schweizer Namen bereichert. Und die Trophäe wäre, der Tradition gehorchend – jeder Spieler darf einen Tag mit dem Pokal verbringen – im Sommer für drei Tage zu Gast in der Schweiz.

Josi, Weber, Fiala, Streit: Das Schweizer Eishockey steht – auch wenn sich hierzulande der Sommer bemerkbar macht – vor aufregenden Tagen. David Aebischer war vor 16 Jahren ein Exot in der NHL und gleichzeitig ein Pionier. Jetzt stehen gleich vier Schweizer im Rampenlicht der besten Liga der Welt. Das ist ein gutes Zeichen.

Die Predators ziehen in den Final ein – die Highlights des entscheidenden Spiels gegen die Anaheim Ducks: