DNA des Sports
Wie nur sage ich es meinem Kinde? Wettkampfsport ist wertvoll!

Sport bleibt bei Jugendlichen beliebt, solange er unverbindlich ist. Wie also soll das ideale Sportsystem aussehen?

Rainer Sommerhalder
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Die Athleten und nicht das System sollen künftig im Mittelpunkt des Sportes stehen.

Die Athleten und nicht das System sollen künftig im Mittelpunkt des Sportes stehen.

Keystone

Die Erkenntnisse fühlten sich bisweilen an wie eine Liebeserklärung. Eine Liebeserklärung an den Wettkampfsport. So viele Tugenden, so manche Charaktereigenschaft, so mannigfache Talente erweckt er aus Sicht der Konferenzteilnehmer in jenen, die ihn regelmässig und mit Passion ausüben.

Das fragende Motto der Tagung im Kongresszentrum Luzern, wo verschiedene Entscheidungsträger des Schweizer Sports einen Tag lang über die Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf den Sport debattierten, nahm die Sichtweise der meisten Teilnehmenden vorweg: «Perform in Sport - Learn for Life!?»

Das Ziel der Tagung, die zu den Begleitveranstaltungen der abgesagten Winteruniversiade gehört, lautete: Bessere Ausschöpfung des pädagogischen, sozialen und nachhaltigen Potenzials des Wettkampfsports.

Der Jugend den Wettkampf schmackhaft machen

Der Mehrwert des Wettkampfsports für die Gesellschaft blieb im Grundsatz unbestritten. Die Fragen drehten sich darum, wie man die Vorzüge des «sich sportlich messen» in der Gesellschaft sichtbarer und die Schattenseiten des Leistungssports minimieren kann.

Denn der Sport, wie man ihn seit Jahrzehnten so praktiziert, erscheint bei Jugendlichen zunehmend ein Auslaufmodell zu sein. Sport treiben ist zwar cool, aber er soll vielmehr Lifestyle denn Schinderei sein. Was also kann das Sportsystem Schweiz tun, um einerseits die Werte des Wettkampfs hoch zu halten, und andererseits die Instagram-Jugend bei der Stange zu halten?

Ein Denkfehler der Tagung war zweifellos, dass in der Mehrheit ältere Männer über die Motivation einer jüngeren Generation debattierten.

Baspo-Direktor Matthias Remund gehört zwar ebenfalls zu den grau melierten Herrschaften, aber zumindest traute er sich, den Sportorganisationen ins Gewissen zu reden. «Sportverbände sind zu traditionalistisch unterwegs. Sie müssen offener sein für gesellschaftliche Entwicklungen. Die Athleten stehen viel zu wenig im Zentrum», sagte er. Das derzeitige Sportsystem hat Defizite. Das war vielen klar.

Schattenseiten des Sports rufen die Politik auf den Plan

Weil die Bedürfnisse der Hauptdarsteller gerade im Wettkampfsport immer wieder mal hinten anstehen müssen, weil sich Funktionäre zu wichtig nehmen, Trainer sich vergreifen oder Konkurrenten betrügen, hat der Spitzensport ein Imageproblem. Das lässt seit einiger Zeit vermehrt die Politik auf den Plan treten. «Sport ist politischer geworden. Sportpolitische Themen werden derzeit intensiv diskutiert. Und das ist richtig so», sagt Remund.

Auch Roger Schnegg, Direktor des Dachverbands Swiss Olympic, warnte die Anwesenden: «Wir erleben derzeit grosse gesellschaftliche Entwicklungen. Der Sport muss aufpassen, dass er diese nicht verpasst.»

Um seinen Platz in der Gesellschaft im Allgemeinen und bei der Jugend im Besondern zu behaupten, muss sich der Wettkampfsport wandeln und dessen Nutzen sichtbarer werden. «Erziehung durch Sport und nicht zum Sport» lautete ein Fazit. «Wettkampf und nicht Resultat im Fokus» ein anderes.

Mehr Frauen, eine bessere mentale Gesundheit von Athletinnen und Athleten, Berufsanerkennung für Sportler und Trainer sowie eine ganzheitliche Ausbildung zum Sport sind Themenfelder, die es anzupacken gilt.

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