Super League

Chinesen im Berner Oberland und ein Privatdetektiv in Luzern – das war die Hinrunde in der Super League

Schon wieder weg: Trainer Stéphane Henchoz und Valon Behrami (rechts).

Schon wieder weg: Trainer Stéphane Henchoz und Valon Behrami (rechts).

Die Super League hat die Hinrunde beendet und ihre sechswöchigen Ferien angetreten. Anlass genug, um ein paar spezielle Geschichten dieses Fussballherbstes herauszupicken.

Die grosse Ernüchterung im Tourbillon

Mit Wunschtrainer Stéphane Henchoz, dem Barrage-Helden von Xamax und Königstransfer Valon Behrami startete der FC Sion im Sommer einen Angriff auf die Super-League-Hierarchie – und scheiterte kläglich. Ersterer war unzufrieden mit der Einstellung seiner Spieler, letzterer überhaupt nicht fit und unter dem Strich hat – wie immer – nichts gepasst zwischen Präsident Christian Constantin und seinen Hoffnungsträgern. Beide haben das Tourbillon längst fluchtartig verlassen. Tristesse pur im Tal.

Sorgt in Luzern für Gesprächsstoff: Bernhard Alpstaeg.

Sorgt in Luzern für Gesprächsstoff: Bernhard Alpstaeg.

Alpstaegs Privatdetektiv

In diesem Herbst ist viel geschrieben worden über das zerrüttete Verhältnis zwischen den FC-Luzern-Aktionären Alpstaeg auf der einen und dem Trio Sawiris, Schmid und Sieber auf der anderen Seite. Der Hauptstreitpunkt: Wem gehört der 25-Prozent-Aktienanteil des ehemaligen Präsidenten Walter Stierli? Für den Höhepunkt in diesem Trauerspiel hat Alpstaeg gesorgt, der laut Medienberichten bei einem Treffen mit dem Anwalt seiner Gegner gesagt habe: «Ich weiss, dass es schmutzig wird. Ich habe einen Privatdetektiv engagiert, habe sämtliche E-Mails auswerten lassen.» Sollte es zu einer Gerichtsverhandlung kommen, werde deshalb «ganz viel Dreck an die Oberfläche gespült, eine Ehe geht in die Brüche, und es werden sexuelle Verfehlungen bekannt.» Hollywood in Luzern.

Inzwischen ist bekannt geworden, dass sich die Aktionäre zusammenraufen und eine Lösung suchen wollen. Zur Ruhe ist der Verein aber nicht gekommen. Obwohl der im November von Sportchef Remo Meyer schwer angezählte Trainer Thomas Häberli sein ersatzgeschwächtes Team am Sonntag in der Super League zu einem sensationellen Sieg über den FC Basel geführt hat, ist er gestern entlassen worden. Bruno Berner, der Erfolgstrainer des SC Kriens, werde aber nicht Nachfolger, wissen Insider.

Der FC St. Gallen, eine verschworene Einheit.

Der FC St. Gallen, eine verschworene Einheit.

Der Verpflegungsstopp im Grauholz

Viele Fans stellen sich die Frage: Wie ist es möglich, dass der FC St. Gallen so stark auftrumpft und YB sowie dem FCB im Nacken sitzt? Und das mit einer Küken-Abwehr, gebildet von einem 22-Jährigen, zwei 21-Jährigen und einem 17-Jährigen! Vielleicht gibt die Episode, die sich auf der Rückfahrt nach dem Sieg bei Servette zutrug, eine Antwort. Weil den Spielern der Magen knurrte, gewährte Trainer Peter Zeidler ihnen entgegen seinen Gepflogenheiten (gesunde Ernährung und so...) kurz Auslauf in der Raststätte Grauholz. Da die meisten kein Geld dabei hatten, bezog Präsident Matthias Hüppi an der Kasse Stellung und bezahlte den Fast Food. Solch kleine Erlebnisse würden eben zusammenschweissen, sind sich Ostschweizer Beobachter sicher.

David Degen ist beim FCB eingestiegen.

David Degen ist beim FCB eingestiegen.

David Degen und der Spuk

Nach turbulenten Zeiten war der FCB in diesem Herbst in ruhigeren Gewässern unterwegs. Bis die im September verbreitete Meldung, der frühere Spieler David Degen habe Besitzer Bernhard Burgener zehn Prozent der Aktien der FC Basel Holding AG abgekauft, kurzfristig für hohen Wellengang sorgte. Würde das nur der Anfang sein? Möchte er den FCB einmal ganz übernehmen? Wie oft redet er nun drein? Der Spuk dauerte nur ein paar Tage. Seither schippert die Basler Kogge wieder durch ruhige Gewässer.

Der FC Thun will von chinesischen Touristen profitieren.

Der FC Thun will von chinesischen Touristen profitieren.

Chinesen im Berner Oberland

Der FC Thun ist in der Hinrunde kräftig durchgeschüttelt worden. Mit fünf Punkten Rückstand auf den Barrageplatz geht er als Tabellenletzter in die Winterpause. Für weit mehr Aufregung im Berner Oberland hat indes der Einstieg der Pacific Media Group gesorgt. Die Firma mit Sitz in China will 3 Millionen Franken in den FC Thun investieren. Dazu soll die Partnerschaft dem Verein Zugang zu Datenanalysen verschaffen und Sponsoring-Optionen erweitern. Die Beteiligungsquote der PMG am FC Thun liegt bei fünf Prozent, ist aber bei 25 Prozent gedeckelt. Vielen Fans ist der Deal suspekt, sie sprechen von einem Schreckgespenst, befürchten den Verkauf der Thuner Seele und das Ende ihrer heilen Fussballwelt.

So gut als Sänger wie als Fussballer: Guillaume Hoarau (YB).

So gut als Sänger wie als Fussballer: Guillaume Hoarau (YB).

Fans bekommen das Wankdorf zurück und warme Herzen

Klar, der Meister hätte gerne europäisch überwintert. Aber immerhin liegt er trotz grossem Verletzungspech in der Super League an der Spitze. Allen Fans, für die nicht nur Resultate allein wichtig sind, haben die Young Boys und einer ihrer Spieler schöne Vorweihnachtsgeschenke beschert: Ab der nächsten Saison heisst das Stade de Suisse dank einer neuen Stadionpartnerschaft wieder Stadion Wankdorf, und Stürmerstar Guillaume Hoarau sorgte im Oktober mit einem Reggae-Konzert in der Mühle Hunziken für warme Herzen. Zeugen des Auftritts sagen, er sei als Musiker mindestens so begabt, wie als Fussballer.

Die VAR in Volketswil machen einen guten Job.

Die VAR in Volketswil machen einen guten Job.

Der VAR ist in der Schweiz eine Erfolgsgeschichte

Die Messer waren gewetzt. Es gab viele Pessimisten, welche die Einführung des «VAR-light» (u.a. nur wenige Kameras, keine Torlinientechnologie) schon zu Saisonbeginn verbal beerdigten. Doch jetzt dies: Es hat noch nie einen Fussballherbst  mit so wenig Kritik an den Schiedsrichtern gegeben. Der Videobeweis ist in der Super League mit viel mehr Zurückhaltung genützt worden als zum Beispiel in der Bundesliga, und man ist damit gut gefahren. In den 90 Spielen führten die VAR in Volketswil total 555 Checks durch. Das sind etwas mehr als sechs Überprüfungen pro Partie. In 21 Fällen folgte der Schiedsrichter den Empfehlungen des VAR und es konnte somit in jedem vierten Spiel ein klarer Fehlentscheid korrigiert werden. Fehleinschätzungen wie beim ausgebliebenen Platzverweis des Baslers Kevin Bua blieben die Ausnahme.

Ist gegen die Zwölfer-Liga: Markus Lüthi, Präsident des FC Thun.

Ist gegen die Zwölfer-Liga: Markus Lüthi, Präsident des FC Thun.

Denn sie wissen nicht, was sie wollen

Ein irritierendes Bild gaben die Super League und ihre Klubs ab, als im November die Einführung der neuen Zwölfer-Liga mit Final- und Platzierungsrunde beschlossen werden sollte. Aussagen von Liga-Präsident Heinrich Schifferle liessen vermuten, alles sei nur noch Formsache. Der Thuner Präsident Markus Lüthi sah das anders, wehrte sich dagegen und wies nach, dass geteilt durch 12 weniger Fernsehgeld ergibt als geteilt durch 10 – und hatte plötzlich Mitstreiter. Eine Arbeitsgruppe geht nun der Sache nach und Anfang Februar soll die bestmögliche Lösung auf dem Tisch liegen. Affaire à suivre.

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Autor

Markus Brütsch

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