Der FC Luzern wollte Melanie Müller unbedingt

Die 22-jährige Melanie Müller verstärkt seit dieser Saison das NLA-Team des FC Luzern. Die Aargauerin könnte in der Nationalmannschaft bald eine bedeutendere Rolle spielen.

René Barmettler
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Absolvierte bisher 191 Spielminuten mit der Schweizer A-Nationalmannschaft: die 22-jährige Melanie Müller aus Aarburg. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 22. November 2018))

Absolvierte bisher 191 Spielminuten mit der Schweizer A-Nationalmannschaft: die 22-jährige Melanie Müller aus Aarburg. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 22. November 2018))

«Ich war neu im Frauenfussball und habe deshalb in der hiesigen Meisterschaft niemand gekannt», erinnert sich Glenn Meier, der Trainer der FC-Luzern-Frauen. Letzte Saison übernahm der ehemalige Trainer des FC Eschenbach die Frauenequipe. Und als er das erste Mal gegen die Berner Young Boys antrat, fiel ihm sofort eine Spielerin auf. «Ich fragte mich: ‹Wer ist das?› Als ich sie spielen sah, ging mein Herz auf. Die wollte ich unbedingt in meinem Team haben.»

Der Wunsch ging diesen Sommer in Erfüllung. Melanie Müller war auch beim Ex-Klub FC Zürich und FC Basel im Gespräch. «Bei den Young Boys kam ich nicht weiter. Glenn hat mich überzeugt, und es war ein richtiger Entscheid, hierher zu wechseln. Ich denke, er kann aus mir das Maximum herausholen.» Meier schwärmt von den Fähigkeiten der Aarburgerin aus dem Bezirk Zofingen. «Sie ist technisch sehr versiert, nahe am Männerlevel. Ausserdem ist sie eine seltene Linksfussspielerin, die auf jeder Position eingesetzt werden kann.»

Ein Rätsel stellt sich für den 31-Jährigen. «Weshalb spielt sie noch nicht regelmässig für die A-Nationalmannschaft?» Seit Ende Mai 2016 ist Müller Bestandteil der A-Nationalauswahl. Sechs Einsätze, davon fünfmal eingewechselt: Mit insgesamt 191 Spielminuten kam sie bisher noch auf keinen grünen Zweig. Das lag auch daran, dass der kürzlich nach Deutschland gewechselte Coach Martina Voss-Tecklenburg fast immer auf dieselben Spielerinnen setzte. Womöglich könnte sich das nun unter Nachfolger Nils Nielsen ändern.

Im mentalen Bereich gibt es noch viel zu tun

Einen gewichtigen Grund gibt es dennoch, weshalb die Offensivspielerin den Durchbruch noch nicht geschafft hat. Der FCL-­Coach glaubt mehr an ihre Fähigkeiten als die Spielerin selbst. «Sie muss mental noch stärker werden.» So einfach ist das nicht, wie Melanie Müller bestätigt: «Mir ist bewusst, dass mein fehlendes Selbstvertrauen mir im Weg steht. Ich bin nie zufrieden mit mir. Ein wenig eigensinniger spielen könnte mir nicht schaden.» Abschauen kann sie das von Cristiano Ronaldo, ihrem fussballerischen Vorbild. Ihn hat sie in seiner Zeit bei Real Madrid zwei Mal live im Bernabéu spielen gesehen. In der laufenden Saison spielt der Portugiese mit Juventus Turin in der Champions League.

International Luft schnuppern konnte die Aargauerin auch schon mit dem FC Zürich. Bevor sie mit 16 dahin wechselte, lief sie für den FC Aarau auf. Begonnen mit Fussball hatte sie beim FC Aarburg. Liebe auf den ersten Blick war dies jedoch nicht. In einem lebhaften Quartier mit vielen fussballspie­lenden Kids aufgewachsen, tritt sie mit sechs Jahren dem Klub bei. Als einziges Mädchen im Team hatte sie einen schweren Stand, die Buben wollten sie nicht akzeptieren. Erst im zweiten Anlauf mit zehn Jahren klappte es, «weil ich einige Spieler von der Schulklasse her kannte». Seither ist sie nicht zu stoppen. Praktisch keinen Tag ohne Fussball: Das ist ihr Leben. Sie schaffte es in die Aargauer Auswahl. Allerdings verzichtete Melanie Müller, ins Ausbildungszentrum einzutreten. «Ich war noch nicht bereit dazu.» Trotzdem schaffte sie es mit 15 Jahren ins U16-Nationalteam. Vor drei Jahren schloss sie das Sport-KV ab. Vorbei ist nun auch der Pendelstress. Melanie Müller hat in Emmenbrücke eine Stelle gefunden und wohnt nun auch dort. «Seither kann ich nach der Arbeit kurz nach Hause, um mich hinzulegen.» Viel von der Umgebung hat sie noch nicht gesehen, «aber die Stadt Luzern gefällt mir schon sehr gut».

Mit dem FC Luzern in die Champions League

Gut läuft es ihr auch mit dem FC Luzern. Nach einem harzigen Saisonstart kämpft der FCL mit Lugano um Platz zwei. Luzern besiegte letzte Woche die Tessiner auswärts mit 2:0. Melanie Müller erzielte in der 91. Minute das 2:0, ihren insgesamt dritten Treffer in der laufenden Meisterschaft. «Wir wollen in die Champions League», sagt sie nach dem Donnerstagmorgen-Training. «In Lugano hat alles gestimmt. Falls wir nun in allen Matches eine solche Konstanz zeigen, haben alle Mühe gegen uns. Auch der FC Zürich», gibt sie sich kampfbetont. Leader und Meister Zürich ist der nächste Gegner im Leichtathletik-Stadion. Ein Sieg gegen ihren Ex-Klub wäre ein weiterer Coup. Und mit ihrer Kampfansage hat Melanie Müller angedeutet, dass sie sich und ihrem Team das zutraut. Womöglich ein Fortschritt in mentaler Hinsicht?

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