Coronafolgen
Starker Rückgang bei den Teilnehmerzahlen: Gehen dem Schwingen die Schwinger aus?

Weder am Aargauer noch am Solothurner Kantonalschwingfest wurde die 100er-Marke geknackt. Vor Corona hatten viel mehr Schwinger Lust, an Festen teilzunehmen. Woran liegt das? Und muss man sich Sorgen machen?

Martin Probst
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Die Spitzenschwinger (hier Samuel Giger und Nick Alpiger) sind natürlich dabei – doch dahinter klafft eine Lücke

Die Spitzenschwinger (hier Samuel Giger und Nick Alpiger) sind natürlich dabei – doch dahinter klafft eine Lücke

Patrick Luethy

150 Schwinger nahmen 2019 am Aargauer Kantonalschwingfest in Zofingen teil. Gut zwei Jahre später waren es in Lenzburg vor etwas mehr als einer Woche noch 87. Das ist ein Einbruch von über 40 Prozent. Was ist passiert?

«Das ist schon extrem», sagt Matthäus Huber. Als Schwinger hat er selbst einst 103 Kränze ge­wonnen, heute ist er Funktionär im Aargauer Schwingerverband und Präsident des Schwingklubs Aarau. Huber sagt:

«Natürlich – es war das erste Fest nach einer sehr langen Pause. Aber ich hätte mir mehr Teil­nehmer gewünscht.»

Über 21 Monate lang fanden aufgrund von Corona keine Kranzfeste statt. «Möglich, dass sich nicht alle fit gehalten haben», sagt Huber. «Trotzdem müssen wir schauen, wie sich die Zahlen entwickeln werden.»

Matthäus Huber, Präsident Schwingklub Aarau.

Matthäus Huber, Präsident Schwingklub Aarau.

Nadja Rohner

Es fehlen Mittelschwinger, die erst einmal abwarteten

Auch Stefan Strebel hat den sehr deutlichen Rückgang bemerkt. Aber Sorgen macht sich der Technische Leiter des Eidge­nössischen Schwingerverbands keine. «Weil ich weiss, woran es liegt», sagt der Aargauer:

«Es fehlen viele Mittelschwinger. Die Spitze ist da, die Jungen auch.»

Die Besten, so Strebel, hätten sich fit gehalten. Die Jungen durften schon früher wieder trainieren. «Viele, die sich dazwischen befinden, warteten lieber ab, wann es losgehen würde.»

Stefan Strebel, Technischer Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbands.

Stefan Strebel, Technischer Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbands.

Marc Schumacher / freshfocus

Strebel ist sich sicher, dass diese, jetzt, wo sie sehen, dass es wieder Wettkämpfe gibt, die Lust wiederentdecken.

Nationale Highlights steigern die Attraktivität

Auch Matthäus Huber glaubt an diese Erklärung. «Und ich hoffe, dass sie zurückkommen. Aber trotzdem hat es mich enttäuscht, dass nicht mehr Schwinger sofort dabei sein wollten.»

Eine Woche später, am Solothurner am vergangenen Sonntag, waren es zwar 97 Teilnehmer. Aber verglichen mit 2019, als 120 kamen, ist es immer noch ein Rückgang von rund einem Viertel. Strebel sagt: «Ich denke, mit jedem Fest, das jetzt stattfinden kann, werden wieder mehr Schwinger animiert, zurückkehren.»

Rund vier Wochen Pause für Alpiger

Glück im Unglück für Nick Alpiger: Eine MRI-Unter­suchung am Montag hat die erhofften Entwarnung geliefert. Bei seinem Misstritt am Sonntag am Solothurner Kantonalschwingfest hat er sich «nur» eine Bandverletzung im linken Fuss zugezogen.

Die Ärzte raten, den Fuss nun vier Wochen zu schonen. Eine Operation ist nicht nötig, womit einer Rückkehr ins Sägemehl in dieser Saison nichts im Wege stehen sollte. Und bis zum Saisonhighlight bleibt Alpiger noch viel Zeit. Das Kilchberger findet erst Ende September statt. Für die Bergfeste Rigi (11. Juli), Weissenstein (17. Juli) und Brünig (25. Juli) dürfte es hingegen eher knapp werden. (mpr)

Als Schlüssel sieht Strebel die nationalen Highlights wie den Kilchberger Schwinget Ende September. «Spätestens dann wird überall über das Schwingen gesprochen.» Was automatisch zu einer Zunahme führe. «Diesen Effekt haben wir immer erlebt, wenn ein solches Fest von der halben Schweiz verfolgt wird», sagt er.