Radsport

Der frühere Weltstar fährt heute für ein Roggenbrot

Nach der Zieldurchfahrt am GP Amerigo peilte die 13-fache Weltmeisterin Jeannie Longo ohne Umwege die Dorfbäckerei an. Dort lag die Motiviation für ihren Start in Gerlafingen.

Ohne anzuhalten ging es nach der Zieldurchfahrt weiter in die Gerlafinger Dorfbäckerei. Erst dort stieg Jeannie Longo von ihrem Rennrad. Die gefahrene Zeit interessierte die Olympiasiegerin und 13-fache Weltmeisterin nämlich am Sonntagmorgen weniger als das Roggenbrot, auf das sie sich schon den ganzen Morgen gefreut hatte.

«Dieses Brot ist einer der Gründe, warum ich wieder beim GP Amerigo an den Start gegangen bin», erzählte die erfolgreichste Radsportlerin aller Zeiten eine halbe Stunde später bei der Blumenzeremonie.

Mit 56 noch immer Rennfahrerin

«Mein Mann hat letztes Jahr das Rennen im Internet gefunden. Weil es nur so wenige Zeitfahren gibt und weil es mir in der Schweiz ganz besonders gut gefällt, sind wir nach Gerlafingen gekommen. Die Leute sind so nett, dass ich auch nächstes Jahr wieder hier starten will», machte die mittlerweile 56-jährige Französin dem organisierenden VC Victoria Gerlafingen ein riesiges Kompliment.

Einen Unfall nur um Millimeter vermieden

Es hätte für Longo aber auch anders kommen können: Zu Beginn der zweiten Runde hatte ein unbeteiligter Passant beim Überqueren der Rennstrecke nicht aufgepasst. «Ich weiss nicht, wie ich den Zusammenstoss verhindern konnte. Es ging um Millimeter und meine Beine zitterten nach diesem Schrecken.»

Sie habe deshalb vielleicht 20 Sekunden verloren. «Meine Form ist ganz allgemein nicht so, wie ich es mir wünsche», erzählte Jeannie Longo. In Argentininen habe sie während den Aufzeichnungen einer Sendung für das französische Fernsehen einen Hubschrauberabsturz mit vielen Toten mitansehen müssen. Das habe sie mitgenommen und sich negativ auf die Motivation ausgewirkt. Zudem klagte sie über einen entzündeten Nerv, der schmerzhaft in den Gluteus Maximus ausstrahlt.

Maja Frei war schneller

So wurde es nichts aus dem Sieg Nummer 1282 ihrer Karriere: Die Bellacherin Maja Frei – auch sie wird schon bald 50 – fuhr die 26 Kilometer exakt 34 Sekunden schneller als die erfolgreichste Radrennfahrerin aller Zeiten. «Ich habe mich erst heute Morgen um 8 Uhr für den Start entschieden», erzählte Frei im Ziel.

Ihr Trainer, Sponsor und Lebenspartner Philipp Stämpfli habe gemeint, sie sei zu wenig gut austrainiert. «Ich wollte ihm beweisen, dass ich auch mit weniger Training gut fahren kann», sagte Maja Frei. Mit dem Tagessieg beim GP Amerigo konnte sie es schriftlich dokumentieren.

Jeannie Longo gratulierte Maja Frei persönlich und lobte ihre Schweizer Rivalin: «Ich kenne sie bereits gut, sie konnte mich auch schon bezwingen. In den flachen Zeitfahren ist sie sehr stark und sie hat heute absolut verdient gewonnen.» Und wie viele Siege will die Grande Dame des Radsports noch herausfahren? «Ich habe keine Ahnung, und es ist auch nicht mehr so wichtig für mich zu gewinnen. Ich fahre die Rennen, weil es mir Spass macht.»

Schweizer gwinnt bei den Männern

Bei den Männern gewann mit Andreas Schweizer (Steffisburg) ebenfalls ein Routininer. Nach drei Runden und 39 Kilometern hatte der 36-Jährige einen deutlichem Vorsprung von eineinhalb Minuten auf Nicolas Fischer herausgeholt, der der schnellsten U23-Fahrer war. Auf dem dritten Platz konnte sich Milos Borisavljevic vom Gerlafinger Team Roth-Skoda klassieren.

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