Conference League
Kairat Almaty liegt fast in China: Warum die Kasachen trotzdem gegen den FC Basel spielen

Der FC Basel hat am Donnerstag in der Conference League den kasachischen Spitzenklub Kairat Almaty zu Gast. Obwohl die Stadt im Zentrum Asiens liegt, darf Almaty im europäischen Klubfussball mitmachen. Dafür gibt es zwei einfache Gründe.

Jakob Weber
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Arthur Cabral und Valentin Stocker wollen am Donnerstag gegen weit gereiste Kasachen erneut im Joggeli jubeln.

Arthur Cabral und Valentin Stocker wollen am Donnerstag gegen weit gereiste Kasachen erneut im Joggeli jubeln.

Marc Schumacher / freshfocus

5250 Kilometer Luftlinie trennen Basel und Almaty. Das entspricht 28x dem Weg quer durch die Schweiz von Basel nach Genf. Mehr als 7 Stunden dauert ein Direktflug und mit dem Auto wäre man gemäss Google-Maps-Routenplaner 79 Stunden – also mehr als drei Tage – pausenlos unterwegs. Die vier Stunden Zeitverschiebung sind da nicht mit einberechnet.

Wer auf die Landkarte blickt, sieht schnell, dass 200 Kilometer östlich von Almaty die chinesische Grenze kommt und trotzdem spielen die Kasachen in den Uefa-Wettbewerben mit. Warum?

Auch hier hilft ein genauer Blick auf die Landkarte. Denn ganz im Westen von Kasachstan – genauer gesagt 2000 Kilometer westlich, liegt das Kaspische Meer. Und gemäss der europäisch/asiatischen Grenze nach Philipp Johann von Strahlenberg gehören die beiden westlichsten Provinzen Kasachstans noch zu Europa. Auf diesen fünf Prozent der Landesfläche wohnen zwar auch nur rund 1 Million (von 19 Millionen) Kasachen, doch trotzdem ergeben sich dadurch für den heimischen Fussballverband Möglichkeiten.

Die konventionelle Grenze zwischen Asien und Europa nach Strahlenberg (A) ist rot markiert. Kasachsten ist violett umrandet.

Die konventionelle Grenze zwischen Asien und Europa nach Strahlenberg (A) ist rot markiert. Kasachsten ist violett umrandet.

Wikipedia

Der Fall Kasachstan ist vergleichbar mit dem Russlands oder der Türkei. Auch diese Länder liegen geografisch grösstenteils in Asien, gehören aber der Uefa und damit dem europäischen Fussballverband an.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1990 stellte die Uefa den betroffenen Ländern frei, ob sie ihr angehören wollen. Kasachstan entschied sich zunächst für den asiatischen Verband, vollzog 2002 aber dann den Wechsel zur Uefa. Man wolle sich mit den Besten messen, lautete damals die offizielle Begründung des Verbands.

Seitdem messen sich die Nationalmannschaften und die nationalen Spitzenklubs in den Uefa-Wettbewerben. Und seit 2014 gehört das im östlichsten Teil Kasachstans gelegene Almaty immer zu den qualifizierten Teams, was regelmässige lange Reisen zur Folge hat. Für die Kasachen in den fernen Westen und für die Gäste ins Zentrum Asiens.

So sieht die Welt aus, in deren Zentrum Almaty (rot markiert) liegt.

So sieht die Welt aus, in deren Zentrum Almaty (rot markiert) liegt.

Google Maps

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