Conference League
Nervenkitzel bis zum Schluss: Der FCB rettet sich in die Gruppenphase der Conference League

Der FC Basel spielt nach einem turbulenten Spiel gegen Hammarby IF, in dem er zwischenzeitlich mit 0:3 hinten liegt, in dieser Saison weiterhin europäisch. Im Penaltyschiessen behält er den kühleren Kopf.

Céline Feller aus Stockholm
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Am Ende brechen beim FC Basel alle Dämme: Die Basler ziehen in die Gruppenphase der Conference League ein.

Am Ende brechen beim FC Basel alle Dämme: Die Basler ziehen in die Gruppenphase der Conference League ein.

Jonas Ekstromer / EPA

Plötzlich ist es still. Das Publikum, es schweigt. Das erste Mal. Erst als sich Arthur Cabral das Shirt vom Leib reisst und provokant vor ihnen feiert, sind wieder Pfiffe zu hören. Danach Applaus. Applaus für das Team von Hammarby, das sich einen harten Kampf geliefert hat mit dem FC Basel, diesen an den Rand des Ausscheidens brachte, ihn forderte wie in dieser Saison noch niemand.

Und am Ende dennoch nach Penaltyschiessen und einem Sieg von 6:5 jenes Team ist, welches nicht europäisch spielen wird. Das wird dafür der FC Basel. Er erreicht die Gruppenphase der Conference League. Aber es war ein harter Weg. Und wie.

Dass es nicht einfach werden würde, zeichnet sich schon vor dem Spiel ab. Noch bevor angepfiffen wird, ist das eigene Wort nicht mehr zu verstehen, so laut ist es. Zwar sind nur knapp 8000 Fans zugelassen, die machen aber Lärm, als wäre die Tele2 Arena bis auf den allerletzten ihrer 30000 Plätze gefüllt. Und als das Spiel dann läuft, sind die Pfiffe der Hammarby-Fans bei fast jedem FCB-Ballkontakt so grell, sie schmerzen fast schon im Ohr. Die Stimmung, sie ist beeindruckend.

Umso nachvollziehbarer ist, wie der FC Basel damit umgeht. Denn es sind wahrlich keine einfachen Bedingungen. Hinzu kommt der gewässerte Kunstrasen. Die Partie hat ein hohes Tempo, an das sich die Basler erst gewöhnen müssen. Dennoch schafft es Sebastiano Esposito schon in den ersten fünf Minuten, zwei Abschlüsse abzugeben.

Danach zeichnet sich schnell ab, was für eine Partie es werden wird: Eine, die über den Kampf geht. Keine Zentimeter schenken sich die beiden Teams, Grätschen-Liebhaber kommen sehr auf ihre Kosten. Es ist ein hitziges Spiel, geprägt von Leidenschaft. Es ist bis auf die Ränge zu spüren, um was es an diesem Abend geht: Um den Einzug in die Gruppenphase der Conference League.

FCB-Trainer Patrick Rahmen gestikuliert wild während der Partie. Er versucht, bei ohrenbetäubendem Lärm Einfluss von Aussen zu nehmen.

FCB-Trainer Patrick Rahmen gestikuliert wild während der Partie. Er versucht, bei ohrenbetäubendem Lärm Einfluss von Aussen zu nehmen.

Jonas Ekstromer / EPA

Der FCB, in einem 3-5-2 agierend, verteidigt solidarisch. Etwas, was gegen die schnellen und aufsässigen Schweden notwendig ist. Denn was passiert, wenn sie einmal entwischen, ist in der 25. Minute zu sehen: Astrit Selmani kommt alleine auf Heinz Lindner zu, aber der ihm nacheilende Eray Cömert kann den Hammarby-Stürmer so bedrängen, dass dieser den Schuss nur ans Aussennetz setzt. Danach steht der FCB enorm tief.

Der Doppelschlag kurz nach der Pause

Hammarby wird immer aufsässiger, und bleibt das auch nach der Pause. Kurz nach Wiederanpfiff gelingt den Schweden das 1:0. Nach einem Freistoss lenkt Pajtim Kasami den Ball unglücklich mit dem Kopf weiter, Jon Gudni Fjoluson köpfelt dann ins Tor. Die Lautstärke nimmt noch einmal neue Ausmasse an. Und in der 54. Minute legt eben dieser Fjoluson mit einem Distanzschuss zum 2:0 nach. Der Gesamtskore beträgt 3:3.

Der FCB kann sich in dieser Phase nicht mehr befreien, ja gar kaum mehr atmen. Und Hammarby zeigt auf eine beeindruckende Art und Weise, wieso es eine solche Macht ist im eigenen Stadion und rettet sich in die Verlängerung. In dieser legen die Schweden nach, erhöhen auf 3:0. Der FCB ist zu diesem Zeitpunkt ausgeschieden. Ein durch Afimico Pululu herausgeholter Penalty, den Arthur Cabral verwandelt, rettet den FCB jedoch gerade noch ins Penaltyschiessen.

Telegramm

Hammarby – Basel 6:7 n.P.


Stockholm Arena. – 8‘000 Zuschauer. – SR Bobby Madden. – Tore: 48. Selmani 1:0 (Paulsen). 53. Fjoluson 2:0. 101. Ouattara 3:0 (Amoo). 109. Cabral 3:1 (Foulpenalty). Elfmeterschiessen: Bojanic verschiesst. Cömert 3:4. Paulinho verschiesst. Frei 3:5. Accam 4:5. Pelmard verschiesst. Fenger 5:5. Pululu 5:6. Sandberg 6:6. Cabral 6:7.


Hammarby: Ousted; Paulsen, Fenger, Fjoluson; Rodic (115. Sandberg), Khalili (77. Amoo), Bojanic, Swedberg (77. Ouattara), Jeahze; Selmani (103. Paulinho), Ludwigson (112. Accam).

Basel: Lindner; Cömert, Frei, Pelmard; Lang (78. López), Xhaka, Kasami (67. Palacios), Petretta (103. Pululu); Stocker (103. Millar), Esposito (67. Males); Cabral.

Bemerkungen: FCB ohne Djiga, Padula und Zhegrova (verletzt). – Verwarnungen: 9. Xhaka (Foul). 9. Khalili (Unsportlichkeit). 53. Lang (Foul). 63. Ludwigson (Foul). 108. Ouattara (Foul). – 12. Schuss von Selmani an den Aussenpfosten. 56. Pfostenschuss Selmani.

Der Lärm, er wird lauter. Die Nerven, sie leiden. Offenbar auch bei den Hammarby-Akteuren. So verschiessen die zwei ersten Schützen, derweil Cömnert und Frei souverän verwandeln. Pelmards gehaltener Schuss bleibt danach ohne Folgen, weil Cabral wie so oft ganz am Ende die Nerven behält und den fünften Elfer verwertet.

Damit ziehen die Basler nach einem Jahr ohne europäisches Geschäft wieder in einen internationalen Wettbewerb ein. Auch in der Conference League können sie sich Millionen erspielen und ihre Akteure im Schaufenster präsentieren. Das erste, ganz grosse, ja gar existenzielle Ziel hat der Verein damit erreicht. Wenn auch erst nach einem Nervenkrieg bis zum Schluss.

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