Eishockey

Das sind die wichtigsten fünf Fragen vor den Eishockey-Playoffs

Warum es zwischen Ambri und Lugano kein «Päckli» gibt und der SC Bern die Meisterträume begraben muss.

Fribourg und Lausanne liegen zwei Spiele vor Schluss sechs Punkte vor Lugano und Bern. Ist es nur noch ein Zweikampf zwischen den beiden?

Ja. Theoretisch gibt es die Varianten eines Scheiterns von Lausanne oder Fribourg. Aber den letzten Playoff-Platz machen Lugano und der SC Bern unter sich aus. Bei Punktgleichheit schafft es Lugano wegen der besseren Bilanz in den Direktbegegnungen. Lugano ist mit zwei Siegen nach 60 Minuten gegen die Lakers und Ambri zu 99 Prozent in den Playoffs. Ein guter Test für Lugano: Wer nicht gut genug ist, um das Schlusslicht und den Zweitletzten zu besiegen, hat die Playoffs nicht verdient. Getreu dem Spruch: Wer die Lakers nicht schlägt, ist die Playoffs nicht wert.

Kann der SCB im Falle einer Playoff-Qualifikation unter Hans Kossmann noch Meister werden – so wie die ZSC Lions 2019 unter Hans Kossmann und so wie der SCB 2016 unter Lars Leuenberger?

Nein. Theoretisch wäre es zwar möglich. Praktisch können wir einen weiteren SCB-Titel ausschliessen. Der SCB, Ausgabe Frühjahr 2020, hat viel weniger Talent und Tempo und ist viel weniger ausgeglichen besetzt als die ZSC Lions des Frühjahres 2019 und die meisterliche SCB-Ausgabe von 2016. Sollte der SCB mit diesen erfahrenen, aber langsamen Graubärten, deren Energietanks jetzt schon halbleer sind, die Meisterschaft gewinnen, dann ist es die grösste Sensation seit Einführung der Playoffs (1985/86).

Warum muss Lausanne nach dem guten Saisonstart überhaupt noch zittern?

Ville Peltonen ist Kari Jalonens Musterschüler und ehemaliger Assistent beim SC Bern. Er hat in Lausanne bei seiner ersten Stelle als Trainer einer Profimannschaft in der zweiten Saison das gleiche Problem, das seinem grossen Lehrmeister in Bern den Job gekostet hat: zu viel Schablonenhockey, zu viel System und Taktik, zu wenig Spielfreude und spielerische Freiheit. Lausanne müsste vom Talent und Tempo her in den Top 4 sein.

Coacht das zunächst belächelte Duo Dubé/Simpson Fribourg in die Playoffs?

Ja. Und was heisst eigentlich belächelt? Sehr schnell hat sich gezeigt, dass sich der Charmeur Christian Dubé und der Taktiker Sean Simpson als «Good Cop, Bad Cop» («Guter Bulle, böser Bulle») sehr gut ergänzen. Es ist nicht auszuschliessen, dass die beiden auch nächste Saison gemeinsam an der Bande stehen werden. Gottéron hatte unter dem gefeuerten Systemtrainer Mark French ein ähnliches Problem wie Bern und Lausanne: zu viel Taktik, zu wenig offensive Freiheiten und Spielfreude. Die Emotionen sind zurück und Gottéron ist in den Playoffs ein gefährlicher Aussenseiter.

Wenn Lugano aus dem letzten Spiel (ohne Zuschauer) gegen Ambri noch drei Punkte für die Playoffs braucht – machen dann die beiden Teams ein «Päckli»?

Nein. Solche Verschwörungstheorien sind zwar populär. Oft wird auch vermutet, ein bereits für die Playoffs qualifiziertes Team wolle nicht mehr gewinnen, um im Viertelfinal einen anderen Gegner zu bekommen. Das ist Unsinn. Nichts ist für die Vorbereitung auf die Playoffs besser für die mentale Verfassung als ein Sieg. Im ganz besonderen Fall von Lugano und Ambri kann jede Form von Geschenken ausgeschlossen werden. Zu gross ist die Rivalität. Und zu gross Ambris Motivation: Sollte Lugano die Playoffs nicht schaffen, hätte Ambri zudem in der anschliessenden Klassierungsrunde mit dem Tessiner Derby wohl noch einmal ein ausverkauftes Stadion.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1