Der 43-Jährige gegen den 42-Jährigen –die Playoffs im American Football laden zum Duell der alten Herren

In den NFL-Playoffs kommt es zum Vergleich zwischen den Quarterbacks Tom Brady (Tampa Bay) und Drew Brees (New Orleans).

Nicola Berger
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Führte die Tampa Bay Buccaneers gleich in seinem ersten Jahr als Quarterback und trotz fast schon "biblischem" Alter als Sportler in die Playoffs: Tom Brady, 43.

Führte die Tampa Bay Buccaneers gleich in seinem ersten Jahr als Quarterback und trotz fast schon "biblischem" Alter als Sportler in die Playoffs: Tom Brady, 43.

Julio Cortez / AP

Es war bei einem Universitätsspiel zwischen Purdue und Michigan. Damals, vor 22 Jahren, sind sich Drew Brees und Tom Brady erstmals gegenübergestanden. Die Partie war qualitativ so liederlich, dass Brees’ Purdue-­Coach Joe Tiller sagte, er werde sich beim Baseball-­Team einen Schläger ausleihen und seinen Spielern «mal kräftig zwischen die Augen hauen».

1999 sprach wenig dafür, dass aus Brees und Brady dereinst die erfolgreichsten Quarterbacks der NFL-Geschichte werden würden. Sie haben mehr Yards geworfen als alle anderen Granden in der Historie: Dan Marino, Joe Montana, Peyton Manning. Brady ist 43, Brees 42. Beide gehören seit zwei Jahrzehnten zum Inventar der Milliardenmaschinerie NFL. Das ist irrwitzig – zumal in einer Liga, in der eine durchschnittliche Karriere 3,3 Jahre dauert und in der die Gesundheitsrisiken so enorm sind, dass etliche Spieler schwere Hirnschäden davon­tragen.

Aber Brady und Brees sind noch immer da, bei den Tampa Bay Buccaneers und den New Orleans Saints; in der Nacht auf Montag (0.40 Uhr MEZ) duellieren sich die beiden ältesten Profis der NFL in der zweiten Playoffrunde. Brady tweetete unter der Woche in einem raren Anflug von Selbstironie, dass man die Partie eigentlich auf dem «History Channel» übertragen müsste. Es stimmt, in gewisser Weise sind sie beide Spieler von vorgestern. Brees bewies das 2020 eindrücklich, als ihm zu den Black-Lives-Matter-Protesten zunächst kein anderer Kommentar einfiel, als dass er «niemals akzeptieren wird, dass jemand die amerikanische Flagge nicht respektiert».

Auf dem Feld aber agieren Brees und Brady weiterhin zeitgemäss. Sie führten ihre Teams souverän in die Playoffs. Beide gelten als Titelkandidaten. Bei Brady wirkt es so, als habe ihn der Transfer von New England zu Tampa Bay vom Sommer noch einmal beflügelt. Er widersetzt sich dem Alterungsprozess weiterhin standhaft. Zu seinen Geheimnissen gehört eine ebenso rigide wie eigenwillige Diät – unter anderem isst er keine Erdbeeren, schwört dafür aber auf Avocadoglacé. Brees derweil schöpft Kraft aus seinem zügellosen Ehrgeiz – und auch aus den zahllosen Playoff-Enttäuschungen der vergangenen Dekade. Sein erster und einziger Superbowl-Triumph liegt zwölf Jahre zurück, während Brady dasselbe sechs Mal gelang.

Wird Favorit New Orleans vom Karma gestoppt?

Am Sonntag sind die Saints favorisiert, wobei das mit Vorsicht zu geniessen ist. Tampa bietet sich die Chance, in drei Wochen den Superbowl im eigenen Stadion zu bestreiten. Und die Saints versagten in den Playoffs zuletzt beständig. Immer wieder haderten sie mit Schiedsrichterentscheiden. Es gibt die Theorie, dass die Erfolglosigkeit womöglich einen sehr simplen Grund hat: Karma.

Gewann seinen einzigen Super Bowl vor zwölf Jahren: Drew Brees –schlägt jetzt noch einmal seine grosse Stunde bevor er zurückttritt?

Gewann seinen einzigen Super Bowl vor zwölf Jahren: Drew Brees –schlägt jetzt noch einmal seine grosse Stunde bevor er zurückttritt?

Butch Dill / AP

Die Saints waren zwischen 2009 und 2012 für einen der grössten Skandale der NFL-Geschichte verantwortlich: «Bountygate». Die Akteure der Saints wurden mit einem Bonussystem dafür belohnt, wenn sie Gegenspieler so verletzten, dass diese die Partie nicht beenden konnten. Die widerwärtige Praxis flog auf, es hagelte Bussen und Sperren. Der Cheftrainer Sean Payton etwa musste 2012 für ein ganzes Jahr aussetzen, ehe die Saints ihn wieder mit offenen Armen aufnahmen.

Seither hat New Orleans die zweite Playoff-Runde nie mehr überstanden. Für Brees dürfte das Duell mit Brady die letzte Chance sein, daran etwas zu ändern, es heisst, er werde nach dieser Saison wohl zurücktreten.

Unabhängig davon, ob er mit einem Titel in den Sonnenuntergang reiten kann: Ein Platz in der Hall of Fame ist ihm sicher. 22 Jahre, nachdem ihm am College Prügel mit dem Baseballschläger drohten, ist das nicht die schlechteste Aussicht.

NFL Playoffs

Noch drei Siege bis zum Titel

Es bleiben drei Wochen und zwei Spieltage bis zum 55. Superbowl vom 7. Februar in Tampa (Florida). Der grosse Favorit bleiben die Kansas City Chiefs, der Vorjahressieger mit dem überragenden Quarterback Patrick Mahomes. Doch das Feld ist weit offen, auch die Green Bay Packers mit dem erstarkten Routinier Aaron Rodgers haben intakte Titelchancen. Die spannendste Partie der Runde kündigt sich in Buffalo an: Die Bills feierten gerade ihren ersten Playoff-Sieg seit 25 Jahren, der Quarterback Josh Allen brilliert regelmässig und hat eine ganze Region in Euphorie versetzt. Doch Baltimore mit dem polyvalenten Lamar Jackson ist ein kniffliger Gegner – auch den Ravens wird der Titel zugetraut.