Das Super-Comeback
Blerim Dzemaili nach dreizehneinhalb Jahren im Ausland: Als wäre er nie weg gewesen

Gleich im ersten Spiel nach seiner Rückkehr führt der 34-Jährige in der Super League den FC Zürich zu einem 4:1-Sieg in Basel. Er hat viele Ballkontakte, gewinnt die meisten Zweikämpfe und ist bereits der Chef seines neuen Teams.

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Blerim Dzemaili: Er kam, sah und siegte mit dem FC Zürich.

Blerim Dzemaili: Er kam, sah und siegte mit dem FC Zürich.

Keystone

Es ist ein Einstand nach Mass. Das erste Tor eingeleitet, das zweite vorbereitet und am Schluss in Basel 4:1 gewonnen: Kann es für einen bald 35-Jährigen, der 13 Monate lang kein Wettspiel mehr bestritten hat, ein schöneres Comeback in der alten Schweizer Heimat geben? «Das war schon ein sehr guter Auftritt», sagt Heimkehrer Blerim Dzemaili nicht ganz unbescheiden am Ende eines verregneten Abends. Es ist an seinen Augen abzulesen, dass sich hinter seiner Coronamaske wohl ein breites Lachen verbirgt. Dreizehneinhalb Jahre hatte er nach seinem Abgang aus Zürich im Ausland verbracht, nach seinen drei Titeln mit dem FCZ noch fünf weitere mit Napoli und Galatasaray geholt und war nun, nach dem grossen Missverständnis in China mit dem FC Shenzhen, zu seiner alten Liebe zurückgekehrt.

Schon viele Schweizer haben nach oft schönen Jahren im Ausland den Wunsch gehabt, ihre Karriere in der Super League würdig ausklingen zu lassen. Für die Basler Alex Frei, Marco Streller und Beni Huggel wurde die Zeit nach ihrer Rückkehr mit vielen Titelgewinnen gar zu einer fantastischen Erfolgsstory. Auch Steve von Bergen und Fabian Lustenberger wurden bei den Young Boys glücklich. Andere wie Christoph Spycher bei YB und Silvan Widmer beim FCB brachten und bringen zwar starke Leistungen, hatten aber nicht das Glück, in eine Topmannschaft gekommen zu sein.

Nicht alle Rückkehrer schreiben Erfolgsstorys

Äusserst schlechte Erfahrungen machten gar Profis wie Raphael Wicky, Gelson Fernandes, Valon Behrami und Johan Djourou, welche die hohen Erwartungen beim FC Sion nicht erfüllen konnten und kläglich versagten. Den Vogel in der Riege der Gescheiterten schoss indes fraglos Johann Vogel ab. Nachdem der Romand seine beeindruckende Laufbahn im Frühjahr 2009 nach Stationen bei Eindhoven, Milan, Betis Sevilla und Blackburn beendet hatte, liess er sich fast drei Jahre später von den kriselnden Grasshoppers und ihrem Trainer Ciriaco Sforza überreden, als knapp 35-Jähriger noch einmal in die Hosen zu steigen. Allein: Das Experiment ging fürchterlich in die Selbigen. Auch die Captainbinde half nicht, die physischen Defizite aufzufangen.

Obwohl Dzemaili im gleichen Alter ist wie Vogel damals und ebenfalls eine lange Spielpause hinter sich hat, sind seine Perspektiven ungleich besser. In Basel hinterliess er jedenfalls einen erstaunlich fitten Eindruck. Dabei hatte er wegen leichter Kniebeschwerden in der Woche vor der Partie nur zwei Mal trainieren können. Doch Trainer Massimo Rizzo hat offenbar längst erkannt, welchen Wert Dzemaili für sein Team auf und neben dem Platz haben kann und ihn bedenkenlos ins kalte Wasser geworfen. «Ich will nicht, dass mich der Trainer wegen meines Namens aufstellt», sagt Dzemaili, «ich möchte mir den Respekt mit starken Vorstellungen verschaffen.»

So kann es geschehen, dass das von Rizzo angewendete Leistungsprinzip einem Talent zwischenzeitlich den Platz kostet. Wie gegen Basel dem 22-jährigen Toni Domgjoni. Doch geht Dzemaili, dessen Vertrag am 30. Juni 2022 endet, weiter mit diesem Elan voran, kann er als Vorbild den Jungen einiges mit auf den Weg geben. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob dem FCZ noch genau eine Figur wie Dzemaili gefehlt hat, um sich auf Augenhöhe mit St. Gallen, Basel und Lugano um die Europacupplätze zu balgen. «Gewinnen wir am Mittwoch gegen Vaduz, dann dürfen wir in der Tabelle nach oben schauen», sagt Dzemaili.

Für die Basler aber war das 1:4 schon die sechste Niederlage. Der Meistertitel rückt mit solchen Darbietungen immer weiter in die Ferne.