Jahresrückblick
Das Sportjahr 2017 in Zitaten – von Tränen, Liebe und Arschlöchern

Wer kann das Sportjahr besser zusammenfassen als die Sportlerinnen und Sportler selber? Der etwas andere Jahresrückblick.

Dean Fuss, Silvan Hartmann, Martin Probst und Etienne Wuillemin
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Roger Federer gewinnt den Final in Indian Wells gegen seinen Landsmann Stan Wawrinka – und zeigt seine Freude.

Roger Federer gewinnt den Final in Indian Wells gegen seinen Landsmann Stan Wawrinka – und zeigt seine Freude.

Keystone
Woche 1: «Ich könnte nicht glücklicher sein.» Tennis-Maestro Roger Federer nach halbjähriger Verletzungspause bei seinem Comeback am Hopman Cup, wo er zusammen mit Belinda Bencic erst im Halbfinal ausgeschieden war.
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Woche 2: «Ich freue mich, den Berglern gezeigt zu haben, dass Zürich existiert.» Völlig überraschend gewinnt Niels Hintermann die Super-Kombi am Lauberhorn. Sein erster Karriere-Sieg ist gleichzeitig der erste Weltcup- Sieg eines Zürchers seit fast 30 Jahren.
Woche 3: «Geld war für mich nie ein Anreiz.» Der ehemalige Nati-Fussballer Tranquillo Barnetta kehrt in der Winterpause in die Schweiz zurück – von Philadelphia zum FC St. Gallen.
Woche 4: «Wir feiern wie Rockstars, das kann ich versprechen.» Nach dem guten Comeback kommt es für Roger Federer noch besser: Der Maestro gewinnt in Melbourne das Australian Open. Im Final besiegt der Baselbieter den Spanier Rafael Nadal in fünf Sätzen.
Woche 5: «Das Mikrofon des Co-Kommentators werde ich nach St. Moritz nie mehr berühren.» Matthias Hüppi und Bernhard Russi, das Ski- Kommentatoren-Duo von SRF, geben bekannt, dass sie nach der WM zu Hause keine Skirennen mehr kommentieren werden.
Woche 6: «Sie wird wohl – so ging es jedenfalls mir – überhaupt keine Lust haben, mit Journalisten zu reden.» Der ehemalige Stürmer der Schweizer Fussball- Nationalmannschaft, Alex Frei, kann mit Lara Gut mitfühlen, die sich zum Auftakt der Heim-WM das Kreuzband gerissen hat. Frei hatte sich 2008 bei der Heim-EM im ersten Gruppenspiel – ebenfalls als Hoffnungsträger – schwer am Knie verletzt.
Woche 7: «Entweder es kommt gut, oder ich lande halt wieder im Netz.» Ski-Ass Beat Feuz erklärt nach seinem Weltmeistertitel in der Abfahrt, weshalb er eine direktere Linie fuhr als seine Konkurrenten.
Woche 8: «Niemand kann die Geschichte löschen, die du geschrieben hast.» José Mourinho, Trainer von Manchester United, hat Hochachtung vor der Leistung seines soeben entlassenen Berufskollegen Claudio Ranieri. Dieser hatte mit Leicester im Vorjahr sensationell den Meistertitel geholt.
Woche 9: «Es war auch für mich erstaunlich, dass ich nochmals einen Schritt rückwärts machte.» Skispringer Simon Ammann hat trotz enttäuschender WM noch nicht genug vom Profi-Sport und hängt ein weiteres Jahr an.
Woche 10: «Stellt Hebammen ein, die Menschen werden ganz viel Liebe machen.» Barcelona-Verteidiger Gerard Piqué, nachdem sein Team gegen Paris Saint-Germain 6:1 gewonnen und damit das 0:4 aus dem Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals wettgemacht hatte.
Woche 11: «Wir verzichten auf Polemik und Provokationen.» Nati-Trainer Vladimir Petkovic macht sich Gedanken weit über die Welt des Fussballs hinaus.
Woche 12: «Er lacht, er ist ein Arschloch, aber er ist in Ordnung.» Stan Wawrinka unterliegt im Final von Indian Wells seinem Landsmann Roger Federer – und beweist, dass er seinen Humor trotzdem nicht verloren hat.
Woche 13: «Wir als Klub spielen gar nicht bei der Weltmeisterschaft mit.» Da hat einer Aufklärungsarbeit zu leisten: Nelson Rodriguez, Manager des MLS-Klubs Chicago Fire, muss bei der Vorstellung des neuen Superstars Bastian Schweinsteiger auch die eine oder andere skurrile Frage beantworten. So fragt einer der anwesenden Journalisten, ob man mit Schweinsteiger nun den WM-Titel anpeile.
Woche 14: «Verdammte Mafia!» Ein Zuschauer in der Winterthurer Schützenwiese lässt sich nach der 1:3-Niederlage des Heimteams im Cup-Viertelfinal gegen den FC Basel mit diesen Worten zitieren. Grund dafür: Der grosse Favorit kommt lange einfach nicht zu Toren – bis er einen umstrittenen Penalty zugesprochen erhält. Danach ist der Sieg nur noch Formsache.
Woche 15: «Ich finde es schade, aber ich kann den Entscheid der neuen Führung nachvollziehen.» FCB-Trainer Urs Fischer erklärt seine Gefühlslage, nachdem die eben erst neu gewählte Führung um Burgener, Frei und Streller verkündet hat, dass sein Vertrag im Sommer nicht verlängert wird.
Woche 16: «Es war eine meiner besseren Saisons.» Center Martin Plüss bleibt nach dem Gewinn des Meistertitels seines SC Bern bescheiden. Und das, obwohl er über die ganze Saison der zweitbeste Schweizer Skorer seines Teams war. Einen neuen Vertrag erhält er in Bern trotzdem nicht, später gibt er seinen Rücktritt.
Woche 17: «Acht Titel in Folge reichen! Aber nicht nur YB muss so denken, sondern alle Super-League-Klubs. Dann gibt es vielleicht wieder einmal eine überaus spannende Saison.» YB-Topskorer Guillaume Hoarau findet klare Worte, nachdem sich der FC Basel bereits einen Monat vor dem Saisonende die Meisterschaft gesichert hat. Für die Basler war es der achte Titel in Serie.
Woche 18: «Wir wollen nicht eine Niederlage verhindern. Wir wollen gewinnen.» Nationaltrainer Patrick Fischer gibt zum Start der Eishockey-WM den Weg vor. In der Folge wird die Schweiz in der Gruppe B hinter Kanada aber vor Tschechien und Finnland Zweite – und scheidet dann doch im Viertelfinal gegen Schweden (1:3) aus.
Woche 19: «Ich hätte verbluten können.» Eishockey-Nati-Stürmer Thomas Rüfenacht zur Schlittschuh-Attacke eines Gegners während der WM-Gruppenpartie gegen Slowenien.
Woche 20: «Der Start ins Jahr war magisch. Aber ich muss mir eingestehen, dass die richtige Planung der Schlüssel zu meiner Langlebigkeit sein wird.» Der Tennis-Maestro Roger Federer erklärt seinen Verzicht auf die Sandsaison inklusive der French Open, des Grand-Slam-Turniers in Roland Garros.
Woche 21: «Wir werden doch nicht damit beginnen, Niederlagen zu feiern.» Sion-Präsident Christian Constantin versteht, dass der Teambus der Walliser bei der Rückkehr nach der erstmaligen Finalniederlage im Cup (0:3 gegen Basel) von niemandem empfangen wurde.
Woche 22: «Liebe Fans, vermehrt euch und bringt eure Kinder ins Stadion, dann sind wir auch in 20 Jahren noch Meister.» Der abtretende FCB-Präsident Bernhard Heusler beweist in seiner Abschiedsrede im Stadion St. Jakob-Park Humor.
Woche 23: «Sie erwecken damit den Eindruck, zur FCA-Familie zu gehören, was in keiner Art und Weise der Fall ist.» Der FC Aarau will dem Frauenteam die Verwendung der Marke «FC Aarau» verbieten und erklärt die Gründe in einer Medienmitteilung.
Woche 24: «Rafael Nadal ist ein Ausserirdischer. Ich frage mich immer, wo er sein Raumschiff parkiert.» Ex-Tennis-Profi Gustavo Kuerten über den French-Open-Triumph des Spaniers gegen Stan Wawrinka.
Woche 25: «Ich habe zuerst meine Mutter umarmt, und sie fing an, zu weinen.» Gefühle ohne Ende: So erlebte Nico Hischier den Moment, als er als erster Schweizer als Nummer 1 beim NHL-Draft von New Jersey gezogen wurde.
Woche 26: «Ich werde ein neues Buch zu lesen anfangen. Das alte war sehr speziell geschrieben, unter der Gürtellinie, verstörend. Ich werde es wohl in den nächsten Abfalleimer werfen.» Nach seinem zweiten Rang im Prolog der Tour de France 2017 in Düsseldorf hatte der Schweizer Stefan Küng bereits klare Vorstellungen über den Verlauf seines Abends.
Woche 27: «Wenn man zwölf Meter in die Tiefe fällt, hat man relativ viel Zeit, sich alles zu merken.» Schwingerkönig Matthias Glarner auf die Frage, ob er sich an den Sturz von der Gondel erinnern kann.
Woche 28: «Trikot zu verkaufen, nur einmal getragen, leichte Gebrauchsspuren.» Geraint Thomas stürzt an der Tour de France schwer und muss nach nur einem Tag als Leader aufgeben.
Woche 29: «Das ist magisch. Ich habe immer daran geglaubt und immer davon geträumt.» Tennis-Maestro Roger Federer nach seinem achten Turniersieg in Wimbledon.
Woche 30: «Man muss manchmal ein Arschloch sein.» Formel-1-Pilot Max Verstappen reagiert auf Kritik an seinem Fahrstil.
Woche 31: «Ich habe Höhenangst.» Die Schweizer Stabhochspringerin Angelica Moser mit einem ungewöhnlichen Geständnis.
Woche 32: «Da hat mir der Glaube sehr geholfen.» Schwinger Armon Orlik über die Verarbeitung des Schocks, dass er ein paar Minuten gelähmt war.
Woche 33: «Auch wir Fussballer sind normale Menschen.» Nati-Verteidiger Fabian Schär auf die Frage, ob Spieler angesichts der horrenden Transfersummen nach dem 222-Millionen-Transfer Neymars von Barça zum PSG zur Ware werden.
Woche 34: «Wäre, wäre, Fahrradkette, so ungefähr – oder wie auch immer.» TV-Experte Lothar Matthäus haut zum Bundesliga-Saisonstart einen raus.
Woche 35: «Ich bin eine sanfte Seele. Ich bin nicht Wut, Feindseligkeit und Missgunst.» Tennisspielerin Maria Scharapowa nach ihrer Dopingsperre über ihr Image als gefühlskalte Person.
Woche 36: «Es ist leicht zu sagen: ‹Koller raus!› Aber es liegt nicht an ihm. Wir Spieler stehen auf dem Feld.» In Österreich ist der Schuldige für das Verpassen der Fussball-WM 2018 schnell gefunden: Trainer Marcel Koller. Doch Starspieler Marko Arnautovic stärkt dem Schweizer den Rücken.
Woche 37: «Ich bin unkompliziert, was Geld und Renommee betrifft. Aber ich bin anspruchsvoll, wenn es um Respekt und Kompetenzen geht.» Trainer Murat Yakin übernimmt die kriselnden Grasshoppers. Unter ihm geht es mit dem Zürcher Klub schnell bergauf.
Woche 38: «Das ist zwar nicht die feine Art eines Präsidenten, aber ich musste mich wehren. Ich schlug ihn und trat ihn in den Hintern. Es fühlte sich gut an.» Sion-Präsident Christian Constantin bereut die Attacke auf «Teleclub»-Experte Rolf Fringer auch mit einem Tag Abstand keine Sekunde.
Woche 39: «Die Ärzte haben gesagt, Bewegung ist sehr wichtig.» So erklärt Schalkes Max Kruse, weshalb er trotz gebrochenem Schlüsselbein in einer Berliner Diskothek gesichtet wurde.
Woche 40: «Ich lese immer nur darüber, wie viele Anrufe vertragslose Spieler erhalten. Ich hatte keinen einzigen.» Altstar Jaromir Jagr wartete lange vergeblich auf einen neuen Vertrag in der NHL – doch Anfang Oktober unterschrieb er bei den Calgary Flames.
Woche 41: «Wenn ich nicht darf, ist es halt, wie es ist. Deswegen habe ich keine schlaflosen Nächte.» Hatte er da bereits eine Vorahnung? NHL-Pionier Mark Streit steht zu Saisonbeginn noch bei den Montreal Canadiens unter Vertrag. Einige Tage später tritt er vom Profi-Sport zurück.
Woche 42: «Ohne Rücksicht auf Verluste bin ich quasi um mein Leben gefahren.» So erklärt die Solothurner Triathletin Daniela Ryf ihren dritten Sieg beim Ironman Hawaii.
Woche 43: «Ich höre nicht auf, weil ich genug habe. Sondern weil ich genug davon habe, jeden Morgen zu schauen, ob ein Training möglich ist.» Marco Chiudinelli erklärt seinen Rücktritt nach seiner letzten Profi-Partie – bei den Swiss Indoors.
Woche 44: «Ich wäre leicht verärgert, wenn ich in der Situation der Schweiz wäre.» Nordirlands Nati-Trainer Michael O’Neil hat vor dem Duell gegen die Schweiz in der WM-Barrage Mitleid mit dem Gegner.
Woche 45: «Manche sollten von den nordirischen Fans lernen. Sie stehen immer hinter ihrem Team.» Der Schweizer Nati-Trainer Vladimir Petkovic hat wenig Verständnis für die Publikumspfiffe gegen Haris Seferovic im WM-Barrage-Heimspiel.
Woche 46: «Es macht jetzt einfach keinen Sinn, weiterzuspielen. Frohe Weihnachten – bis nächstes Jahr!» Der Spanier Rafael Nadal gibt an den World Tour Finals nach der ersten Partie Forfait.
Woche 47: «Dieses langweilige Rennen hat gezeigt, dass sich etwas ändern muss.» Formel-1-Chef Chase Carey spricht nach dem letzten Rennen der Saison 2017 Klartext.
Woche 48: «Das ist Jammerzeugs. Das sind Ausreden.» Klotens neuer Trainer Kevin Schläpfer nimmt den Abgang von Dennis Hollenstein auf die neue Saison hin betont gelassen.
Woche 49: «Ich kenne zwar schwule Fussballer, würde ihre Namen aber niemals in der Öffentlichkeit nennen.» Der Schweizer Schiedsrichter Pascal Erlachner outet sich als Homosexueller.
Woche 50: «Dann können wir das Interview abbrechen. Ich will nur mit Personen sprechen, die ein kleines bisschen Fussballsachverstand haben.» Liverpool-Trainer Jürgen Klopp enerviert sich über einen Journalisten, der einen Penaltypfiff gegen sein Team für gerechtfertigt hält.
Woche 51: «Ich habe den roten Faden wiedergefunden.» Doppel-Doppel-Olmypiasieger Simon Ammann verpasst beim Weltcup-Heimspringen in Engelberg den angestrebten Top-10-Platz nur knapp – und ist nach Platz 11 entsprechend zufrieden mit seiner Leistung. Kommt er am Ende pünktlich auf Olympia 2018 doch noch in Fahrt?
Woche 52: «Das schönste Geschenk ist unbezahlbar.» Ski-Rennfahrer Beat Feuz gibt just an Weihnachten auf «Instagram» bekannt, dass er und seine Freundin Katrin Triendl im Sommer ihr erstes gemeinsames Kind erwarten.

Woche 1: «Ich könnte nicht glücklicher sein.» Tennis-Maestro Roger Federer nach halbjähriger Verletzungspause bei seinem Comeback am Hopman Cup, wo er zusammen mit Belinda Bencic erst im Halbfinal ausgeschieden war.

Tim Ireland

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