Interview
Cologna hält Entscheidungen gerne in eigener Hand: «Die Entscheidungen treffe ich»

Dario Cologna spricht in einem Interview über Selbst- und Fremdbestimmung, über die aktuelle Tour de Ski und über seine Stärken und Schwächen

Rainer Sommerhalder
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Dario Cologna

Dario Cologna

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Dario Cologna, man konnte in der «NZZ» lesen, Sie wurden nach Sotschi «neu programmiert». Das tönt ziemlich krass nach Fremdbestimmung?
Dario Cologna: Über diese Formulierung musste ich auch lachen. Programmiert tönt schon sehr seltsam. Ich habe stets hart an mir gearbeitet, um in allen Bereichen noch etwas herauszuholen. Letztlich bin ich dafür verantwortlich, was ich mache. Seit Sotschi sind mir einige Sachen in die Quere gekommen. Umso zufriedener bin ich, dass es nun wieder aufgeht.

Sie sind ein Athlet, der die Kontrolle gerne in den eigenen Händen hält. Wie weit lassen Sie sich führen?
Ich muss letztlich selber herausfinden, was für mich gut ist und was ich brauche. Natürlich nimmt man den Rat von Trainern an. Man versucht gemeinsam, die bestmögliche Lösung aus verschiedenen Ideen zu finden.

Aber die Entscheidung treffen Sie?
Ja.

Sie sind wieder zum Siegläufer geworden. Wo sehen Sie die Gründe dafür?
Gründe? (überlegt). Ich habe ganz einfach gut gearbeitet, aber das habe ich in den letzten Jahren auch. Nur kam stets etwas dazwischen. Jetzt konnte ich in Bezug auf die Wadenprobleme auf einem besseren Niveau arbeiten.

Was aber kaum Zufall ist, sondern Folge von konkret veränderten Details?
Es sind wirklich nur kleine Details. Es ist ja nicht so, dass ich weit weg war von der Spitze. Letztes Jahr war ich immerhin Dritter bei der Tour de Ski. Komplett auf den Kopf gestellt habe ich meine Vorbereitung wirklich nicht.

Vor einem Jahr haben wir diskutiert, ob Sie klassisch schwächer einzuschätzen sind als im Skating-Stil. Kehren wir die Fragestellung um: In welcher Disziplin sind Sie derzeit stärker?
Ich habe immer betont, dass ich in beiden Stilrichtungen in etwa gleich stark bin. Viel hängt von der Form und dem Material ab. Ich sehe bei mir keine schwächere Disziplin.

53 Sekunden und mehr Vorsprung. Reicht das für den Gesamtsieg?
Das Rennen ist noch nicht entschieden. Es kann noch viel passieren. Aber die Ausgangslage ist gut und die Form passt.

Sergej Ustjugow, Ihr Konkurrent aufs Gesamtklassement, hat in Oberstdorf Zeit verloren. Waren Sie überrascht?
Ja, ich hatte erwartet, dass er versuchen würde, Boden gut zu machen. Ich dachte mir insbesondere bei den Zwischensprints, es werde etwas schwieriger für mich.

In Lenzerheide haben Sie sich mit ihm unterhalten. In welcher Sprache?
Eine Mischung aus Englisch und Deutsch. Ich weiss selber nicht, welche Sprache er besser versteht. Die Möglichkeiten zur Kommunikation bleiben so oder so bescheiden. Im Rennen reicht ohnehin die Körpersprache, um sich zu verstehen.

Wer ist denn nun aus Ihrer Sicht der Hauptgegner: Ustjugow, Sundby oder vielleicht sogar Harvey?
Es sind diese drei Namen. Je näher dran an mir, umso besser die Chancen. Sundby ist wohl der bessere Kletterer als Ustjugow. Harvey hat die Schlussetappe auch schon gewonnen. Ich hätte definitiv nichts einzuwenden, wenn ich mit ein wenig Vorsprung in den Aufstieg komme.

Und dieser Anstieg auf der Skipiste zur Alpe Cermis: reine Schinderei oder doch auch eine reizvolle Aufgabe?
Der Reiz ist die Challenge (lacht), aber es bleibt in erster Linie ein Kampf. Die Strecke ist sehr steil. Es ist entscheidend, von Beginn weg seinen Rhythmus zu finden. Das gelang mir im letzten Jahr sehr gut.

Sie haben bewiesen, dass Sie die Topform aus der Tour de Ski bis zum jeweiligen Grossanlass ausgezeichnet konservieren können. Ist das inzwischen ein Selbstläufer?
Es ist sicher kein Selbstläufer. Das Wichtigste nach der Tour de Ski ist es, gesund zu bleiben. Ich bin auch schon krank geworden. In einem solchen Fall verliert man wertvolle Zeit. Es kann bis zu den Olympischen Spielen noch viel passieren. Aber ich hoffe, es passt in diesem Jahr.