Sport

Der FC Wil plant ohne Captain Lombardi

Sandro Lombardi im Einsatz gegen Winterthur. (Bild:Marc Schumacher/freshfocus)

Sandro Lombardi im Einsatz gegen Winterthur. (Bild:Marc Schumacher/freshfocus)

Nach acht Jahren beim FC Wil verlässt Sandro Lombardi den Club trotz laufenden Vertrags – schweren Herzens. Im verjüngten Team von Ciriaco Sforza war er nicht mehr erste Wahl. Auch Ivan Audino, eine weitere Identifikationsfigur, wird den Verein wohl verlassen.

Der FC Wil hat sein Motto schon in den vergangenen Wochen bekanntgegeben: Er will mit jungen Spielern planen und mehr auf Athletik setzen. In der Umsetzung dieses Vorhabens geht der Challenge-League-Club nun aber konsequenter vor, als manch einer geglaubt hätte. Sandro Lombardi, die 32-jährige Identifikationsfigur der Wiler, gehört per sofort nicht mehr zur Mannschaft. Dies gab der Club an der gestrigen Teampräsentation im Bergholz bekannt.

Sforza plant auf Lombardis Position
mit jüngeren Spielern

Der langjährige Captain, der dem FC Wil während acht Jahren die Treue hielt, wird seine Karriere beenden, «aus sportlichen und privaten Gründen», wie der Club mitteilt. Ganz freiwillig ist sein Abgang aber nicht. Trainer Ciriaco Sforza erklärte gestern, dass er auf Lombardis Position mit jüngeren Spielern plane – dies habe er ihm auch offen kommuniziert. Bei diesem Entscheid soll auch mitgespielt haben, dass Lombardi nach seinem Kreuzbandriss von 2017 und weiteren Verletzungen in der vergangenen Saison nicht mehr ganz an die Dynamik vergangener Tage herankam.

Kein böses Blut – aber Enttäuschung über das Ende

«Natürlich bin ich enttäuscht, ich fühle mich noch immer fit», sagt der Mittelfeldspieler, der mit Wil 165 Partien bestritt und noch einen ­gültigen Vertrag bis 2020 gehabt hätte. «Der Club hat mich offen mit der Situation konfrontiert», sagt Lombardi. Somit habe er sich zum Karrierenende entschlossen. Die berufliche Zukunft des Familienvaters ist derzeit noch offen. An der gestrigen Teampräsentation war Lombardi nicht zugegen. Böses Blut gebe es aber nicht zwischen ihm und dem Verein. «Ich werde die Spiele des Clubs schauen gehen – es waren für mich schliesslich wunderbare acht Jahre in Wil, mit allen Höhen und Tiefen.»

Radikaler Umbruch

Der Umbruch in Wil ist radikal: 19 Spieler haben den Verein verlassen oder stehen vor einem Abgang. So soll auch Ivan Audino keine Zukunft mehr haben beim Club. Der 27-jährige Offensivspieler, der 2012 zum Verein stiess und seither 168-mal das schwarz-weisse Trikot trug, hätte ebenfalls noch einen laufenden Vertrag. Er dürfte ebenso der Verjüngung zum Opfer fallen. Aber auch seinem hochdotierten, noch unter der türkischen Führung ausgehandelten Vertrag. Da man sich in einer Vertragsanpassung nicht einig geworden sei, sei man zusammen mit dem Spieler auf der Suche nach einer neuen Lösung, so FC-Wil-Präsident Maurice Weber. Auch für Sergio Cortelezzi und Magnus Breitenmoser würden neue Optionen gesucht.

Kader wird verkleinert

Drei weitere Abgänge wurden gestern definitiv und offiziell mitgeteilt: Stürmer Rrezart Hoxha wechselt zu Kriens, Nicolas Herter zu Rapperswil-Jona, Eric Gülünay zum SC Brühl. Bereits seit längerem ist bekannt, dass mit Nias Hefti, Nikki Havenaar (beide Thun) sowie Michael Gonçalves (Servette) drei Spieler in die Super League wechseln. Ersetzt werden die vielen Abgänge vor allem mit Junioren-Nationalspielern, zum Beispiel Lars Traber vom St. Galler Nachwuchs, Kwadwo Duah und Joël Schmied von den Young Boys, Bledian Krasniqi vom FC Zürich. Drei weitere Zugänge seien noch geplant. Routiniers bleiben vorerst drei: Nick von Niederhäusern in der Verteidigung, Neuzugang Philipp Muntwiler im Mittelfeld, Silvio in der Offensive. Sforza schwebt vor, mit einem um vier Spieler kleineren Kader in die Saison zu starten. Maximal 23 sollen es sein. Ausgebaut wurde dafür das Trainerteam. Pascal Kaiser wird als neuer Athletiktrainer für die Fitness und Explosivität der Fussballer zuständig sein. Bleibt die Frage, wer neuer Captain des FC Wil wird: Ist es Muntwiler, der Rückkehrer? Das sei offen, werde sich in den kommenden Trainings herauskristallisieren, so Sforza.

Meistgesehen

Artboard 1