Tennis
Der Lebemann geniesst seine wohl grösste Zeit als Sportler

Seit 19 Jahren hat Dustin Brown seine Haare nicht mehr geschnitten. Die Rastalocken sind das Markenzeichen des Deutschen. Und so wild wie seine Frisur, so wild ist auch sein Spiel. Ein Spiel mit dem Rafael Nadal überhaupt nicht zurechtkam.

Michael Wehrle, Wimbledon
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Dustin Brown - Raffael Nadal
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Dustin Brown - Raffael Nadal

Keystone

Unberechenbar spielte Brown, holte damit den Spanier aus seiner Komfortzone. Doch so verrückt das Spiel des Aussenseiters auch aussah, so durchdacht war es. «Das war mein Plan», erklärt Brown, der fast nach jedem Aufschlag ans Netz stürmte, aber auch wenn Nadal servierte, probierte Brown, die Ballwechsel kurz zu halten.

«Ich wusste, dass es für mich nicht gut rauskommt, wenn ich hinten stehe und mich auf Ballwechsel mit ihm einlasse», sagte Brown und freute sich über das Kompliment von John McEnroe. «Das war eine der besten Vorstellungen, die ich auf dem Centre-Court von Wimbledon jemals von einem schlecht klassierten Spieler gesehen habe.»

Die Nummer 102 der Welt ist Brown im Moment. Nadal aber hatte einmal mehr in diesem Jahr nicht die Nerven, um sein Spiel durchzuziehen. Der Spanier machte Fehler, die ihm zu seinen besten Zeiten nie passiert wären.

Auf und Ab

Schon vor einem Jahr hat Brown ein Match gegen Nadal gewonnen, auf dem Rasen von Halle. «Rasen ist schon meine Lieblingsunterlage», sagt Brown. Sie komme seinem Spiel entgegen. «Es hat eine Weile gedauert, bis ich begriffen habe, wie ich ein solches Match an einem guten Tag gewinnen kann», sagt er.

Doch das könne eben an einem anderen Tag genauso gut völlig daneben gehen. Das sei ihm vor kurzem am Challenger Turnier in Rom passiert und habe ihn die direkte Qualifikation für das Hauptfeld in Wimbledon gekostet. «Aber so bin ich halt, das macht mich gefährlich, besonders auf dieser Unterlage», erklärt Brown. «Wichtig ist, dass ich akzeptiere, dass mein Tennis nun mal diese Spannweite hat. Entweder gewinne ich oder dann verliere ich halt.»

Zwischen zwei Ländern

Und bisher hat der 30-Jährige in seiner Karriere auf höchstem Niveau mehr verloren als gewonnen. In Celle in Norddeutschland ist er geboren, Vater Leroy ist Jamaikaner, Mutter Inge Deutsche. Bis 1996 lebte er in Deutschland, dann zog er nach Jamaika.

2004 kehrte er zurück und startete seine Tenniskarriere. Seine Eltern spendierten ihm ein Wohnmobil, damit tourte er drei Jahre lang zu den kleinen Turnieren quer durch Europa. Doch erst vor fünf Jahren tauchte er unter den Top 100 der Welt auf, bestritt in Wimbledon sein erstes Match im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers.

Vor zwei Jahren stand er schon einmal in der dritten Runde von Wimbledon, damals war mit Lleyton Hewitt ebenfalls ein ehemaliger Sieger sein Opfer in der zweiten Runde. Besser war er überhaupt noch nie bei einem Grand-Slam-Turnier.

Bis auf Platz 78 vor gut einem Jahr schaffte er es bisher auf der Weltrangliste. Auf der ATP-Tour hat er noch nie ein Turnier gewonnen. Oft spielt sich sein Profileben eine Stufe tiefer ab, auf der Challengertour vor wenigen Zuschauern, auf schlechten Plätzen. «Das alles aber hat mich geformt, als Tennisspieler aber auch als Mensch und das hat mich zu diesem grossartigen Tag geführt, dem wahrscheinlich besten meines Lebens.»

Die Sache mit dem Alkohol

So extrovertiert er sich auf dem Platz gibt, so abgeklärt redet er. Vor Jahren wollte er bei einem Kurzinterview die Frage, ob der denn lieber ein Glas Wein oder ein Bier trinke keine Antwort geben. Das passe nicht zu einem Sportler. Nur wenige Stunden später becherte er dann an einer Bar ganz gehörig und war alles andere denn nüchtern.

Nun aber träumt er von seinem grössten Erfolg, dem Achtelfinal von Wimbledon. Im Weg steht ihm heute der Serbe Viktor Troicki, die Nummer 24 der Welt. Und Brown sollte gewarnt sein. Für seine drei Vorgänger, Lukas Rosol, Steve Darcis und Nick Kyrgios, war der Sieg über Nadal in den vergangenen Jahren jeweils der letzte im aktuellen Wimbledonturnier.

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