Triathlon

Daniela Ryf startet als Favoritin am Ironman Hawaii

Auf der Laufstrecke: Daniela Ryf rennt beim Ironman Hawaii 2014 die Palani Road hoch.

Auf der Laufstrecke: Daniela Ryf rennt beim Ironman Hawaii 2014 die Palani Road hoch.

Die Solothurner Triathletin Daniela Ryf startet am Ironman Hawaii als grosse Favoritin auf den Sieg. Ihre grandiose Saison lässt keine Zweifel zu: Daniela Ryf wird auf Hawaii um den Sieg mitstreiten - sie ist hungrig und fokussiert.

Die Antworten auf die Frage nach der Favoritin für den Ironman Hawaii von diesem Samstag (MEZ Start um 18.30 Uhr) unterscheiden sich kaum. Ungewöhnlich einig sind sich Fachleute, Proficoaches und Athleten: Der Weg zum Sieg führt über Daniela Ryf. Und die 28-Jährige aus Feldbrunnen-St. Niklaus sagt: «Ich will besser abschneiden als letztes Jahr.» Vor zwölf Monaten belegte sie bei ihrer Hawaii-Premiere Platz 2 – als Steigerung bleibt beim härtesten aller Triathlons folglich nur der Triumph.

Eine Saison als Champion

Gewinnen also will sie nun beim legendären und prestigeträchtigen Rennen über 3,8 km Schwimmen, 180 km Velo und 42,2 km Laufen. Und das sagt Ryf jedem, der sich bei ihr erkundigt. Dass sie das kann, ist offensichtlich. Ryf hat eine phänomenale Saison hinter sich. Seit ihrem zweiten Platz auf Big Island im vergangenen Jahr reihte sie Sieg an Sieg. Gewonnen hat sie grösstenteils auf höchster Ebene und mit Glanzzeiten.

Ironman-Europameisterin ist sie mit neuem Streckenrekord geworden, Welt- und Europameisterin über die 70.3-Distanz – über die halbe Ironman-Distanz also. Ihr Markenzeichen hinterliess sie ebenso am Ironman 70.3 Mallorca: mit dem hochüberlegenen Triumph und einer Streckenrekordzeit. Und so wie sich die Resultate anhören, so präsentiert sie sich auch: als Champion.

In kurzer Zeit zur Miss Ironman

«2015 ist eine grandiose Saison – so oder so», sagt Ryf. Dennoch, grundlegend unterscheidet sie sich von den Resultaten her zum identischen Zeitpunkt des Vorjahrs kaum. Schon damals reihte sie Sieg an Sieg. Und hinzu kam der Überraschungseffekt. Spontan riet ihr damals ihr australischer Trainer Brett Sutton Ende Juli am Tag vor dem Ironman Zurich zur Premiere über die 3,8 km Schwimmen, 180 km Velo und 42,2 km Laufen.

Ein richtungsweisender Versuch wurde es: Aus der einstigen Olympia-Triathletin (7. Rang in Peking 2008, 40. Rang in London 2012) und 70.3-Spezialistin ist die neue Miss Ironman geworden, schier auch auf Hawaii.

Bezogen auf den Triathlon aller Triathlons zeigen sich dennoch grosse Differenzen: In der Wahrnehmung von aussen, noch entscheidender aber in Ryfs Innensicht. «Letztes Jahr reiste ich unbeschwert hungrig an, jetzt hungrig und auf den Ausgang fokussiert», sagt sie.

Bei ihrer Premiere flog sie kurzfristig an und stellte sich erst im Rennen dem Mythos. Den Parcours beispielsweise rekognoszierte sie kaum. Das ist nun anders. Nachdem sie sich in Südkorea an die Hitze gewöhnt hatte, reiste sie frühzeitig auf die Vulkaninsel im Pazifik und setzte sich mit dem Wind, den hohen Temperaturen, der Luftfeuchtigkeit und den besonderen Knacknüssen der Strecke auseinander.

Auf den Spuren von Olympiasiegerin Nicola Spirig

Vor allem aber zeigt sie ein differenziertes Wahrnehmen ihrer eigenen Persönlichkeit. «Ich bin nun fokussiert, gedanklich auf vieles vorbereitet», sagt Ryf. Dieses Selbstverständnis hat sie über Wochen und Monate aufgebaut. Hat im Engadin, wo sie unter Suttons Aufsicht während der Sommermonate lebte, hart und effektiv trainiert. Ist einem sehr spontanen, auf sie abgestimmten Programm des Trainers gefolgt, wie es auch Olympiasiegerin Nicola Spirig, auf sich abgestimmt, getan hat und tut. Daniela Ryf denkt, dass sie dadurch nicht nur schnell schwimmen und besser als alle Konkurrentinnen Velo fahren kann, sondern «auch den Marathon durchbringt».

Letztes Jahr war dies der grosse Knackpunkt gewesen. Nach 25 starken Kilometern machte sie mit «dem Hammermann» Bekanntschaft. Und weil sie der Verpflegung in dieser Grenzphase zu wenig Beachtung schenkte, büsste sie ihre Spitzenposition ein und musste der Australierin Mirinda Carfrae den Sieg, den dritten in Serie, überlassen. «Ich war es damals, nach meinen ersten beiden Ironmen, nicht gewohnt, wirklich ans Limit zu gehen», sagt sie heute. Körperlich und mental bereit fühlt sie sich nun.

Die Triple Crown in Griffweite

Und weit weg von sich schiebt sie die Perspektive, die sich ihr auch noch bietet: Als Siegerin des 70.3-Rennens von Dubai im März und der 70.3-WM in Zell am See befindet sie sich quasi bereits auf der Zielgeraden für die sogenannte Triple Crown, die Sonderwertung dieser drei Rennen. Wer alle drei für sich entscheidet, wird mit einer Million Dollar geehrt. Im Vergleich: Der Hawaii-Sieg ist mit 120'000 Dollar dotiert.

Und sollte Daniela Ryf nach rund neun Wettkampfstunden die imaginäre Ziellinie auf dem Alii Drive wirklich als Erste erreichen, wäre sie die zweite Schweizerin, der dies gelingt. Natascha Badmann war dieser Triumph in den Jahren 1998, 2000, 2001, 2002, 2004 und 2005 insgesamt sechsmal geglückt.

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