Bruno Gisler ist ein Dinosaurier des Schwingsports. Der Meister-Landwirt aus Rumisberg am Jura-Südhang trat seit 2001 (Nyon) an jedem Eidgenössischen an. Vollends glücklich geworden ist der 33-Jährige an der «Weltmeisterschaft der Schwinger» trotz zwei Kranzgewinnen aber noch nicht. «Ich habe am Eidgenössischen nie meine allerbeste Leistung abrufen können», sagt der Innerschweizer, der in der Ostschweiz aufgewachsen, vor elf Jahren im Kanton Bern sesshaft geworden und bei Wettkämpfen für die Nordwestschweizer am Start ist. Deshalb bejaht er die Frage, ob er denn mit dem Fest der Feste eine Rechnung offen habe.

Hof mit Kühen und Truthähnen

Sein dritter eidgenössischer Kranz beim letzten Fest 2013 in Burgdorf wurde Gisler wegen einer positiven Dopingprobe aberkannt. Er beteuerte stets seine Unschuld. Deshalb war diese Episode für ihn auch nie ein Grund aufzuhören. Ebenso wenig wie die Übernahme des elterlichen Hofs mit 25 Milchkühen und neuerdings 90 Truthähnen vor zweieinhalb Jahren.
Vorher arbeitete der knapp 100 Kilogramm schwere – oder aus Schwingersicht leichte – Gisler noch Teilzeit als Mechaniker.

Heute kümmert er sich mithilfe seiner Frau und seinem Vater voll und ganz um den eigenen Betrieb. Er würde mit nichts tauschen, selbst wenn er den Beruf als «150-Prozent-Job» bezeichnet, bei dem man sieben Tage in der Woche früh raus muss und spät ins Bett komme. Er geniesst es, sein eigener Chef zu sein. «Und der Umgang mit der Natur und den Tieren ist einzigartig. Man muss lernen, mit der Natur zu leben, denn man kann sie nicht beeinflussen.»

Bruno Gisler hat am Weissenstein schon zahlreiche Kränze gesammelt.

Bruno Gisler hat am Weissenstein schon zahlreiche Kränze gesammelt.

Die körperliche Arbeit ersetzt dem dreifachen Vater mindestens ein Krafttraining pro Woche. Trotzdem kommt er zusammen mit seinem persönlichen Trainer, dem ehemaligen Eidgenossen Andreas Lanz, auf fünf Trainingseinheiten pro Woche. In der letzten Phase vor Estavayer will Gisler aber bewusst reduzieren und auf körperlich allzu anstrengende Arbeiten verzichten. Denn die Verantwortung für den Hof ist auch am 113-fachen Kranzgewinner nicht spurlos vorbei gegangen. Gisler hat zuletzt an den Schwingfesten gespürt, dass ihm die absolute Spritzigkeit fehlte.

Die beste Leistung zeigen

Die Bestform hat er sich fürs Eidgenössische aufgespart. Vielleicht sind die umgekehrten Vorzeichen ja gar nicht so schlecht. 2013 gewann er als Gastschwinger sensationell das Innerschweizer Fest und reiste als Mitfavorit nach Burgdorf, heuer geht er ohne wesentlichen Festsieg nach Estavayer. Der letzte grosse Auftritt soll für ihn zu einem wahren Festmahl werden.

«Ich habe mir zwei Dinge vorgenommen: An den beiden Tagen die bestmögliche Leistung zu zeigen und den Auftritt an meinem wohl letzten Eidgenössischen mit Freude zu geniessen», sagt Gisler mit seiner charakteristischen stoischen Ruhe. Diesen Athleten haut definitiv nichts mehr vom Hocker. Dafür hat er in seiner Karriere schon zuviel erlebt.