Interview

Der Luzerner Ruben Vargas schaut auf ein starkes erstes Jahr in der Bundesliga zurück: «Augsburg war der ideale Schritt»

Ruben Vargas ist der Senkrechtstarter der abgelaufenen Bundesligasaison. Der 21-jährige Luzerner hat dank konstant guter Leistung bei Augsburg einen Platz im Nati-Kader erobert.

In Ihrer ersten Saison haben Sie 33 Bundesligaspiele absolviert, ganze 29-mal standen Sie in der Startelf, erzielten 6 Tore und gaben 2 Assists. Was denken Sie bei diesen Zahlen?

Ruben Vargas: Das ist wirklich schnell gegangen. Gleich im ersten Spiel in Dortmund stand ich in der Startelf, das hätte ich nicht erwartet. Für mich war es eine positive Überraschung, dass man in Augsburg sofort auf mich gesetzt hat. Vor einem Jahr hätte ich nicht geglaubt, in der ersten Bundesligasaison über 30 Spiele zu machen.

Ruben Vargas lieferte bei Augsburg eine gute erste Bundesligasaion ab.

Ruben Vargas lieferte bei Augsburg eine gute erste Bundesligasaion ab.

Augsburg zählt zu den kleineren Clubs und Städten in der Bundesliga. Warum fühlen Sie sich dort wohl?

Verein und Stadt sind genau das, was ich gebraucht habe. Augsburg war der ideale erste Schritt im sportlichen wie im privaten Leben. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre, das gilt sowohl für den FCA als auch für die Stadt. Im Club und in der Mannschaft wurde ich gut aufgenommen, und auch die Menschen in Augsburg sind freundlich auf mich zugegangen.

Hatten Sie gewusst, was auf Sie zukommt?

Mein langjähriger Berater Josef Jost hatte ein Dossier über Augsburg erstellt. Unser Ziel waren möglichst einfache Bedingungen – damit ich mich nicht zuerst in einer grossen Stadt zurechtfinden musste. Bereits als er das erste Mal den Namen FC Augsburg erwähnte, war ich positiv gestimmt. Dazu kam, dass mich der damalige Trainer Martin Schmidt unbedingt wollte. Im persönlichen Gespräch in Bern hatte er mich überzeugt, nach Augsburg zu wechseln.

Wie haben Sie das erste Jahr von zu Hause weg verbracht?

Beim FC Augsburg haben mir viele Menschen geholfen, mich schnell in der Stadt zu Hause zu fühlen. Andere wichtige Bezugspersonen aus meiner Familie, mein Berater und die Kollegen sind in Luzern nicht allzu weit von Augsburg entfernt. Zum Glück sind in unserer Mannschaft viele junge Spieler, so haben wir regelmässig etwas zusammen unternommen oder sind auswärts essen gegangen.

In Ihrer Wohnung mitten in Augsburg sind Sie also nicht zum Koch geworden?

Für einfache Menus reichen meine Kochkünste, aber gerne geniesse ich auch ein feines Essen in einem der tollen Restaurants in Augsburg.

Sie haben es angesprochen, Martin Schmidt holte Sie nach Augsburg. Wie erlebten Sie den Trainerwechsel zu Heiko Herrlich?

Martin Schmidt ist ein Trainer, mit dem ich auch Dinge neben dem Platz besprechen kann. Martin habe ich sehr viel zu verdanken. Unter ihm gab ich mein Bundesligadébut, er hat mir viel Spielzeit gegeben. Heiko Herrlich ist ein anderer Trainertyp, er war selber Stürmer, hat auf hohem Niveau gespielt und kann mir oft Ratschläge geben. Ich schätze ihn als Trainer und Person mit hoher Sozialkompetenz.

Was war das schönste Erlebnis im ersten Bundesligajahr?

Ich hatte zwei schönste Momente: Im ersten Saisonspiel durfte ich in Dortmund vor über 80'000 Zuschauern von Anfang an auf dem Platz dabei sein. Obwohl wir nach sehr früher 1:0-Führung noch 1:5 verloren, war dieses Spiel vor grandioser Kulisse ein beeindruckendes Erlebnis. Enorm gefreut hat mich mein erstes Tor vor unseren Fans zu Hause beim 1:1 gegen Union Berlin.

Haben Sie auch negative Erfahrungen gemacht, die Ihnen im Gedächtnis haften geblieben sind?

Da fällt mir nur etwas ein: Die Coronazeit war nicht einfach und ebenso, die Saison ohne Fans fertig zu spielen. Natürlich waren wir froh, dass wir überhaupt noch antreten konnten, aber es war eine Riesenumstellung, uns gegenseitig ohne Zuschauer zu pushen. Unsere Hauptmotivation war die ungemütliche Tabellenlage, wir schafften es auf Platz 15 und verhinderten so fünf Punkte vor dem Sechzehnten Werder Bremen die Teilnahme an der Relegation und den Abstieg.

Die Auflagen des Coronaschutzkonzepts waren in der Bundesliga sehr streng. Wie haben Sie diese neun Spiele in anderthalb Monaten erlebt?

Ich bin froh, gegenwärtig wieder ein paar Freiheiten mehr geniessen zu können. Zum Beispiel im Restaurant ganz einfach einen Kaffee trinken zu gehen. Da wir als Profis isoliert gewesen waren, neben Training und Spiel nur noch kurz einkaufen durften. In der Öffentlichkeit wurde sehr genau auf unser Verhalten geschaut. Dortmund-Spieler Jadon Sancho wurde an den Pranger gestellt, weil er auf sozialen Medien ein Bild von sich und seinem Coiffeur ohne Masken veröffentlicht hatte. In der Bundesliga wurden wir vor jedem Spiel mehrfach auf Corona getestet, das hatte die DFL gut organisiert. Bei uns in Augsburg stellten sie keinen positiven Fall fest.

War das Niveau der Geisterspiele ähnlich hoch wie vor der Coronapause mit Zuschauern?

Das ist so, sportlich war keine Differenz zu spüren. Der grosse Unterschied sind die fehlenden Emotionen. Bei meinem Treffer zum 1:1 im letzten Spiel gegen RB Leipzig hätte ich vor Publikum ganz anders reagiert, ich hätte das Tor mit den Fans enthusiastisch gefeiert.

Schweizer Fussball-Experten überhäufen Sie nun mit Lob für das Rookie-Jahr in der Bundesliga. Sie werden als Senkrechtstarter und ihre Leistungen als «unfassbar gut» bezeichnet, der FC Augsburg als der richtige Schritt für die internationale Karriere bezeichnet. Was sagen Sie dazu?

Es ist schön, gelobt zu werden. Augsburg ist für mich die richtige Wahl. In der neuen Saison will ich meine Leistungen bestätigen und wenn möglich toppen.

Doppelpack! Gegen Bremen gelangen Ruben Vargas zwei Tore in einem Spiel:

In Augsburg unterschrieben Sie vor zwölf Monaten einen Fünfjahresvertrag, der noch bis Sommer 2024 gültig ist. Bleiben Sie?

Ich will meinen Vertrag erfüllen und die gute erste Spielzeit bestätigen. Spekulationen stehen keine im Raum. Mein Berater Josef Jost und die international tätige Berateragentur IFM mit Franco Moretti unterstützen mich in meiner Karriereplanung.

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