Sport-Experten
Bleibt Russi unersetzt? - Der Experte zwingt das SRF zu einem Grundsatzentscheid

Matthias Hüppi und Bernhard Russi kommentierten gemeinsam 31 Jahre lang Skirennen. Nach der Ski-WM ist Schluss. Bernhard Russi löst damit beim SRF eine Diskussion aus: Braucht es noch Sportexperten bei Liveevents?

Silvan Hartmann
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TV-Duos
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Günter Netzer und Beni Thurnheer - Der Stern des legendären Duos geht an der WM 1994 in den USA auf. «Zwischen uns hat es einfach auf allen Ebenen gepasst», sagt Thurnheer. Ende der 90er-Jahre geht Netzer zur ARD und bildet dort mit Gerhard Delling das nächste Kultduo.
Heinz Günthardt und Stefan Bürer - Würde man alle Sendeminuten des Duos in einem schauen, sässe man über vier Monate vor dem TV. SRF-Rekord! Seit 1995 kommentieren die Freunde mit den zum Verwechseln ähnlichen Stimmen gemeinsam – ans Aufhören denkt keiner.
Hans Jucker und Jean-Claude Leclercq - 17 Jahre stand der Franzose Leclercq dem Kommentator-Urgestein Jucker zur Seite. Leclerq erzählte über die Fahrer, Jucker über die französischen Schlösser – ein Genuss! 2010 endete die Ära. Jucker verstarb kurz darauf, Leclercq ist jetzt bei Eurosport.
Peter Minder und Adriano Iseppi - Von 2008 bis 2012 begleitete das Duo Dario Cologna bei dessen Aufstieg zum Superstar. Minder und Iseppi waren sich oft uneinig – für den heutigen VBS-Pressechef Minder «ein Mehrwert für die Zuschauer». Iseppi ist immer noch Experte beim SRF.
Stefan Hofmänner und Michael Bont - Jeder Ski-Experte wird an Russi gemessen – und kann nur verlieren. Abgesehen davon bildete Bont bis 2014 mit Hofmänner ein kompetentes, angenehm unaufgeregtes Duo bei den Frauenrennen. Finden sie nach dem Russi/Hüppi-Rücktritt wieder zusammen?

TV-Duos

Andreas Eggenberger

Sie werden nach über 31 gemeinsamen Jahren verstummen – die beliebten, vertrauten Skistimmen des SRF: Matthias Hüppi und Bernhard Russi gehen nach der Ski-WM in St. Moritz getrennte Wege. Unweigerlich kommt die Frage auf: Wer soll in ihre Fussstapfen treten? Wer ersetzt Russi als Experten? Didier Cuche? Marco Büchel? Dani Albrecht? Oder gar niemand? «Wir halten die Augen offen und werden mit geeigneten Kandidaten Gespräche führen», sagt Roland Mägerle, Leiter SRF Sport, auf Anfrage.

Das SRF steht nicht nur vor einer Herkulesaufgabe, man steht im Leutschenbach auch vor einem Grundsatzentscheid: So ist unklar, ob man überhaupt mit dem Experten-System im Skisport weiterfährt. Ein Entscheidungsfaktor sind auch die damit verbundenen Kosten. Klar ist nur, dass Hüppi durch Stefan Hofmänner ersetzt wird.

Auch Nati ohne TV-Experten

Ist das Experten-System ein Auslaufmodell? Schliesslich wurde auch der Experte bei Live-Spielen der Schweizer Fussball-Nati abgeschafft. «Experten im Skisport haben sich bewährt. Gerade im analytischen Bereich können sie einen grossen Mehrwert bieten», sagt Mägerle und ergänzt: «Grundsätzlich gibt es nicht nur ein Modell, das funktioniert. Es ist daher auch nicht ausgeschlossen, dass man sich Gedanken über Veränderungen macht.»

Schweizer Experten im Live-Sport-TV gibt es seit den 80er-Jahren. Sie fanden erstmals in den 90er-Jahren so richtig Anklang in den Stuben der Zuschauer, als sich europäische Privatsender zu Werbezwecken mit verpflichteten Star-Experten brüsteten. Das SRF zog mit: Nicht zuletzt Bernard Thurnheer mit Experte Günter Netzer (Fussball-Nati) sowie Hans Jucker mit Jean-Claude Leclercq (Rad) entwickelten sich zu legendären Kommentatoren-Duos.

Doch die Experten sind gerade bei Kommentatoren nicht unumstritten. In Deutschland scheint vielen Kollegen ein Zacken aus der Krone zu fallen, wenn ihnen ein Experte widerspricht, sagt TV-Legende Thurnheer: «Ich hatte mich am Anfang auch gewundert, dass sich die Experten so spielend leicht durchzusetzen vermochten. Man war immer der Meinung, dass bereits Kommentatoren zu viel sprechen würden», blickt der 67-Jährige zurück.

Inzwischen ist die TV-Legende der Meinung, dass Experten unverzichtbar sind: «Kein Sportjournalist kann das einem Zuschauer packender und kompetenter rüberbringen, wie es sich anfühlen muss, als Titelverteidiger im Starthaus zu stehen, als einer, der dies selber erlebt hat», sagt Thurnheer. Vor allem bei Olympischen Sommerspielen werden die Experten von allen geschätzt, weil gerade in dieser Zeit auch exotische Sportarten im Mittelpunkt stehen.

Es reiche jedoch nicht, bloss grosses Fachwissen in einer Sportart mitzubringen. «Es ist schwierig, geeignete Experten zu finden, die innerhalb von wenigen Sekunden Gedankengänge fixfertig formuliert ausspucken können. Es braucht besondere Fähigkeiten», sagt Thurnheer.

Das Duo muss harmonieren

Ob diese Didier Cuche oder Marco Büchel im Skirennsport mitbringen würden? Thurnheer will sich zu Namen nicht äussern, findet aber: «Die Initialzündung eines Engagements mit einem Experten muss zwingend vom Kommentator selber kommen. Es darf nicht bloss ein Chefentscheid sein. Denn ein Duo muss harmonieren wie ein Eiskunstlaufpaar.»

Das tun auch Stefan Bürer und Heinz Günthardt seit 22 Jahren. Sie haben allein in den letzten zwei Wochen mehr als 58 Stunden Live-Tennis für SRF kommentiert. Günthardt steht dem Schweizer Fernsehen ebenfalls schon mehr als 30 Jahre als Experte zur Verfügung. Steht der nächste Rücktritt bald bevor? Urgestein Günthardt sagt dazu: «Nach diesen Australian Open denkt man als Kommentator definitiv noch nicht ans Aufhören.»