Anfang Jahr zog er einen Schlussstrich, wenige Minuten vor einem Rennen. Nach 13 Jahren im Weltcup. Körperlich und mental ausgelaugt. Einfach so. Er packte seine Sachen, setzte sich ins Auto und fuhr heim, ins Oberengadin, nach Pontresina. Es war eine Erlösung. «Einfach nur geniessen», sagte er am Sonntag in die Kameras, als das Schweizer Fernsehen ihn kurz vor dem Start zum Engadin Skimarathon nach seinen Gefühlen befragte.

Lange war der 33-Jährige ein Vorbild für Dario Cologna. Er habe ihm aufgezeigt, was mit dem nötigen Biss auch in der Schweiz für Langläufer möglich sei, sagte der vierfache Olympia-Sieger kürzlich der «NZZ am Sonntag». Dabei gab es auch Stürme in ihrer Beziehung. Wie 2013, als Cologna im Sprint bei den Weltmeisterschaften mit Bruder Gianluca statt mit Perl an den Start ging. «Da habe ich gemerkt, dass Langlauf eben doch ein Einzelsport ist.»

Harte Trainings, lange Feiern

Das ist längst vergeben. Am Dienstag wandte sich Dario Cologna mit einer rührenden Botschaft an Perl. «Ich durfte einen grossen Teil deiner Karriere mit dir verbringen. Wie viele Male haben wir wohl das Zimmer zusammen geteilt? Was haben wir zusammen trainiert, gelacht und den einen oder anderen «Seich» gemacht? Wie viele Stunden haben wir uns im Intervall gequält oder auf dem Gletscher abgespult?», schreibt Cologna.

Mit Perl habe er am härtesten trainieren können, «und am Abend auch mal am längsten feiern. Wir haben auf und neben der Loipe Sachen erlebt, die uns ein Leben lang verbinden. Auch wenn es mal Meinungsverschiedenheiten gab, warst du mir über all den Jahren immer ein guter Teamkollege und Freund! Tuot il bun pel avegnir e grazia fich! Dario», schreibt Cologna, der im Sommer erstmals ohne Perl in eine Saisonvorbereitung startet. 

Grösster gemeinsamer Erfolg: 2010 gewannen Perl und Cologna mit der 4x10-Kilometer-Staffel in La Clusaz im Weltcup.

Grösster gemeinsamer Erfolg: 2010 gewannen Perl und Cologna mit der 4x10-Kilometer-Staffel in La Clusaz im Weltcup.

Perl galt einst als Hoffnungsträger im Schweizer Langlauf. 2004 gewann er an der Junioren-WM und 2007 an der U23-WM je eine Silbermedaille. Doch im Weltcup war er vom Pech verfolgt, fiel oft wegen Unfall oder Krankheit aus. So steht lediglich ein Weltcup-Sieg in seinem Palmarès, jener mit der Staffel 2010 in La Clusaz. Seit Januar tritt er nur noch an Volksläufen an und organisiert Trainingscamps für ambitionierte Hobbyläufer.

Dario Colognas Abschiedsworte an Curdin Perl