Apropos
Der Roboter zwinkert mir freundlich zu – trotzdem: ein Horror, dieses moderne Korea!

Unsere Reporter in PyeongChang berichten über die sportlichen und unsportlichen Ereignisse im Olympiadorf. Heute: Seltsames, modernes Korea von Klaus Zaugg.

Klaus Zaugg
Klaus Zaugg
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Den Kerl möchte ich gerne als Hausgenossen haben. Ein freundlicher Roboter, ungefähr so gross wie eine Deutsche Dogge, reinigt den Teppich im Eingang zum grossen Frühstücksraum des Mediendorfes. Er ist unermüdlich, stösst nie mit einem Passanten zusammen, surrt leise und hat ein blinkendes Licht, das wirkt, als zwinkere er mir mit den Augen zu.
Oder sollte mich diese Maschine ängstigen? Wie lange dauert es noch, bis eine Maschine, die tipptopp putzen kann, auch dazu in der Lage ist, Texte zu schreiben? Es soll ja schon Schreibroboter geben. Die wird man sicherlich mit verschiedenen Programmen laden können: kritisieren, polemisieren oder fabulieren. Und vielleicht gibt es ja bald Sport-Roboter. Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Maschine, die putzt, auch Curling spielen kann.

Die Koreaner sind uns offensichtlich auch in der Haustechnik um Jahre voraus. Das Appartement im Mediendorf kommt mir von der technischen Ausstattung her vor wie ein Raumschiff. Und wäre es die Enterprise, wäre ich in der Atmosphäre verglüht. Die Schlüssel sind natürlich elektronisch. Kein Problem. Aber im Vorraum gibt es links an der Wand verschiedene Knöpfe. Die Funktion ist in koreanischen Schriftzeichen angegeben. Ich habe drei Tage gebraucht, um diese Technik zu entschlüsseln. Zwei Nächte lang hatte ich kein Licht. Weil es ohne Einschalten des zentralen Lichtschalters nirgendwo Licht gibt. Auch nicht in der Toilette. Aber wie diesen zentralen Schalter unter den vielen Knöpfen finden, wenn alles in koreanisch angeschrieben ist? Inzwischen habe ich sogar herausgefunden, dass mit einem der Knöpfe im Appartement der Lift angefordert werden kann. Nicht unpraktisch im 24. Stock.

Seniorenjass statt Hockeymatch? Welch trübe Aussicht!

Inzwischen werde ich auch nicht mehr durch die regelmässig aufs Handy geschalteten Warnungen in koreanischer Sprache aufgeschreckt. Es sind Gott sei Dank keine Anweisungen, sofort die Luftschutzkeller aufzusuchen, weil eine von Kims Raketen im Anflug ist. Es sind Warnungen, wegen des Windes oder der Kälte das Haus besser nicht zu verlassen. Wohl eher für ältere Leute gedacht. Wie die Einladungen zum Seniorenjass, die ich wahrscheinlich wegen meines Jahrgangs neuerdings von meiner Hausbank bekomme und bei mir jedes Mal eine leise Depression auslösen. Seniorenjass! Zum Altersjass statt zum olympischen Hockeymatch? Im «Bahnhof» ins Säli statt in den Tempel an der Ilfis? Und nur einen Roboter als Hausgenossen? Trübe Aussichten.