Vendée Globe

Die Britin Samantha Davies ist nicht mehr im Rennen, segelt aber weiter – und rettet damit jeden Tag ein Kind vor dem Tod

Ausgeschieden, aber immer noch unterwegs: Samantha Davies, die mit ihrer Weltumseglung Geld für herzkranke Kinder sammelt.

Ausgeschieden, aber immer noch unterwegs: Samantha Davies, die mit ihrer Weltumseglung Geld für herzkranke Kinder sammelt.

Weil sie für Reparaturen an ihrem Boot in Südafrika an Land gehen musste, wurde die Britin Samantha Davies bei der Vendeé Globe aus der Wertung genommen. Weshalb sie trotzdem wieder in See stach.

Samantha Davies war unter Deck, als es passierte. Sie hatte gerade eine kniffligem Halse bei viel Wind hinter sich gebracht und wollte sich mit einer warmen Mahlzeit belohnen, als sie wohl mit einem Wal kollidierte. Die 46-Jährige prallte mit den Rippen gegen einen Rahmen. Es fühlte sich an, beschrieb es die in Frankreich lebende Britin, als wäre sie auf einen Felsen aufgelaufen. Als die studierte Bootsingenieurin die Kielaufhängung inspizierte, entdeckte sie Risse am Fundament und eine Dichtung war herausgeschleudert worden. Ihre Hoffnung, den Schaden in einer ruhigen Bucht vor Kapstadt, Südafrika, alleine beheben zu können, zerschlug sich.

Am 5. Dezember, unter blauem Himmel vor dem Tafelberg, musste sie die Vendée Globe, bei der sie 2009 Vierte geworden war, aufgeben. «Ich bin froh, heil hier angekommen zu sein. Ich glaube an die Magie der Vendée Globe. Für mich endet das Rennen, aber ich hoffe, nicht das Abenteuer.»

Eine Woche später stach sie wieder in See und segelt ausser Konkurrenz weiter. Am Mittwoch befand sich die Britin in der Nähe des Point Nemo, und damit am isoliertesten Punkt der Erde. Davies segelt nicht nur für sich, sondern auch für ihr Spenden-Projekt «Initiatives-Coeur» – so heisst auch ihr Boot.

Sie sammelt damit Geld für herzkranke Kinder und ermöglicht Kindern mit schweren Herzfehlern eine Operation in Frankreich, wenn dies in ihrem Herkunftsland nicht möglich ist. Mit fast jedem Tag, den Davies auf hoher See ausharrt, finanziert sie eine Operation und rettet damit einem Kind das Leben. Für jedes gerettete Leben eines Kindes klebt sie ein rotes Herz in ihre Kabine. Das ist Grund genug, durchzuhalten.

Die Britin ist auch sonst eine Ausnahmeerscheinung. Mit ihrem Mann, dem Franzosen Romain Attanasio, mit dem sie seit 17 Jahren zusammenlebt und einen 9-jährigen Sohn hat, bildet sie das erste Ehepaar, das bei der Vendée Globe teilnimmt. Attanasio liegt derzeit im 13. Rang.

«Für uns beide geht mit der gemeinsamen Teilnahme ein Traum in Erfüllung», sagte Davies vor dem Start. 2008/2009 sorgte sie mit Rang 4 für das beste je von einer Frau erzielte Resultat bei der Vendée Globe. Das Ziel hatte sie als Dritte erreicht, doch Vincent Riou wurde von der Rennleitung um einen Platz nach vorne versetzt, weil er einen in Seenot geratenen Konkurrenten geborgen hatte.

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