Weltcup Adelboden
Der Slalom-Sieger vom letzten Jahr hat noch nicht in die Spur gefunden

Daniel Yule versetzte Adelboden vor einem Jahr in Ekstase. In dieser Saison läuft es noch nicht wie gewünscht. Vor dem Slalom am Sonntag sucht der 27-Jährige nicht nach Ausreden.

Claudio Zanini
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«Wir werden die Fans vermissen»: Daniel Yule am Freitagabend in Adelboden.

«Wir werden die Fans vermissen»: Daniel Yule am Freitagabend in Adelboden.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Slalom Die Erinnerungen an den 12. Januar 2020 sind zauberhaft. Daniel Yule sagt, es sei ein Moment gewesen, den er sein Leben lang nicht vergessen werde. «Diese Emotionen waren unglaublich.» Yule hat vor einem Jahr den Slalom von Adelboden gewonnen. Wie im Riesenslalom gab es auch in dieser Disziplin eine längere Baisse. Vor ihm erreichte 2007 zum letzten Mal ein Schweizer das Podest. Dann setzte sich Yule vor dem Norweger Henrik Kristoffersen und dem Österreicher Marco Schwarz durch. Das Chuenisbärgli wurde an diesem Sonntagnachmittag zum Tollhaus, es war eine Erlösung.

«Wir werden die Fans vermissen»: Daniel Yule am Freitagabend in Adelboden.

«Wir werden die Fans vermissen»: Daniel Yule am Freitagabend in Adelboden.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Daniel Yule will nicht in der Vergangenheit leben. «Letztes Jahr ist letztes Jahr», sagt er. «Ich konzentriere mich jetzt auf den Sonntag, damit ich mein bestes Skifahren zeigen kann.» Am Sonntag steht der Slalom an. Sein bestes Skifahren konnte er in diesem Winter aber noch nicht zeigen. In Alta Badia (7.) und Zagreb (10.) landete er in den Top Ten. In Madonna di Campiglio wurde er bis zum 22. Rang durchgereicht. Yule betont: «Ich starte nicht, um auf den 22. Rang zu fahren. Ich glaube, keiner im Weltcup tut das.» Das Ergebnis war darum erstaunlich, weil Yule in Madonna 2018 und 2020 siegte. Er sagt: «Mit 1,26 Sekunden Rückstand lande ich auf dem 22. Platz. Es gab schon Rennen, da hatte ich so viel Rückstand und stand auf dem Podest.»

Der Unterwalliser sucht am Freitagabend im Schweizer Teamhotel «nach Erklärungen, nicht nach Ausreden». Mit den warmen Temperaturen hatte er Mühe. In Alta Badia lag er zur Halbzeit auf dem zweiten Zwischenrang. Dann kletterten die Temperaturen hoch und er fiel im zweiten Durchgang zurück. Im Berner Oberland wird er andere Verhältnisse antreffen. Mit einer perfekten Piste und kalten Temperaturen. Nebst Yule werden Ramon Zenhäusern, Tanguy Nef, Luca Aerni, Sandro Simonet und Marc Rochat am Start stehen.

Die Dankbarkeit von Zenhäusern

Die Ergebnisse sprechen aktuell für Ramon Zenhäusern. Kurz vor Weihnachten gewann er in Alta Badia vor den beiden Österreichern Manuel Feller und Marco Schwarz. Mitte Woche wurde er in Zagreb Neunter. Zenhäusern, dessen Vater auch dieses Jahr für das Walliser «Radio Rottu» vom Chuenisbärgli berichtet, gelang in den letzten beiden Jahren jeweils ein gutes Rennen in Adelboden. 2019 wurde er Fünfter, im vergangenen Jahr fehlten ihm acht Hundertstel auf den dritten Platz.

Voller Demut sagt Zenhäusern schliesslich, er sei einfach dankbar, dass die Veranstalter «trotz aller Strapazen» in diesem Jahr ein Rennen auf die Beine gestellt hätten. «Ich bin gespannt, wie es sein wird ohne Zuschauer.»

Yule glaubt, dass es ganz anders sein werde. «Wir werden die Fans vermissen. Ich mag die Atmosphäre eines Weltcup-Wochenendes. In Adelboden spürt man jeweils überall die Energie.» Doch auch ohne Corona und mit vollen Rängen wäre es wohl schwierig geworden, die Emotionen des letzten Jahres zu kreieren.

Auch Yule sieht es nicht als Selbstverständlichkeit an, dass überhaupt ein Rennen stattfinden kann. Letztlich bleibe Adelboden eben Adelboden, sagt er. Es heisst wohl so viel wie: Die Erwartungen sind beim Heimrennen anders als sonst wo.