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Reaktionen zum Rassismus-Eklat in Paris: Empörung in Europa und hat sich der Schiedsrichter tatsächlich entschuldigt?

Der gestrige Spielabbruch zwischen PSG und Basaksehir Istanbul sorgt für grossen Wirbel. Die Wortmeldungen rund um die angebliche rassistische Beleidigung des vierten Offiziellen sind zahlreich. Auch der türkische Präsident Erdogan reagiert und die Uefa leitet eine Untersuchung ein.

David Umiker
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Nachdem der vierte Offizielle Sebastian Coltescu (ganz links) den Assistenztrainer von Basaksehir Istanbul, Pierre Webo (Mitte), rassistisch beleidigt habe, kam es zur Rudelbildung und Spielabbruch.

Nachdem der vierte Offizielle Sebastian Coltescu (ganz links) den Assistenztrainer von Basaksehir Istanbul, Pierre Webo (Mitte), rassistisch beleidigt habe, kam es zur Rudelbildung und Spielabbruch.

Bild: Ian Langsdon / EPA

So etwas wie gestern gab es noch nie. Der rumänische vierte Offizielle Sebastian Coltescu zeigte im Champions-League-Spiel zwischen Paris Saint-Germain und Basaksehir Istanbul in der 15. Minute auf den Assistenztrainer von Basaksehir, Pierre Webo. Er sagte wohl dem Schiedsrichter, ihn müsse er mit Rot auf die Tribüne schicken, vermutlich wegen Reklamierens. Dabei nannte Coltescu ihn aber angeblich auch «Negro», den Schwarzen. Zwar habe er die Wortwahl damit begründet, dass schwarz auf rumänisch «Negru» bedeute, was aber lange noch nicht entschuldigt, Webo überhaupt so zu nennen. Dies machte ihm auch Basaksehris Stürmer Demba Ba klar. Er sagte zu ihm, wenn du auf jemanden mit weisser Hautfarbe zeigst, nennst du ihn auch nicht der Weisse da.

Basaksehir weigerte sich in der Folge unter diesem Schiedsrichtergespann weiterzuspielen, weshalb das Spiel abgebrochen wurde. PSG stellte sich sofort auf die Seite der Türken. Kylian Mbappé und Neymar äusserten sich beispielsweise auf Twitter und zeigten, dass sie den Vorfall verurteilen.

Frankreichs Sportministerin spricht von historischer Entscheidung

Das Netzwerk «Football against Racism in Europe» (Fare) setzt sich seit 1999 gegen Rassismus und Diskriminierung im Fussball in Europa ein. Ihr Geschäftsführer Piara Powar sagte der Nachrichtenagentur AP: «Dass Basaksehir und PSG zusammen das Spielfeld verlassen haben, setzt ein Zeichen in Europa.» Viele Fussballprofis seien halbherzige Massnahmen gegen Rassismus leid und mehr denn je gewillt, bei Vorfällen selbst ein Spiel zu unterbrechen.

Auch Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu meldete sich noch gestern Abend auf Twitter. Sie warte zwar die Ergebnisse der Untersuchung noch ab, sähe das Verhalten beider Teams aber lobenswert: «Heute haben Sportler, Athleten eine historische Entscheidung gegenüber einer Einstellung getroffen, die sie als inakzeptabel beurteilt haben. Ich kann die starke Symbolik ihrer Geste und ihrer Solidarität nur begrüssen.»

Erdogan verurteilt die Ereignisse

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan meldet sich ebenfalls zu Wort. Er selbst ist Anhänger und stark verbunden mit dem Verein Basaksehir Istanbul. Nach dem Eklat distanziert sich der umstrittene Präsident in einer Twitter-Meldung von den Ereignissen und spricht sich bedingungslos gegen Rassismus und Diskriminierung im Sport und allen Lebensbereichen aus.

Die Reaktionen und das Fürsprechen für den Spielabbruch und gegen Rassismus sind gross. Der Rumänische Fussballverband schrieb in einer Stellungnahme am Mittwoch, dass er sich mit Nachdruck von jeder Aktion oder Erklärung rassistischer oder fremdenfeindlicher Art distanziere. Zudem drohte der Verband mit Konsequenzen, sollten sich die Anschuldigungen gegen Coltescu bewahrheiten.

Wurde Coltescus Instagram-Profil gehackt?

Der vierte Offizielle Sebastian Coltescu entschuldigte sich derweil auf Twitter. Zumindest veröffentlichte ein Twitter-Konto mit seinem Namen einen Beitrag, dass ihm das Missverständnis leid tue. Es sei nie seine Absicht gewesen, sich rassistisch zu äussern. In so einem Moment könnten Menschen manchmal ihre Gefühle nicht korrekt ausdrücken und missverstanden werden. Er hoffe auf Verständnis.

Diverse Medien berichten über die Entschuldigung. Wie die englische Daily Mail aber in einem Onlineartikel schreibt, wurde offenbar das Instagram-Profil von Sebastian Coltescu gehackt. Jedenfalls existieren mehrere Profile mit Coltescus Namen und auf dem Profilbild ist jeweils Pierre Webo zu sehen. Die Konten sind gekennzeichnet mit «Hacked by ...». Gut möglich also, dass auch das Twitter-Konto von Coltescu betroffen ist. Eine offizielle Meldung gibt es nicht und der erste Beitrag des Twitter-Kontos ist vom 1. Dezember dieses Jahres.

Bild: Instagram

Uefa leitet Untersuchung ein und setzt das Spiel neu an

Die Uefa liess auf Twitter verlauten, dass sie eine gründliche Untersuchung zu den Ereignissen während des Spiels einleite und Rassismus und Diskriminierung im Fussball in allen Formen keinen Platz haben. Das Spiel wurde derweil auf Mittwoch um 18.55 Uhr angesetzt. Mit den gleichen Teams, aber neuem Schiedsrichtergespann.

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