Gastkommentar

Der dritte Frühling des Herrn Doktor Hüppi beim FC St. Gallen

Der Schlendrian ist sein Feind: St.-Gallen-Präsident Matthias Hüppi, hier im Bild mit Trainer Peter Zeidler.

Der Schlendrian ist sein Feind: St.-Gallen-Präsident Matthias Hüppi, hier im Bild mit Trainer Peter Zeidler.

Beim Schweizer Fernsehen war Matthias Hüppi der Mentor von Steffi Buchli. Dass er nun mit dem FC St. Gallen Erfolge feiert, überrascht sie kaum.

Da steht er, blickt auf den Rasen, wo «seine» Spieler sich in den Armen liegen, und strahlt. Ich freue mich unglaublich über den Erfolg des FC St.Gallen – ich freue mich für meinen ehemaligen Arbeitskollegen. Matthias Hüppi hat einmal mehr den Beweis geliefert, dass Konsequenz im Handeln, Chuzpe und Fleiss sich auszahlen. Als ich 2003 meinen Stage bei SRF startete, war Matthias längst eine Institution. Kein Blender, kein Plauderi, kein Showman – viel eher eine Respektsperson.

Ich war die Wilde. Als junges Reporter-Rehlein hüpfte ich fortan über die Sportplätze dieses Landes – mit meiner angeborenen Leichtigkeit, die rückblickend oft in einer gewissen Nonchalance gipfelte. Er war der väterliche Doyen und beobachtete. Er urteilte nie. Er beobachtete mit Distanz und dachte sich seine Sache.

Der Schlendrian ist sein Feind

Als ich bei SRF-Sport meine Moderationsausbildung startete, war es an mir, mir einen Mentor auszuwählen. Ich wählte Matthias. Weil ich wusste, dass er mich fordern wird, mit seiner Seriosität und mit seiner Gewissenhaftigkeit. Die anstehende Feedback-Stunde mit ihm spornte mich an, nicht nur durchschnittlich zu sein, sondern richtig gut. Die grössten Gefahren des Alltags, Mittelmass, Faulheit und «Laissez-faire» waren und sind ihm zuwider. Der Schlendrian sein Feind.

Manch einer, der aus der Distanz zuschaut, würde Matthias als «Streber» oder «Egoisten» beschreiben. Ein krasses Missverständnis! Klar. Lautes Geschwätz im Newsroom zur Unzeit oder Flüchtigkeitsfehler von uns jungen Journalisten haben ihn rasend gemacht. Ja, er war bisweilen ein ungemütlicher Arbeitskollege oder Mitarbeiter, weil er aufstand und sagte, wenn ihm etwas nicht passte. Ich habe in meinem Geschäftsleben bis dato keine andere Person getroffen, die Leidenschaft, Zielstrebigkeit und Fleiss so geschickt und «leistungsfördernd» kombiniert.

All diese erfolgversprechenden Zutaten sind heute meiner Meinung nach Teil des FCSG-Geheimrezepts. Matthias arbeitet nicht beim FC St.Gallen, er geht einer Bestimmung nach. Er stellt sich selber als Präsident nicht in den Vordergrund (dies ist erwähnens- und lobenswert, weil er in diesem Thema als ehemaliger TV-Moderator eine denkbar schlechte Prädisposition hätte haben können). Der Hüppi atmet grün-weiss und erlebt in der Ostschweiz seinen dritten Frühling. Achtung: Das würde ich mich nie zu sagen wagen, das mit dem dritten Frühling. Das hat er selber mir neulich in einer Whats­app-Nachricht geschrieben.

Ein glatter Kerl mit viel Humor

Wir sehen uns in unseren neuen Jobs selten und schreiben einander deshalb ab und an. In diesem Chat zeigt sich eine bis jetzt an dieser Stelle noch nicht erwähnte Eigenschaft von Matthias Hüppi, die meine Charakterisierung unbedingt komplettieren sollte: Er ist ein glatter Kerl mit viel Humor. Ich nenne ihn Herr Doktor, er mich Signora Puggeli. Weitere Details erspare ich euch.

Nur noch so viel: Sollte der FCSt.Gallen je Meister werden in der Ära Hüppi, «dänn hebed oi fescht», ihr St.Galler!

Und wenn ihr Glück habt, wird er im Morgengrauen im Stile eines MC Reime zum Besten geben. Aber nur, um am nächsten Tag gewissenhaft und fit wie ein Turnschuh die Planung der neuen Saison anzugehen. Wenn Matthias Hüppi aufhört, besser werden zu wollen, hat er aufgehört, gut zu sein.

Rock on, Herr Doktor, ich drücke dir die Daumen!

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