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Die jungen Basler weinen nach dem Spiel in St. Gallen in der Garderobe: Der von Sforza ausgerufene Neustart ist schon verpufft

Der FC Basel verliert auch in St. Gallen mit 1:3 und die Erfolglos-Serie könnte in dieser Woche weiter ausgebaut werden. Denn Sforzas Rumpfteam ohne Selbstvertrauen und Leidenschaft trifft auf YB und Servette.

Jakob Weber aus St. Gallen
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Ein Bild mit Symbolcharakter: Matias Palacios und Albian Hajdari sind am Boden, die St. Galler um Torschütze Lukas Görtler stehen.

Ein Bild mit Symbolcharakter: Matias Palacios und Albian Hajdari sind am Boden, die St. Galler um Torschütze Lukas Görtler stehen.

Bild: Fresh

Gut 24 Jahre ist die FCB-Startelf alt, 19 die Ersatzbank. Aufgefüllt mit U21 und U18 Spielern. Die 15 Ausfälle lassen die Frage aufkommen, ob der FCB ausnahmsweise seine Erwartungshaltung etwas senken sollte. Oder ob auch in diesem Auswärtsspiel bei den ebenfalls kriselnden St. Gallern (nur 1 Sieg aus den vergangenen fünf Spielen) alles andere als ein Sieg eine Enttäuschung wäre. Doch Trainer Ciriaco Sforza hat aufgrund der prekären Personalsituation kein anderes Ziel ausgerufen als sonst auch: Alles geben und idealerweise drei Punkte mitnehmen. «Ich mache keine Geschenke», so der Coach. Auch Aushilfscaptain Pajtim Kasami teilt diese Meinung: «Wir sind der FC Basel und wir wollen immer gewinnen. Auch mit 15 Verletzten.»

Doch es sollte wieder einmal anders kommen, als geplant. Sforzas Plan, das Zentrum mit einer Mittelfeld-Raute dicht zumachen, geht nicht auf. Schon in der Startphase hätte St. Gallen in Führung gehen müssen, doch Duah und Adamu sündigen im Abschluss. Der FCB lässt in der gesamten Partie 23 Schüsse und acht Grosschancen zu. Viel zu viel, um in der Ostschweiz irgendetwas mitzunehmen.

In der 37. Minute gibt Lukas Görtler dem Spiel den entscheidenden Impuls. Er darf sich ohne Gegenwehr von Kalulu, Hajdari, Klose, Kasami und van der Werff zum Strafraum dribbeln, um den Ball dann mit einem Distanzschuss im langen Eck unterzubringen. Den zarten Handspiel-Protesten der Basler erteilt Schiedsrichter Sandro Schärer eine Absage. Görtler habe den Ball zu Beginn des Angriffs mit der Hüfte gespielt, so die Entscheidung. Bitter für den FCB, dem in der 9. Minute bereits ein Tor von Cardoso aberkannt wurde, weil der Ball zuvor an Kasamis Arm gesprungen war. Zudem blieb der Elfmeterpfiff korrekterweise ebenfalls aus, als Kräuchis Arm aus kurzer Distanz angeschossen wurde. Doch an diesen kniffeligen Schiedsrichterentscheidungen liegt es nicht, dass der FCB dieses Spiel verliert.

Je länger das Spiel dauert, desto chancenloser ist Basel

Bis zur 70. Minute hofft Rotblau, irgendwie noch einen Punkt zu stibitzen. Doch mehr als ein paar Halbchancen spielen sich die Gäste nicht heraus. Dann senst Cardoso übermotiviert Guillemnot von den Beinen und Duah verwandelt den fälligen Penalty präzise zum 2:0. «Wir haben Basel an die Wand gespielt», analysiert der Torschütze später überschwänglich. Doch nach dem 2:0 ist die Gegenwehr tatsächlich gebrochen. Van der Werff holt in einem ähnlich unbeholfenen Stil Duah von den Beinen und Quintilla zwirbelt den fälligen Freistoss von der Strafraumgrenze über die Mauer ins kurze Eck. 3:0.

Die Basler Körpersprache nimmt anschliessend winterthurliche Züge an. Dass es resultattechnisch nicht so schlimm wird wie vor Wochenfrist im Cup, liegt am St. Galler Chancenwucher und am Ehrentreffer von Arthur Cabral, der in der Nachspielzeit einen Zhegrova-Schuss ins Tor lenkt.

Immer wieder die gleiche Kritik

Goalie Heinz Linder moniert nach dem Spiel den fehlenden Wille und das ungenügende Defensivverhalten. Einsatz und Leidenschaft sind Tugenden, welche diese FCB-Mannschaft leider viel zu selten an den Tag legt. Lindner ist nicht der erste, der dies nach einem verlorenen Spiel einfordert. Auch Timm Klose und Valentin Stocker hatten nach den Spielen gegen Zürich oder Winterthur ähnliche Worte gewählt. Doch auf dem Platz sieht es dann schnell wieder anders aus. Der von Sforza nach dem 0:0 gegen Lausanne ausgerufene Neustart ist so schnell wieder verpufft.

In St. Gallen will Sforza die Einstellung im Gegensatz zu Lindner nicht kritisieren. «Über Fehler in gewissen Situationen können wir reden, aber nicht über 90 Minuten», so der Coach. Wieder einmal stellt er sich schützend vor sein Team und lobt die jungen Debütanten.

Doch dann sagt er auch noch etwas, was nicht totzuschweigen ist: «Mit so vielen neuen Spielern klappt halt auch nicht immer alles.» Und genau diese Jungen sitzen nach dem Spiel enttäuscht in der Kabine und würden weinen, wie Sforza erzählt. Denn für sie ist es aktuell nahezu ein Ding der Unmöglichkeit, einer Mannschaft ohne Selbstvertrauen, mit vielen Ausfällen und ohne den letzten Siegeswillen aus der Patsche zu helfen. Zumal die nächsten Aufgaben in der englischen Woche gegen YB und in Genf nicht einfacher werden.

St. Gallen - Basel 3:1 (1:0)

Kybunpark. – Keine Zuschauer. – SR Sandro Schärer. – Tore: 35. Görtler (Youan) 1:0. 70. Duah (Foulpenalty) 2:0. 76. Quintilla 3:0. 91. Cabral (Zhegrova) 3:1.

St. Gallen: Zigi; Kräuchi, Stergiou, Fazliji, Traore; Quintilla; Görtler (49. Staubli), Stillhart (85. Nuhu), Youan (85. Euclides Cabral); Adamu (62. Guillemenot), Duah (85. Babic).

Basel: Lindner; van der Werff, Klose, Cardoso, Hajdari; Kasami, Zuffi; Kalulu, Palacios (71. Zhegrova), Males (71. Hunziker); Cabral.

Bemerkungen: Basel ohne Abrashi, Jorge, Isufi, Marchand, Padula, Petretta, Pululu, Sene, Stocker, van Wolfswinkel, von Moos, Widmer, Xhaka (alle verletzt), Frei und Cömert (beide gesperrt). – Verwarnungen: 5. Stillhart (Handspiel). 37. Cardoso (Foul). 92. Nuhu (Foul). – Nach der Pause wurde die Partie von David Huwiler geleitet, da sich Sandro Schärer unwohl fühlte.

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