Podestplatz
Das Bobmärchen der ehemaligen Beachvolleyballerin Melanie Hasler

Die Aargauerin Melanie Hasler fuhr in St. Moritz als erste Schweizerin seit fast sieben Jahren auf ein Weltcuppodest. Dabei war die 22-Jährige vor dreieinhalb Jahren noch im nationalen Nachwuchskader der Beachvolleyballerinnen.

Martin Probst
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Grosse Emotionen bei Melanie Hasler nach ihrem ersten Podetsplatz im Weltcup.

Grosse Emotionen bei Melanie Hasler nach ihrem ersten Podetsplatz im Weltcup.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Die eine kam zurück, die andere von ganz wo anders. Und am Sonntag standen sie gemeinsam im Zielraum der Natureisbahn in St. Moritz und weinten Tränen der Freude. Melanie Hasler, die ehemalige Beachvolleyballerin hatte soeben Fabienne Meyer, die ehemalige Bobfahrerin, abgelöst.

2014 stand Meyer als zuvor letzte Schweizerin auf einem Weltcuppodest. Beinahe sieben Jahre später wurde Hasler mit ihrer Anschieberin Irina Strebel Dritte.

Eine klassische Sportart für Quereinsteiger

Meyer trat 2014 nach den Olympischen Spielen in Sotschi zurück. Zu Beginn dieser Saison kehrte sie als Sportchefin in den Schweizerischen Verband Swiss Sliding zurück. Die Luzernerin teilt sich ihr Arbeitspensum mit dem ehemaligen Aargauer Bobfahrer Rico Peter, der als neuer Spartenchef Bob verpflichtet wurde.

Hasler hingegen, wie Peter aus dem Kanton Aargau, hatte noch vor kurzem keinen Bezug zum Bob. Bis Christoph Langen kam, der ehemalige deutsche Seriensieger im Bob. Als Nachwuchschef des Schweizer Verbands besucht er regelmässig Zusammenzüge anderer Sportarten, immer auf der Suche nach Talenten, die bereit wären in die klassische Quereinsteigersportart Bob zu wechseln.

Hasler war im Sommer 2017 als Beachvolleyballerin mit dem nationalen Nachwuchs­kader im Tessin, als plötzlich ihr Trainer zu ihr kam, da sei einer da, der wolle wissen, ob sie Bob fahren möchte. Die heute 22-Jährige glaubte erst an einen Witz, probierte es dann doch aus und blieb hängen.

Und nun, nur dreieinhalb Jahre später, in ihrer ersten Saison im Weltcup, fährt Hasler bereits auf das Podest. Sie sagt:

Ich kann das alles gar nicht richtig glauben, nie hätte ich einen solchen Erfolge jetzt schon erwartet.

In bisher sieben Weltcuprennen fuhr Hasler sechsmal in die Top 7. In der Gesamtwertung belegt sie damit aktuell den dritten Rang. «Das alles ist überwältigend», sagt sie.

Ein neuer Schlitten für 55000 Franken

Doch wie ist das möglich? Sie selbst hat darauf keine Antwort. «Vielleicht liegt es daran, dass ich keine Erwartungen hatte und wir einfach unser Ding machen wollten», sagt Hasler. Das mag stimmen. Allerdings hat sie auch viel investiert. 55000 Franken in einen neuen Schlitten zum Beispiel. Zudem lebt Hasler als Profi, kann sich also voll auf den Sport konzentrieren. «

Viel Vertrauen gibt mir, dass alle hinter mir stehen und mich auf meinem Weg unterstützen. Meine Teamkolleginnen, der Verband und meine Familie», sagt sie. Gerade Letztere helfen auch finanziell aus. Und wie geht es weiter? Ist sie nun auch an der WM in Altenberg Anfang Februar eine der Medaillenfavoritinnen? «Meine Ziele bleiben die gleichen. Ich will mich etablieren.» Wenn sie das weiterhin so gut tut, scheint vieles möglich.