FC Basel
Der emotionale Turnaround: Der FCB dreht das Spiel und findet zum Siegen zurück

Bei der Premiere von Patrick Rahmen als Trainer des FC Basel gelingt der erste Sieg seit einem Monat. Der FCB gewinnt mit 4:3, nachdem er früh mit 0:1 hinten lag.

Céline Feller
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Jubel bei Patrick Rahmen und Assistent Ognjen Zaric (rechts) über das späte Tor von Arthur Cabral, das gedrehte Spiel und den Sieg.

Jubel bei Patrick Rahmen und Assistent Ognjen Zaric (rechts) über das späte Tor von Arthur Cabral, das gedrehte Spiel und den Sieg.

Bild: Fresh

Am Ende brechen alle Dämme. Die Ersatzspieler rennen von der Tribüne aufs Feld, springen auf Torschütze Arthur Cabral. Auch das Trainerteam gehört zur Traube, die sich an der Eckfahne bildet. Es wird gefeiert. Gemeinsam. Nach 93 Minuten Gefühls-Achterbahn gelingt dem FC Basel das erlösende 4:3 gegen Luzern. Es ist der erste Sieg seit fast genau einem Monat. Der erst zweite in den vergangenen elf Partien. Vor allem aber ist es ein Vollerfolg bei der Premiere von Patrick Rahmen an der Seitenlinie.

Am vergangenen Dienstag war er nach der Entlassung Ciriaco Sforzas mit der Aufgabe betreut worden, den Verein in den verbleibenden neun Partien wieder auf Kurs zu bringen. An all zu vielen Schrauben wolle er nicht drehen, sagte er am Tag vor dem Spiel. Eine Stunde vor Spiel wird aber erstmals klar, wie Rahmen der Erfolg zurück bringen möchte: erst einmal mit Routine.

Routine statt Rookies

Denn viel mehr Erfahrung könnte Rahmen nicht in seine erste Aufstellung (Altersdurchschnitt 28) berufen. Bezeichnend dafür, dass er auf Fabian Frei in der Innenverteidigung setzt, obschon mit Jasper van der Werff und Goncalo Cardoso zwei junge Akteure für diese Position zur Verfügung stünden. «Die erfahrenen Spieler sind wichtig, um einen Turnaround schaffen zu können», erklärte Rahmen nach seinem Debüt als FCB-Coach.

Aber es sind an diesem Abend gegen Luzern auch noch ganz viele andere Unterschiede, die dem FCB zu einem kleinen Befreiungsschlag helfen. Benennen mag Rahmen sie kaum, er habe beim Aufwärmen ein paar Sachen angepasst. Der Umgang mit dem Team, ja. Aber da sei ohnehin jeder Trainer eigen. Augenfällig ist aber mit Sicherheit die Ruhe des 52-Jährigen.

Wiedergefundenes Feuer und Freude

Im Vergleich zu seinem Vorgänger ist er an der Linie kaum zu hören, lässt seine Spieler auf dem Platz selber Entscheidungen treffen. Und was passiert, wenn man das tut, ist berauschend. Die ersten zehn Minuten ausgenommen. Die braucht das Team, um warm zu laufen. Der Start ist ein Totalausfall, einer, in dem der FCB ein sehr frühes Tor kassiert. Danach aber findet er eine Antwort. Eine, die von Spielwitz und -freude, von Kreativität, Geradlinigkeit, Lust und Wille geprägt ist.

Wie zwischen Minute 10 und 45 hat man den FC Basel in dieser Saison noch nie spielen sehen. Er dominiert, zaubert direkte Spielzüge auf den Platz, angeführt von einem Arthur Cabral, an dem das wiederentdeckte Feuer am deutlichsten zu erkennen ist.

Innerhalb von acht Minuten verwandelt der FCB ein 0:1 in ein 3:1. Das erste Tor geht aus einem langen Ball in der Spielauslösung von Frei hervor. Das zweite ist die Vollendung eines wunderschönen Spielzuges durch Edon Zhegrova. Das dritte erzielt ebenfalls Letzterer, nachdem er mit Tempo nach vorne stürmt, den Doppelpass mit Cabral sucht und trifft. Eine imposante Antwort der Basler.

Noch ist nicht alles gut

Dass die Luzerner Defensive, die schwächste der Liga, es ihnen einfach macht, hilft. Aber der FCB agiert in diesen Minuten so erdrückend, dass er eigentlich noch mehr Tore erzielen und die Entscheidung erzwingen müsste.Doch es kommt anders. Nach der Pause hält Heinz Lindner erst einen Elfmeter, um dann nach einem Missverständnis doch das zweite Gegentor zu kassieren. Und weil der FCB Luzern in der Folge aufkommen lässt, fällt folgerichtig auch noch der Ausgleich.

Zwar kehrte unter Rahmen die Spielfreude zurück, die defensiven Mängel konnte er aber noch nicht beheben. Dafür waren drei Trainings zu wenig. Dass am Ende noch das 4:3 für den FCB fällt, passt aber zu einem Team, das wieder Spass hat und Spass macht.

«Wir sind bis am Ende zusammengeblieben, das war ein grosser Unterschied», sagt ein glücklicher Rahmen nach dem Spiel. Und man ist versucht zu sagen, dass ein solches Spiel vor dem Trainerwechsel wohl verloren gegangen wäre. So aber hat der Trainerwechsel also für den FCB den erhofften Effekt. Er bringt Punkte und positive Emotionen zurück.

Am Montag trifft sich der Verwaltungsrat erneut

Emotional könnte es auch am Montag wieder werden. Denn wie Karli Odermatt der «Sonntagszeitung» erzählt hat, findet dann eine weitere Sitzung des Verwaltungsrates zum Thema Machtkampf statt. Eine, in der David Degen offen legen müsse, wo sein Geld her komme und wer ihn unterstütze. «Es wird sich vieles entscheiden», sagt Odermatt. Es könnte der Durchbruch im Machtstreit sein.

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