Champions League
Die YB-Sorgen werden immer grösser – können jetzt nur noch «Ferien» helfen?

Am Dienstag spielt YB bei Villarreal sein viertes Spiel in der Königsklasse. Die Halbzeitbilanz der Berner? Genügend bis gut. Trainer David Wagner verbreitet trotzdem Zuversicht.

Etienne Wuillemin
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Die Lobeshymne von David Wagner: «Intensität, Leidenschaft, Aggressivität, fussballerische Klasse - alles hat gestimmt. Ausser den Details.»

Die Lobeshymne von David Wagner: «Intensität, Leidenschaft, Aggressivität, fussballerische Klasse - alles hat gestimmt. Ausser den Details.»

Freshfocus

Als sein FC Liverpool gerade einmal eine Krise überstehen musste, sagte der grosse Trainer Jürgen Klopp einmal: «Die Champions League fühlt sich für uns ein bisschen an wie Ferien.»

YB-Trainer David Wagner kennt Klopp ziemlich gut. Beim FSV Mainz haben sich die beiden einst kennengelernt, wurden beste Freunde, Klopp ist der Trauzeuge von Wagner. Und vielleicht fühlt sich Wagner in diesen Tagen ja tatsächlich ähnlich wie einst Klopp. Denn YB hat schwierige Tage hinter sich. Seit der letzten Nati-Pause im Oktober harzt das Spiel des Meisters. Aus fünf Spielen resultierte nur ein Sieg. Nach dem Aus im Cup vor einer Woche folgte das 1:3 in St.Gallen. Da kann die Champions-League-Reise an die Ostküste Spaniens auch eine Chance sein, dem Alltag zu entfliehen.

Dass sich in der letzten Woche mit Torhüter David von Ballmoos (Schulter, fehlt monatelang) und Innenverteidiger Mohamed Ali Camara (Oberschenkel, fehlt 4-6 Wochen) zwei weitere Spieler verletzten, trägt auch nicht zur Besserung der Laune bei. Vielleicht rächt es sich nun, dass Wagner bis anhin kaum rotierte. Einigen Spielern fehlte zuletzt die Frische augenfällig.

Er wird den verletzten Torhüter David von Ballmoos ersetzen: Guillaume Faivre.

Er wird den verletzten Torhüter David von Ballmoos ersetzen: Guillaume Faivre.

Keystone

Jetzt wäre bereits Rang 3 ein Erfolg

Die Erwartungen, dass YB heute in Villarreal einen Exploit landet, sind jedenfalls klein. Die Erinnerungen an die magische Nacht gegen Manchester United (2:1) zum Start verblassen langsam. Die Niederlagen gegen Atalanta Bergamo (0:1) und dann zu Hause gegen Villarreal (1:4) dämpften die Stimmung empfindlich. Die Hoffnung auf eine wundersame Achtelfinal-Qualifikation schwindet. Stand jetzt wäre Rang 3 am Ende der Gruppenphase und damit das Überwintern in der Europa League für YB ein Erfolg.

Wer aber David Wagner gut 24 Stunden vor YB’s Auftritt bei Villarreal reden hört, der spürt nichts von gedämpfter Stimmung. Viel eher ist Vorfreude zu spüren. Und auch die Überzeugung, eine gute Partie zu zeigen. Wagner sagt:

«Natürlich ist es nicht schön, wenn wichtige Spieler ausfallen. Auch für uns in der Garderobe. Wir vermissen die Jungs und wünschen allen gute Genesung. Aber es ist auch so: Je schwieriger die Aufgabe und grösser die Herausforderung, desto schöner können dann die Emotionen beim Bewältigen auch sein. Das wollen wir uns als Gruppe zum Ziel nehmen.»

Wagner selbst hat mit seiner Wahl der taktischen Ausrichtung ebenfalls dazu beigetragen, dass der erste Vergleich zu einer Enttäuschung wurde. Er liess erstmals mit einer Dreierkette spielen – und ehe sich YB ans neue System gewöhnen konnte, lag es nach 15 Minuten bereits mit 0:2 hinten.

Dass es am Ende gleich 1:4 stand, war tatsächlich ein Hohn. Allein, YB verpasste es, früher einen Treffer zu erzielen. Dass die Berner nach dem 1:2-Anschluss keine reelle Torchance mehr besassen, ist indes auch eine Wahrheit. Trotzdem liegt Wagner nicht ganz falsch, wenn er sein Team für «Intensität, Aggressivität, Leidenschaft und spielerische Klasse» lobt. «Die Details hingegen haben wir nicht gut gemacht – und diese sind entscheidend in der Champions League.»

Das letzte Training vor dem nächsten Champions-League-Spiel: YB in der Arena von Villarreal.

Das letzte Training vor dem nächsten Champions-League-Spiel: YB in der Arena von Villarreal.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Am Dienstagabend um 21 Uhr bietet sich für YB die Chance, es besser zu machen.

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