Kolumne

Blutdoping bei 18 Prozent der WM-Teilnehmer in der Leichtathletik

Rainer Sommerhalder.

Rainer Sommerhalder.

Eine neue Studie von Antidoping-Spezialisten der Universität Lausanne kommt zum Schluss, dass in den Jahren 2011 und 2013 fast jeder fünfte WM-Teilnehmer mit falschen Karten spielte. Die gleichen Wissenschafter suchen derzeit nach Wegen, um die Betrüger besser zu überführen.

Sportwissenschafter der Universität Lausanne werden noch vor der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Doha eine brisante Studie veröffentlichen. Mithilfe von sieben verschiedenen Parametern des biologischen Athletenpasses haben sie abnormale Blutprofile erkannt und kommen zur Einschätzung, dass an der WM 2011 in Daegu und 2013 in Moskau 18 Prozent der Teilnehmenden Blutdoping betrieben haben. Das sind erheblich mehr als die nachgewiesenen 1,5 Prozent positiven Fälle aus allen weltweit in Labors ausgewerteten Dopingtests.

Der Auftrag zur Erarbeitung der ersten Studie dieser Art kam von der Welt-Antidoping-Agentur und dem internationalen Leichtathletik-Verband. Sie basiert auf insgesamt 3683 Blutproben von 2011 und 2013. Im Vorfeld der beiden Weltmeisterschaften wurden sämtliche startenden Sportler «angezapft».

Die in der Studie erwähnten grossen Unterschiede einzelner Nationen – ohne diese namentlich zu nennen – sind angesichts der damaligen Hochblüte des systematischen russischen Dopings nicht verwunderlich. Bemerkenswert dafür, dass nach der Einführung des Athletenpasses in der Leichtathletik im Jahr 2011 die abnormalen Blutwerte nicht deutlich sanken. So wie man es zwei Jahre zuvor bei den Radprofis beobachten konnte.

Der Lausanner Dopingspezialist Martial Saugy, einer der Verfasser der Studie, sieht diese als Basis für eine bessere Antidoping-Politik mit den richtigen Tests zum richtigen Zeitpunkt. Denn abnormale Werte des Athletenpasses reichen juristisch oft nicht aus, um ein Dopingvergehen zu beweisen. Aber sie identifizieren die Sportler, die sich höchstwahrscheinlich nicht an die Regeln halten.

Saugys Team arbeitet derzeit an der Einführung neuer Parameter für den biologischen Pass, die ein Dopingvergehen unzweifelhafter erkennen lassen. Apropos Dopingvergehen: Bei einer anonymen Athletenbefragung an der WM 2011 gaben sogar 44 Prozent aller Leichtathleten an, schon einmal gedopt zu haben.

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