WM-Kolumne
Die Auftritte der Handball-Nati sind Gold wert – und sie kommen keineswegs überraschend

Handball-Legende und Ex-Nationaltrainer Goran Perkovac freut sich über die Auftritte der Schweizer an der Weltmeisterschaft in Ägypten und erklärt, weshalb ihn die starken Leistungen nicht überraschen. Ein Gastkommentar.

Goran Perkovac
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Die Schweizer Handballnati bejubelt den Sieg gegen Island.

Die Schweizer Handballnati bejubelt den Sieg gegen Island.

Keystone

Der Schweizer Handball schreibt derzeit an der WM in Ägypten Geschichte. Nach der spontanen Teilnahme für die Endrunde schaffte unsere Nationalmannschaft den Sprung in die Hauptrunde, wo sie mit dem Sieg gegen Island ein weiteres Ausrufezeichen setzte. Nun warten Portugal und Algerien – ebenfalls Gegner, die in Reichweite liegen. Dennoch ist das Team von Micheal Suter gefordert, es muss sich auch hier an seine Leistungsgrenze herantasten – und sie überschreiten.

Der Erfolg unserer Nati kommt für mich keineswegs überraschend. Der Auftritt gegen die Österreicher im Startspiel war aufgrund der Umstände stark, die Leistung gegen Frankreich darf trotz Niederlage sogar als hervorragend eingestuft werden und gegen Island zeigte die Nati Nervenstärke und Cleverness. Die Mannschaft spielt seit mehreren Jahren zusammen, die zahlreichen Bundesliga-Legionäre sorgen mit ihrer Erfahrung und Qualität dafür, dass der Unterschied zur Spitze kleiner wird. Und mit Andy Schmid hat das Team einen Ausnahmekönner in seinen Reihen. Dies und die Tatsache, dass wir auf jeder Position adäquat bestückt sind, bilden die Grundsteine des derzeitigen Erfolgs.

Zudem versteht es die Schweiz taktisch ausgezeichnet, ihr 7:6-Überzahlspiel erfolgreich umzusetzen. Ehrlich gesagt, bin ich kein Verfechter dieser Ausrichtung und von dieser Regel. Auch, weil bei einer Strafe so kein eigentlicher Nachteil eintritt. Zudem birgt die Spielweise Risiken durch schnelle Gegentore – wie einige Male gegen Island zu beobachten. Sofern ich die Nadel im Heuhaufen suchen sollte, wäre sie in der 6:6-Aufstellung zu finden. Hier kann die Schweiz noch an der Stellschraube drehen. Gelingt dies, kann sie jedes Team dieser Welt vor Probleme stellen.

Für mich, der sein Leben dem Handball verschrieben hat, ist ein anderer Aspekt zentral. Unser Sport fand während der letzten Zeit kaum statt in der Öffentlichkeit. Mit den positiven Geschichten, die unsere Nati nun schreibt, steigt das Interesse der Menschen und der Medien für unsere spektakuläre Sportart. Davon werden wir hoffentlich alle profitieren.

Hopp Schwiiz!

Goran Perkovac (58) ist Trainer des HC Kriens-Luzern und ehemaliger Schweizer Nationaltrainer. Als Spieler wurde er mit Kroatien 1996 Olympiasieger und mehrfacher Schweizer Meister mit Borba Luzern und dem TV Suhr.