EM-Qualifikation

Das Kosovo-Dilemma: Wie die Challandes-Equipe die Uefa in Bedrängnis führen könnte

Challandes hat mit Kosovo gute Chancen, um sich für die EM zu qualifizieren.

Challandes hat mit Kosovo gute Chancen, um sich für die EM zu qualifizieren.

Kosovo könnte sich dank zuletzt starken Leistungen zum ersten Mal in der Geschichte für eine EM qualifizieren. Die Aussichten für das Team von Bernard Challandes sind vielversprechend. Eine mögliche Teilnahme könnte allerdings auch zum grossen Problem für die UEFA werden. Unter anderem, weil sich Sport und Politik in die Quere kommen.

Der Neuenburger Bernard Challandes wurde 2009 mit dem FC Zürich Schweizer Meister. Danach führte er den Klub durch die bisher einzige Champions-League-Kampagne mit Gastspielen auf den grossen Bühnen von Madrid, Mailand und Marseille.

Das aufregendste Abenteuer durchlebt der 68-jährige Jungsenior aber erst jetzt – als Nationaltrainer des Kosovo. Aus einer notorischen Verlierertruppe hat er innert Jahresfrist eine Mannschaft geformt, die selbst Schwergewichten wie Tschechien und England den kalten Schauer des sportlichen Respekts über den Rücken jagt.

Legendäre PK: Bernard Challandes redet sich vor dem England-Spiel in Rage.

Und dank des Artenschutzes für kleinere Verbände besitzt der Kosovo hervorragende Perspektiven, im Sommer (an der Euro 2020) zum ersten Mal im Konzert der Grossen mitzuspielen – selbst wenn er in der «regulären» Ausscheidung noch abgefangen werden sollte.

Im Halbfinal der Nations League spielt die Challandes-Equipe im März gegen Mazedonien. Gewinnt sie, kann sie gegen Georgien oder Weissrussland die Euro-Qualifikation schaffen – ein realistisches Szenario. Spätestens dann würde Challandes in Pristina die Ehrenbürgerschaft und einen Vertrag auf Lebenszeit erhalten. Schon vor einigen Monaten hatten Fans ein Denkmal für den Schweizer gefordert.

Die Uefa aber hätte ein gravierendes Problem. Zwar heisst es immer wieder, dass Sport und Politik strikt zu trennen seien. Doch in der Realität kann davon keine Rede sein. Aufgrund von Konfliktsituationen verbietet der europäische Verband sechs Begegnungen: Spanien – Gibraltar, Armenien – Aserbaidschan, Kosovo – Bosnien-Herzegowina, Ukraine – Russland, Kosovo – Russland sowie Kosovo - Serbien. Und im Fall des Kosovo gehen die Sachzwänge noch weiter.

Denn die Euro 2020 findet erstmals in zwölf verschiedenen Ländern statt. Und weil vier davon (Spanien, Russland, Aserbaidschan, Rumänien) den Staat Kosovo nicht anerkennen, droht schon vor dem Kick-off das politische Penaltyschiessen.

Die Gruppenauslosung für die Euro 2020 geht am 30. November in Bukarest über die Bühne. Doch auszulosen gibt es diesmal nicht sonderlich viel. Die Veranstaltung ist viel mehr etwas für Diplomaten, Sonderbotschafter und Unterhändler. Im Vergleich dazu ist der Brexit eine Kindergartenübung – aber Bernard Challandes wesentlich erfolgreicher als Boris Johnson.

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